Der NSU Ro 80 wird 50

Visionäre Ideen gab es schon immer. Der NSU Ro 80 gehörte zweifellos dazu. Und schaufelte das Grab der Marke NSU. Die Sonderausstellung „Revolution – 50 Jahre NSU Ro 80“ würdigt das letzte Modell der Marke.

Auf der IAA 1967 war der Ro 80 DER Hingucker der Marke NSU. | Foto: Audi
Auf der IAA 1967 war der Ro 80 DER Hingucker der Marke NSU. | Foto: Audi
Gregor Soller

50 Jahre ist es nun her, dass der Ro 80 auf der IAA 1967 Premiere feierte. Und tatsächlich war er so fortschrittlich, dass er noch heute eher durch bunte Farben und vielleicht die Chromstoßstangen als durch klassische Optik auffällt. Wie auch? Denn Audi hat das Designthema der drei Seitenscheiben samt Keilform seither in die eigene DANN übernommen und fortgeführt.  

Deshalb widmet ihm Audi Tradition jetzt eine Sonderausstellung im einstigen NSU-Standort Neckarsulm, an dem noch heute die großen Limousinen A6, A7 und A8 entstehen. Als Highlight zeigt die Ausstellung im Audi Forum Neckarsulm vom 30. September 2017 bis 27. Mai 2018 außergewöhnliche Modellvarianten der Neckarsulmer Design-Ikone.

Was war damals revolutionär? Das Package samt dem Exterieur-Design: Denn 1967 konnte der Ro 80 Maßstäbe bei Straßenlage, Sicherheit und Komfort setzen. Die futuristische, keilförmige Karosserielinie machte ihn tatsächlich zu einem „Meilenstein des Automobildesigns“. Innen gab sich der Ro dagegen eher pragmatsich und hätte auch ein konservativer Brite ohne Holzvertäfelung sein können. Eine weitere Revolution war der Kreiskolben-Wankelmotor, der anfangs jedoch riesige Probleme mit den Dichtleisten hatte und dem man das Saufen bis heute nicht richtig abgewöhnen konnte. In Folge tauschten viele überforderte Werkstätten einfach das ganze Aggregat und bis die Neckarsulmer das Problem im Griff hatten, war der Ruf ruiniert.

Entsprechend wurden von 1967 bis 1977 nur 37.406 Ro 80 im Werk Neckarsulm gebaut – das Auto war ein Fall für Fans. Einer der hartnäckigsten dürfte sicher Heinrich Afflerbach gewesen sein, der sich Nummer 37.407 aus Ersatzteilen selbst aufbaute -1985, acht Jahre nach Produktionsende! 

Der Ro kostete NSU so viel Geld und Kraft, dass man 1969 auf Betreiben der Volkswagen AG mit der Ingolstädter Auto Union GmbH zur Audi NSU Auto Union AG fusionierte. Der kleinere und von einem „konventionellen“ Hubkolbenmmotor angetriebene „K70“ kam dann schon als VW auf den Markt.  1985 entstand aus dieser Vereinigung die heutige Audi AG.

Besucher der Ausstellung „Revolution – 50 Jahre NSU Ro 80“ sehen neben den Exponaten zur Modell-Entwicklung verschiedene Varianten dieses Autos. Ausgestellt sind unter anderem der älteste Ro 80 in Originalzustand, der private Ro 80 von Felix Wankel, Design-Studien von Pininfarina und Bertone, Technikträger und ein K70. Für die Eröffnung der Ausstellung am 30. September 2017 haben sich mehr als 100 Ro 80-Fahrer mit ihren historischen Autos am Audi Forum Neckarsulm angekündigt. Audi Tradition bietet an diesem Tag in einem Sonderverkauf exklusive Ro 80 Accessoires an. Neben Modellen in verschiedenen Maßstäben sind T-Shirts, Pins und limitierte Sammelmappen im Angebot. Klaus Arth, Autor des kürzlich erschienenen Buchs zum Ro 80 Jubiläum signiert vor Ort und sein Werk „NSU Ro 80, Vorsprung durch Technik“.

Was bedeutet das?

Visionäre Konzepte können ein Unternehmen den Kopf kosten – und eine Marke prägen. Die Dachlinie des Ro 80 zitieren noch heute alle Audi-Limousinen.

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