Dena: In Städten droht Ladenot

Nach einer Studie der Deutschen Energie Agentur fehlen schon Mitte der 2020er-Jahre in den Städten in großer Zahl Ladeplätze - wenn man jetzt nicht präziser fördert und gezielter ausbaut.

Mehr davon: München hat sich bundesweit zwar an die Spitze gesetzt beim Ausbau der Ladeinfrastruktur, was Oberbürgermeister Dieter Reiter mit SWM-Chef Florian Bieberbach (re.) sowie MVG-Chef Ingo Wortmann (li.) im Januar feierte. Dennoch könnte es bei der anhaltend steigenden E-Auto-Nachfrage in den Städten knapp werden, vor allem weil private Ladeanschlüsse fehlen. | Foto: SWM
Mehr davon: München hat sich bundesweit zwar an die Spitze gesetzt beim Ausbau der Ladeinfrastruktur, was Oberbürgermeister Dieter Reiter mit SWM-Chef Florian Bieberbach (re.) sowie MVG-Chef Ingo Wortmann (li.) im Januar feierte. Dennoch könnte es bei der anhaltend steigenden E-Auto-Nachfrage in den Städten knapp werden, vor allem weil private Ladeanschlüsse fehlen. | Foto: SWM
Johannes Reichel

Die Deutsche Energie Agentur Dena und das Prognos-Institut haben in einer Studie die Entwicklung der Ladeinfrastruktur für die nächsten Jahre hochgerechnet und warnen vor einer Unterversorgung mit Ladepunkten vor allem in den Städten. In der Prognose, aus der die Süddeutsche Zeitung berichtet, könnte schon Mitte der 2020er-Jahre ein Mangel in urbanen Gebieten und Ballungsräumen an Ladeanschlüssen entstehen. Demgegenüber steht ein Potenzial von bis zu zwölf Millionen Ladestationen, die bis 2030 auf dem Land an privaten Anschlüssen aufgebaut werden könnten. Es gibt also eine regionale Diskrepanz zwischen dem jeweiligen Bedarf an Ladepunkten sowie dem Angebot.

Die Studie warnt, dass bereits 2025 die Potenziale in größeren Häusern mit mehr als drei Wohnungen in den Städten ausgeschöpft sein könnten. Je nach Szenario würden 2030 zwischen 0,6 und 1,1 Millionen Ladeplätze in privater Infrastruktur fehlen. Das vor dem Hintergrund, dass als neues Ziel sieben bis zehn Millionen E-Fahrzeuge bis 2030 auf deutschen Straßen rollen sollen.

"Das Fehlen der Möglichkeit des privaten Ladens könnte für einen großen Teil der potenziellen Elektrofahrzeugkäufer zu einem Kaufhemmnis werden und damit den Markthochlauf der Elektromobilität behindern", mahnt die Dena.

Gezielter fördern und ausbauen, wo der Bedarf größer ist

Man hält zur Vermeidung eines solchen Szenarios eine zielgenauere Förderung für nötig. Die "Gieskanne" helfe nur bedingt beim Ausbau der Infrastruktur, formulierte Dena-Chef Andreas Kuhlmann. Man müsse die Zahl der E-Ladesäulen in den Gebieten stärker ausbauen, wo auch die Zahl der E-Autos stark steige, im öffentlichen Raum in Städten. Zudem müsse man beim Ausbau deutlich schneller werden, möglicherweise auch im Rahmen eines Corona-Konjunkturpakets.

Zuletzt hatte sich der Absatz von Elektroautos im Gegensatz zum Einbruch des Restmarktes sehr positiv entwickelt: Im März vermeldete der VDA einen neuen Zulassungsrekord mit etwa 20.000 E-Autos, gegenüber März 2019 eine Verdoppelung - wobei es sich ungefähr hälftig um reine batterieelektrische Fahrzeuge und Plug-in-Hybride handelt. Damit wäre derzeit in einem dramatisch geschrumpften Neuzulassungsmarkt jedes elfte neue Fahrzeug ein elektrifiziertes Modell. 

Was bedeutet das?

Kaum hat die E-Auto-Konjunktur gerade mal ein bisschen angezogen - und zwar diametral entgegen dem sonstigen Krisen-Trend - da gerät das zarte Pflänzchen des Markthochlaufs schon wieder in Gefahrt. Ladeinfrastruktur ist ein Langfristprojekt und es nützt nichts, wenn sich betuchte Vorstädter in ihre Carports oder Garagen möglicherweise sogar geförderte Wallboxen installieren. Denn dort wird die Masse an Anschlüssen nicht gebraucht. Es muss neben dem löblichen Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur dringend auch ein gezielter und massiver Ausbau in privaten Tiefgaragen erfolgen, denn sonst droht der Aufwärtstrend im Keim erstickt zu werden. Öffentlich laden ist nämlich neben der Unsicherheit, ob man auch einen Platz findet, vor allem auch: Ziemlich teuer! Und so rentiert sich für den Privatkäufer die Anschaffung eines E-Autos kaum. Gut, dass die Dena jetzt den Finger rechtzeitig in die Wunde legt. Ein etwaiges Corona-Konjunkturpaket sollte unbedingt den Ausbau urbaner Ladeinfrastruktur in privaten Mehrfamilienhäusern vorantreiben. Sonst haben wir bald das nächste "Henne-Ei-Problem". 

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