DeepDrive-Skateboard: Mehr Effizienz durch Radnabenantrieb

Die modulare Plattform des Münchner Start-ups soll weniger wiegen und eine höhere Reichweite bieten als vergleichbare Lösungen anderer Anbieter.

Das DeepDrive Skateboard mit Radnabenmotoren.| Foto: DeepDrive GmbH
Das DeepDrive Skateboard mit Radnabenmotoren.| Foto: DeepDrive GmbH
Thomas Kanzler

Vor zehn Jahren arbeiteten einige Studenten der Technischen Universität München (TUM) beim Bau von Elektro-Rennwagen als Teil des studentischen Motorsportteams zusammen. Nach Studienabschluss und einigen Jahren bei E-Mobility-Unternehmen haben sich die Rennwagen-Bauer von damals wieder zusammengetan, um DeepDrive zu gründen. Ziel sollte sein, Elektrofahrzeuge neu zu denken.

Von XS bis L

Herausgekommen ist ein vierstufiger Plattform-Baukasten, der alle Bedüfnisse abdecken soll. Auf einer kleinen Plattform XS mit einer Leistung bis zu 30 kW und einer Reichweite von 350 Kilometern sollen L7e Fahrzeuge, Mini Shuttles und Last-Mile-Lieferwagen aufbauen. Die Basis S für Personenkraftwagen und kleine Transporter erhält bis zu 150 kW Power bei etwa 450 Kilometer Reichweite. Darüber rangieren die Plattformen M und L, mit bis zu 250 kW Leistung und 600 bzw. 700 Kilometer angepeilter Reichweite. Die Geschwindigkeit soll bei der XS Plattform je nach Verwendung zwischen 45 und 80 km/h liegen. Skateboard S, M und L werden bei 160 km/h eingeregelt.

Effizienter als herkömmliche Plattformen

Gewichteinsparung war eine Hauptzielsetzung des Münchner Start-ups. Bei der DeepDrive Plattform ersetzen die Radnabenmotoren das mechanische Bremssystem an der Hinterachse, die herkömmliche Achse und die Antriebswellen, was eine Gewichtsreduzierung von etwa 70 kg ergibt. Darüber hinaus kann bei einem Elektrofahrzeug mit einer Reichweite von 500 km die Batteriekapazität bei gleicher Reichweite um circa 10 kWh reduziert werden, was eine weitere Gewichtsreduzierung von 60 kg ergibt. Diese Gewichtsreduzierung um 130 kg reduziert den Rollwiderstand des Fahrzeugs. Der höhere Wirkungsgrad der Radnabenmotoren im Vergleich zu einem herkömmlichen Elektroantrieb und die Reduzierung von Reibungsverlusten bei Antriebswelle, Achse und Getriebe führt zu einer wesentlich höheren Effizienz des Fahrzeugs.

Darüber hinaus bietet der freie Platz im Heck zusätzliche Gestaltungsfreiheit, um den Energieverbrauch von Elektrofahrzeugen zu senken. Beispielsweise könnte es verwendet werden, um die Aerodynamik des Fahrzeugs zu verbessern.

Das Problem der ungefederten Masse

Je kleiner die ungefederte Masse im Verhältnis zur gefederten Masse ist, desto geringer wirken sich die unerwünschten Radlastschwankungen und Beschleunigungen der Karosserie auf die Fahrleistungen aus. Ein Kilogramm ungefederte Masse hat den selben Einfluss auf das Fahrverhalten wie etwa sieben Kilogramm gefederte Masse. DeepDrive möchte diesem Problem mit konsequentem Leichtbau und der Einsparung des Gewichts der mechanischen Bremse an den Antriebsrädern begegnen. Wie gut das in der Praxis gelingen kann, ist allerdings noch offen. Nicht umsonst versuchen die Hersteller von besonders fahraktiven Autos, die ungefederte Masse mit Leichtbau bei Felgen und Bremsen zu minimieren.

Kostenreduzierung

Eine Schlüsseltechnologie dieser Plattform ist der hocheffiziente, kompakte und leichte Radnabenmotor, der den Energieverbrauch im Vergleich zu hochmodernen Elektrofahrzeugen um bis zu 20 Prozent senkt. Dies führt zu einer Reduzierung der Gesamtbetriebskosten von geschätzt mehr als 4.000 Euro über die Lebensdauer des Fahrzeugs, ermöglicht große Einsparungen bei der Batteriekapazität und reduziert folglich den CO2-Fußabdruck von Elektrofahrzeugen erheblich.

Wie alle Skateboard Lösungen bieten auch DeepDrive Kunden eine hohe Flexibilität. Das modulare Plug & Play-Konzept trägt dazu bei, die Time-to-Market zu verkürzen und ermöglicht große Einsparungen bei den Entwicklungskosten neuer Fahrzeuge.

Was bedeutet das?

Kürzlich erst hatte das EV-Startup Lightyear in seinem hocheffizienten Lightyear One9 das Potential der Radnabenmotoren angedeutet. Der bulgarische Supersportwagen Alieno Arcanum soll angeblich bis zu 5.221 PS aus den verbauten Radnabenmotoren generieren. Man darf gespannt sein, ob sich das Konzept Antriebskonzept Radnabenmotor in der Breite durchsetzen wird.

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