Der Bundesrat fordert Austauschakkus bei E-Tretrollern

Der Bundesrat fordert, dass Elektroroller künftig einen austauschbaren Akku haben müssen.

Akku leer oder gar defkt? Dann sollte er bei den E-Tretrollern getauscht werden können. | Foto: G. Soller
Akku leer oder gar defkt? Dann sollte er bei den E-Tretrollern getauscht werden können. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Das Problem vieler E-Scooter: Geht der Akku in die Knie, wird er wegen des meist hohen Tauschaufwandes selten ersetzt – der Roller wäre damit prinzipiell Elektroschrott. Deshalb fordert der Bundestag in einer am 8.11.2019 gefassten Entschließung die Bundesregierung auf, die Vorschriften für Elektrokleinstfahrzeuge entsprechend zu abzuändern. Jetzt muss die Bundesregierung entscheiden, ob sie die Empfehlung des Bundesrates aufgreift und eine Gesetzesänderung auf den Weg bringt. Der Bundesrat argumentiert:

„Das sei mit den Grundsätzen der Abfallvermeidung, Ressourceneffizienz und Energiesparsamkeit nicht zu vereinbaren und läge auch nicht im Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher.“

Der Bundesrat erinnert darüber hinaus an seinen Beschluss in BR-Drucksache 143/19, in dem er Aktivitäten zur Forschung, Entwicklung und Realisierung von Recyclingmöglichkeiten von Fahrzeugbatterien forderte und regt in diesem Zusammenhang an, aus Gründen des Umweltschutzes und zur Rückgewinnung von Batterierohstoffen auch für Batteriezellen aus Kleinfahrzeugen gesonderte Recyclingziele zu definieren. Ebenso soll ein verpflichtendes Pfandsystem für Antriebsbatterien (Industriebatterien im Sinne des § 2 Absatz 5 Batteriegesetz) vorgesehen sowie die Wirtschaftsbeteiligten bei dessen Aufbau unterstützt werden. Auch hierzu äußert sich Electric Empire. Bereits jetzt Elektrokleinstfahrzeuge den Recyclingvorschriften des Elektrogesetzes unterliegen, heißt es.

Ferner bittet der Bundesrat, dass sich die Bundesregierung auch auf europäischer Ebene für Regelungen einzusetzen, die sicherstellen, dass zukünftig nur noch E-Kleinstfahrzeuge mit austauschbarem Akku in Verkehr gebracht werden dürfen.

Die Reaktion seitens der Betreiber fiel positiver aus als gedacht: Der Bundesverband Elektrokleinstfahrzeuge e.V. stehe allen Maßnahmen, die einer höheren Umweltverträglichkeit dienen, prinzipiell positiv gegenüber. Wechselakkus können hier sicherlich einen Beitrag leisten, wenn sie sinnvoll eingesetzt würden. Die Frage ist nur, wie man mit Bestandsfahrzeugen umgeht. In der Regel ließen sich die Akkus heute schon bei den meisten Modellen mit „wenigen handwerklichen Handgriffen“ tauschen oder ersetzen. Da die Akkus auch für die Betreiber zu den teuersten Komponenten gehören, streben viele Anbieter bereits den Akku-Tausch im Sharing-Bereich an. So stellte Circ eine neue Generation der eigenen E-Tretroller vor, deren Akkus jetzt gut getauscht werden können. Auch Tier Mobility will bis zum Jahresende soll die gesamte Flotte in Deutschland auf Tausch-Akkus umgerüstet haben. Ein Pionier ist hier auch das Battery-as-a-Service Start-up Swobee. Die Berliner betreiben bereits ein herstelleroffenes Akkuwechselsystem für Stromer, das just um Tretroller erweitert wird. Neben Batterien von E-Cargobikes und E-Rollern werden so künftig auch Akkus von E-Tretrollern geladen werden können. Die „Sharing Points“ würden aktuell auf die neuen Akkusysteme vorbereitet, Pilotprojekte mit Sharing-Flotten seien bereits geplant.

Was bedeutet das?

Das Akkusharing ist ein wichtiger Punkt für die großen E-Tretrollerflotten. Doch den haben die meisten Flotten aus Kostengründen ohnehin auf dem Schirm. Wichtig wäre jetzt auch, bei den Akkuqualitäten nachzulegen, dass die Batterien generell viel länger halten – bevor sie gewechselt werden müssen.  

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