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Meinungsbeitrag

Denkfallen - Teil 3: Die Südwester-Falle

Segeln Sie? Dann wissen Sie, was Ölzeug ist. Diese gelbe beschichtete Bekleidung, diese wetter- und wasserfesten Jacken und Hosen. Und Hüte, die Südwester, aus demselben Material gibt’s auch noch dazu. Das alles schützt wunderbar vor Wind und Wetter, kann aber auch sehr einengen.

Christoph Erni, Gründer, CEO und Geschäftsführer von Juice Technology blickt in seiner Kolumne gern auch mal weit über den Tellerrand des Geschäftsalltages hinaus. | Foto: Juice Technology
Christoph Erni, Gründer, CEO und Geschäftsführer von Juice Technology blickt in seiner Kolumne gern auch mal weit über den Tellerrand des Geschäftsalltages hinaus. | Foto: Juice Technology
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Redaktion (allg.)

Die Südwester-Kombination ist natürlich praktisch für das ganz wilde Wetter. Fürs Übersetzen über den Ärmelkanal oder von La Spezia in einem Schlag nach Korsika. Weder Gischt noch ganze überschlagende Wellen können einen da nass machen. Feucht wird’s innen trotzdem, meist vom Angstschweiß.

Vom Segeln kann man ja sowieso viel lernen fürs Geschäft. Zum Beispiel, dass man noch so ein guter Segler sein kann – wenn man aber in der Flaute parkt, dann nützt das einfach gar nichts. Übersetzt fürs Business heißt das: Wenn Ihr Markt windstill ist, geben Sie auf oder holen Sie sich ein Motorboot, dass Sie in andere Gefilde zieht. Denn wenn das Wasser ganz glatt ist, geht’s nicht mehr weiter. Oder, wie eine alte Indianerweisheit sagt:

„Wenn Du merkst, dass Dein Pferd tot ist, steig ab.“

Segler wissen, dass man vorausschauen muss. Und die Segel so setzen soll, wie der Wind weht. Wenn er dreht, braucht es halt manchmal einen Schlag mehr auf der Kreuz, um ans Ziel zu kommen. Aber wer die Einflüsse früher spürt und bei jeder Welle ein bisschen gegendrückt, ist eindeutig früher im Ziel.

Schwamm statt Südwester könnte eine Lösung sein  

Aber zurück zum Südwester: Kennen Sie die Leute auch, die gefühlt mit so einem Ding durchs Leben gehen? Alle Einflüsse, Erfahrungen und Impulse von außen laufen an denen einfach so runter. Wie die Gischt am Südwester. Nichts lassen sie rein. Sie schmoren nur in ihrem eigenen Saft (oder Schweiß).

Dabei wäre es so einfach. Und die Evolution hat uns ja so programmiert: Kinder saugen alles auf wie ein Schwamm. So ein schöner, offenporiger Naturschwamm. Und dann behalten sie das Gute als Vorbild, nehmen das Schlechte als Mahnmal und drücken den nutzlosen Rest hinaus. Damit wieder Neue wertvolle Inhalte aufgesogen werden können.

Wer der Südwester-Falle erliegt, hat genau diese angeborene, großartige Fähigkeit verloren. Das Resultat sind Personen, die sich nichts anhören wollen und in der Folge nichts mehr dazu lernen. Die sich nicht mehr verbessern, die nur noch in ihrem eigenen (meist schon leicht säuerlichen) Saft schmoren. Faktisch ist nur noch ihre Hülle da, aber eigentlich sind sie tot.

Was bedeutet das?

Falls Sie sich gerade ertappt haben: Ziehen Sie den Südwester aus! Hören Sie sich die Meinungen von außen an. Ja klar, je älter Sie werden und je mehr Erfahrung Sie gesammelt haben, desto mehr davon werden Sie direkt als falsch entlarven. Aber es wird trotzdem noch immer mindestens zehn Prozent Wertvolles dabei haben, das Sie weiterbringt. Und den Rest pressen sie dann aus. Aber eben, es erreicht den Schwamm nur ohne gelbes Ölzeug außen rum.

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