Deutsche Klimabilanz: Doch nicht so dolle - Verkehr hinkt hinterher

Ohne Corona hätte der Verkehrssektor zehn Prozent über Soll gelegen: Nach neuer Schätzung des Expertenrats für Klimafragen sind zwei Drittel des Rückgangs der CO2-Emissionen der Pandemie zuzurechnen.

Nur eine Momentaufnahme, die die Bilanz rettete: Ohne den Shutdown wäre der Verkehrssektor weit über sein Klimaziel hinausgeschossen. Autobahn A99 bei Kirchheim am Ostersonntag 2020. | Foto: J. Reichel
Nur eine Momentaufnahme, die die Bilanz rettete: Ohne den Shutdown wäre der Verkehrssektor weit über sein Klimaziel hinausgeschossen. Autobahn A99 bei Kirchheim am Ostersonntag 2020. | Foto: J. Reichel
Johannes Reichel

Entgegen der vor kurzem veröffentlichten Einschätzung des Bundesumweltministeriums (BUM) und des Umweltbundesamts (UBA) kommt der neu von der Bundesregierung gegründete "Expertenrat für Klimafragen" in einer neuerlichen Schätzung zu dem Schluss, dass zwei Drittel des Rückgangs der CO2-Emissionen den Effekten der Corona-Krise zuzurechnen sind. Darüber berichtet die Süddeutsche Zeitung. Auf Basis einer Trendfortschreibung hätten die Emissionen um 45 bis 48 Millionen Tonnen Kohlendioxid höher gelegen. Auf das deutsche Klimaziel bezogen, hätte der Rückgang des CO2-Ausstoßes gegenüber 1990 dann nur 37 Prozent betragen, bei offiziell angestrebten 40 Prozent. BUM und UBA waren im März noch zu positiveren Schlüssen gekommen und von 40,8 Prozent Rückgang inklusive Corona-Faktor ausgegangen. Auch ohne die Pandemie, meinte Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) damals, hätte man eine 39 vor dem Komma erreicht. Das liegt der neuen Schätzung nach in weiter Ferne.

Ohne Corona-Effekte und den im Shutdown massiv reduzierten Verkehr hätte der Sektor zehn Prozent über dem Soll gelegen. Dagegen schoss der Gebäudebereich über das Ziel hinaus, auch aufgrund der hohen Heiz- und Stromkosten im Lockdown. Es gebe also große Unsicherheiten in den vorliegenden Zahlen, so der Vorsitzende des Rats Hans-Martin Henning. Allerdings könnten die deutschen Ziele schnell wieder überholt sein: Die EU plant, die bisher geplante Minderung der CO2-Emissionen von 55 auf 68 Prozent zu erhöhen, auch 70 Prozent werden vom UBA derzeit durchgerechnet. Das sei durchaus möglich, glaubt UBA-Chef Dirk Messner. Jedoch laufe "zunehmend die Zeit davon", erklärte er gegenüber der SZ.

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