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Deloitte-Studie: Spannende Prognose für Autovertrieb und Service 2035

Deloitte prognostiziert, dass neue Antriebe, Shared Mobility und autonome Shuttles die Umsätze und Gewinne schrumpfen lassen.

Am Scheideweg: Deloitte prognostiziert, dass die Autoindustrie sich zur Mobilitätsindustrie und so neue Wege befahren muss.| Foto: Darylgio Agoncillo/Unsplash
Am Scheideweg: Deloitte prognostiziert, dass die Autoindustrie sich zur Mobilitätsindustrie und so neue Wege befahren muss.| Foto: Darylgio Agoncillo/Unsplash
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Gregor Soller

Deloitte wagt spannende und nicht ganz angenehme Prognosen für die Autoindustrie: Wollen Autohersteller zumindest einen Teil ihrer Umsätze und Gewinne künftig retten, müssen sie sich bei Vertrieb, Handel und Service auf Vernetzung sowie neue Antriebs- und Mobilitätskonzepte einstellen. Das ist ein Ergebnis der Deloitte-Studie „Future of Sales and Aftersales“, die untersucht, wie sich die vier Megatrends der Branche – Konnektivität, alternative Antriebe, Carsharing und autonomes Fahren –, aber auch generelle Entwicklungen wie der demografische Wandel oder die Urbanisierung bis 2035 auf das Geschäftsmodell der Autohersteller in Deutschland auswirken. Das Ergebnis ist ernüchternd.

Im Aftermarket, also im Ersatzteil-, Service- und Reparaturgeschäft, droht laut Deloitte in 15 Jahren ein Umsatzrückgang von 55 Prozent. Auch der Gewinn des margenträchtigen Geschäfts halbiert sich entsprechend. Der Grund liegt in alternativen Antrieben, insbesondere im Elektroantrieb, dessen Einsatz die Studienautoren in einem Basisszenario auf 40 Prozent der Neufahrzeugverkäufe schätzen. Da diese Elektrofahrzeuge weniger Wartung und Reparaturen brauchen, sinken die Umsätze in diesem Bereich für einen durchschnittlichen Fahrzeughersteller im deutschen Markt von derzeit 300 auf 48 Millionen Euro im Jahr – ein Rückgang um 84 Prozent. Gleichzeitig sinkt der Gewinn aus diesem Geschäft von 101 auf 16 Millionen Euro. Auch das hoch profitable Ersatzteilgeschäft geht zurück – von 205 auf 84 Millionen Euro, denn Elektroautos haben weniger Verschleißteile als herkömmliche Fahrzeuge. Lediglich das Reifengeschäft profitiert von den steigenden Fahrleistungen.

Dr. Thomas Schiller, Partner und Leiter Automobilindustrie bei Deloitte, mahnt deshalb:  

„Die Automobilhersteller müssen sich jetzt darauf einstellen und ihren Vertrieb sowie das Werkstattgeschäft auf die neue Mobilität ausrichten. Sonst geht ihnen ein erheblicher Teil des Geschäfts verloren.“

Aber auch im Autohandel stehen laut Deloitte große Veränderungen an: Wenn sich unabhängige Mobilitätsdienstleister zwischen die Automobilhersteller und ihre Kunden drängen, können die Gewinne aus dem Verkauf von Fahrzeugen bis 2035 um 53 Prozent sinken. Denn die neuen Intermediäre werden mit ihrem direkten Kundenzugang erhebliche Marktmacht innehaben.

Besetzen Online-Vermittler das Privat- und Firmenkundengeschäft, gerät auch dieser Bereich unter Druck. Autohersteller sind daher gut beraten, eigene Online-Verkaufskanäle zu etablieren und das Direktgeschäft unter Umgehung des traditionellen Autohandels auszubauen. Dadurch können sie ihre Vertriebskosten senken, vermeiden den Wettbewerb zwischen den eigenen Händlern und steigern so die Gewinnmarge im Vertrieb. Hier prognostiziert Schiller:

„Trotz des Umsatzrückgangs von 16 Prozent bleibt der Fahrzeugverkauf ein attraktives Geschäft, wenn die Autohersteller ihr Vertriebsnetz radikal umbauen.“

So empfiehlt Deloitte, Neuwagen in attraktiven Innenstadtlagen zu präsentieren und am Stadtrand Testfahrt- und Service-Zentren aufzubauen. Die Zahl der verkauften Neuwagen sinkt im kommenden Jahrzehnt kontinuierlich. Dafür sind laut Schiller mehrere Faktoren verantwortlich:

„Dazu gehören beispielsweise neben einer alternden Gesellschaft eben auch Mobilitätsangebote wie Carsharing. In urbanen Großräumen wird es attraktive Alternativen zum eigenen Auto wie autonome Shuttle-Dienste und Roboter-Taxis geben.“

 

Ein Wachstumsbereich sind dagegen Finanzdienstleistungen: 2035 werden mehr als die Hälfte aller Neuwagen an Firmen und Flotten verkauft, derzeit sind es 37 Prozent. Damit wächst das Leasing- und Kreditgeschäft um 31 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Weitere Chancen ergeben sich für die Autohersteller, wenn es ihnen gelingt, Mobilität als Service zu verkaufen. Dazu fordert Thomas Schiller weiterhin:

„Aus Autoherstellern müssen Mobilitätsdienstleister werden, die ihren Kunden ein Fahrzeug oder einen Shuttle-Service genau dann anbieten, wenn diese mobil sein wollen.“

Allerdings werden die Hersteller um dieses Geschäft kämpfen müssen, denn auch neue Player wie Uber, Waymo oder die klassischen Nahverkehrsunternehmen drängen in den Markt, der für einen durchschnittlichen Autohersteller ein Volumen von 4,8 Milliarden Euro haben wird. Zum Vergleich: Derzeit sind es noch 600 Millionen Euro. Thomas Schiller prognostiziert anstrengende Jahre für die Autohersteller:

„Ohne tiefgreifenden Wandel werden sie es kaum schaffen, 2035 noch profitabel zu sein.“

 

Die Deloitte-Studie kommt zu dem Schluss: Selbst wenn die Unternehmen die richtigen Themen jetzt adressieren, wird es nicht einfach, den Rückgang des traditionellen Autogeschäfts durch neue Geschäftsmodelle zu kompensieren.

Online steht die Studie unter

https://www2.deloitte.com/de/de/pages/consumer-industrial-products/articles/future-of-automotive-sales-and-aftersales.html#

Was bedeutet das?
Dr. Thomas Schiller liest der Branche die Leviten, denn der Wandel in der Mobilität wird sich nicht einbremsen oder aufhalten lassen. Problematisch ist dabei, dass sich eine ganze Branche von Strukturen verabschieden muss, die seit über 100 Jahren nur im Detail modifiziert wurden. Man wird sehen, ob die „Rolle rückwärts“ zum reinen Autohersteller, die BMW aktuell vollzieht, auch eine Zukunft hat oder ob sich die Autoindustrie mit solchen Entscheidungen selbst um die Chance aufs Überleben bringt.

  

 

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