Deutsche Umwelthilfe fordert Ende der Agro-Sprit-Förderung

Die NGO moniert in Anbetracht der Lebensmittelkrise die Beimischung von Agrokraftstoffen aus Getreide, Raps & Co zu fossilem Sprit – und fordert die Regierung mit Smartwatch auf, die Förderung zu streichen.

Was sollte getankt werden? Die DUH fordert: "keine Lebensmittel", stattdessen E-Strom.(Foto: Pixabay)
Was sollte getankt werden? Die DUH fordert: "keine Lebensmittel", stattdessen E-Strom.(Foto: Pixabay)
Johannes Reichel
von Anna Barbara Brüggmann

Gemeinsam mit Smartwatch plant die Deutsche Umwelthilfe am 7. April eine Aktion vor dem Bundesumweltministerium, die die Verwendung von Getreide als Agrokraftstoff in Fahrzeugtanks verbildlichen und gleichzeitig monieren soll. Unter dem Motto "Kein Essen mehr in den Tank" fordern die beiden Organisationen die Bundesregierung auf, die staatliche Förderung von Agrokraftstoffen mit sofortiger Wirkung zu stoppen. Als Grund nennen DUH und Smartwatch zum einen, dass die Beimischung von Agrokraftstoffen aus Getreide, Raps & Co. zu fossilem Sprit durch den großen Flächenverbrauch Folgen auf Klima und Biodiversität haben. Zum andere verweisen sie auf die sich anbahnende Nahrungsmittelkrise aufgrund des Russland-Ukraine-Kriegs.

Konkurrenz zu Lebensmittelproduktion

Als Agrokraftstoffe definiert die DUH Kraftstoffe auf Basis pflanzlicher Öle und Fette, die fossilen Kraftstoffen beigemischt werden – von der Bezeichnung „Bio“-Kraftstoffe möchte sich die Umwelt-Organisation nach eigener Aussage in diese Zusammenhang bewusst distanzieren. Denn nach ihrer Aussage ist für die Produktion von Agrokraftstoffen Fläche notwendig, die andernfalls unter anderem für den Anbau von Nahrungsmitteln zur Verfügung stünde. Dies wiederum führe dazu, dass bislang ungenutzte Flächen, beispielsweise Wälder und Moore (die DUH spricht von CO2-Speichern), in Ackerfläche umgewandelt würden – mit negativen Folgen für Klima und Artenvielfalt, so die Aussage.

Nicht länger als erneuerbarer Kraftstoff anrechenbar

Die Organisation verweist nicht nur auf die Notwendigkeit einer grundlegenden Mobilitätswende mit der Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene, der Stärkung des öffentlichen Verkehrs und der Reduzierung von Emissionen, sondern auch auf die europäische Erneuerbare Energien-Richtlinie, welche Vorgaben für den Einsatz von Kraftstoffen aus erneuerbaren Quellen auch im Verkehrssektor beinhaltet. Die Forderung der DUH: Agrokraftstoffe sollen nicht länger als erneuerbarer Kraftstoff im Verkehr angerechnet werden. Gefördert werden sollte die direkte Elektrifizierung als Antriebstechnologie. Bei gleicher Kilometerleistung benötige die Erzeugung von Solarstrom für E-Fahrzeuge 97 Prozent weniger Fläche als Agrokraftstoff.

Eine durch den geforderten Ausstieg aus Agrokraftstoffen erzielte Flächenentlastung solle dafür genutzt werden, geeignete Flächen für Renaturierung zur Verfügung zu stellen. Fruchtbares Ackerland sollte der DUH zufolge für naturverträgliche Nahrungsmittelproduktion priorisiert werden.

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