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Meinungsbeitrag

Denkfallen – Teil 8: Die Untertassen-Falle

Über den sprichwörtlichen Tellerrand hinaussehen zu können, hilft. Aber es passiert leider nur so selten.

Während seiner Karriere fiel Juice-Gründer und -CEO Christoph Erni immer wieder auf, dass die Ursache für Fehlentscheide in immer gleichen Denkfallen liegen kann. In den folgenden Kolumnen deckt er einige davon auf und unterhält uns mit Einblicken in die Abgründe des Business-Alltags. | Foto: Juice Technology
Während seiner Karriere fiel Juice-Gründer und -CEO Christoph Erni immer wieder auf, dass die Ursache für Fehlentscheide in immer gleichen Denkfallen liegen kann. In den folgenden Kolumnen deckt er einige davon auf und unterhält uns mit Einblicken in die Abgründe des Business-Alltags. | Foto: Juice Technology
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Redaktion (allg.)

Demokratie ist die einzig richtige Staatsform, würde man hierzulande sagen. Besonders wenn man mehrmals im Jahr zu (meist) wichtigen Themata abstimmen darf, wie in der Schweiz. Dann nämlich beschäftigen sich die Leute mit allen Facetten einer Vorlage, wägen ab – und lehnen dann die Erhöhung der gesetzlichen Mindestferienwochen von vier auf fünf mit überwiegender Mehrheit ab. Um der Wirtschaft nicht zu schaden, was letztlich wieder allen zugutekommt. So geschehen vor einigen Jahren in Helvetien.

Wie gesagt: Es hilft, über den sprichwörtlichen Tellerrand hinausblicken zu können. Aber genau das passiert leider nur so selten (und die Abstimmungsresultate in der Schweiz werden auch nicht mehr weitblickender).

Verbrennerfahrer in der Untertasse

E-Fahrer können ein Lied davon singen. Sitzen Sie mal einen Abend lang neben einem eingefleischten Verbrenner-Fahrer (oder Fleischesser oder oder oder…). Dann merken Sie, wie extrem tief so eine Untertasse sein kann. Beziehungsweise wie hoch der Rand daran. Ja, bei manchen denkt man, sie sehen nicht mal bis zu diesem.

Wie sonst könnten solche Mitmenschen nicht wissen, dass E-Autos zum Fahren weniger Strom brauchen als man zum Raffinieren des Benzins benötigt? Dass man ein E-Auto nicht in fünf Minuten volltanken können muss wie seinen Stinker? Dass man heute schon 100.000mal mehr Ladepunkte hat als Tankstellen, weil nämlich jede Steckdose nutzbar wird?

Mit Internet und Google ist der Menschheit so viel Wissen zugänglich wie nie zuvor. Niederschwellig und für alle erreichbar. Aber, und das ist das Paradoxe, das scheint nicht zu mehr Weitblick zu führen. Obwohl die Leute mit einem Klick ihren Horizont erweitern könnten, wählen viele gerade bei komplexen Sachverhalten das Gegenteil: Sie schotten ab, sie erhöhen den Tellerrand.

Was bedeutet das fürs tägliche Leben?

Das Öffnen des Horizonts, also der Blick über den bisher bekannten Rand hinaus, wird oft als gefahrvoll wahrgenommen. Urängste im Menschen sträuben sich dagegen. Denn liebgewonnene Überzeugungen, gehätschelte Vorurteile und ganze Weltbilder könnten ins Wanken geraten. Das wiederum rüttelt an den Grundfesten der Schwachen, die sich in der Untertasse ihrer kleinen Welt verschanzen.

Deshalb ist es so wichtig, dass in einer immer vielschichtigeren, schneller drehenden Welt die Dinge einfach daherkommen. Wer gewinnen will, muss Sachverhalte, Produkte, Argumente auf ihre Essenz eindampfen. Nicht verfälschen, sondern destillieren.

Helfen Sie mit, Ewiggestrige aus ihrer Untertasse zu befreien. Und prüfen Sie Ihr Weltbild dahingehend, ob Sie nicht auch irgendwo in einem Tellerchen festsitzen.

 

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