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DB & RMV starten autonome On-Demand-Shuttles mit Nio und Mobileye: Selbst ist der SUV

Erstes Projekt der DB-Töchter ioki und CleverShuttle mit fahrerlosen On-Demand-Shuttles im öffentlichen Nahverkehr startet, auf Basis der ES8-Modelle des chinesischen Herstellers Nio mit Mobileye-Technik. Die Testphase startet im Mai im Rhein-Main-Gebiet, das BMDV sagt vier Millionen Euro Fördersumme zu.

Selbst ist der SUV: Nio stellt mit seiner leistungsfähigen Fahrzeugplattform die Hardware, die von Mobileye-Sensorik ergänzt wird. Die Shuttles sollen ab Mai in Dienst gehen. | Foto: DB
Selbst ist der SUV: Nio stellt mit seiner leistungsfähigen Fahrzeugplattform die Hardware, die von Mobileye-Sensorik ergänzt wird. Die Shuttles sollen ab Mai in Dienst gehen. | Foto: DB
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Johannes Reichel

Die Deutsche Bahn spricht von einer "Revolution im öffentlichen Nahverkehr": In Darmstadt und im Kreis Offenbach startet im Mai diesen Jahres eine völlig neue Art der Mobilität in den Pilotbetrieb. Der DB-Konzern testet gemeinsam mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und den lokalen Partnern HEAG mobilo und Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach (kvgOF)automatisiert fahrende Shuttles. Die vollelektrischen Oberklasse-SUV-Modelle vom Typ ES8 des chinesischen Herstellers Nio sollen später ganz ohne Fahrer:innen mit normaler Geschwindigkeit im normalen Straßenverkehr unterwegs sein. Ein solches Angebot im Rahmen des öffentlichen Nahverkehrs ist bisher weltweit einzigartig.

„Aktuell gibt es ... keinen deutschen Autohersteller, der autonome Fahrzeuge anbietet, die den Kriterien für einen Regelbetrieb im öffentlichen Personennahverkehr entsprechen. Daher arbeiten wir gemeinsam mit deutschen Fahrzeugherstellern an Lösungen, um mittelfristig den Verkehr durch Fahrzeuge europäischer/deutscher Fabrikation zu ermöglichen“, erklärte ein Bahnsprecher.

Bei Mobileye heißt es, es habe drei Anforderungen gegeben: Erstens sollte das Fahrzeug zum autonomen Fahren auf Level 4 fähig sein, zweitens sofort verfügbar. Und drittens sollte gewährleistet sein, dass ein:e Sicherheitsfahrer:in in Zukunft wegfallen kann.

"Der Hersteller NIO war in der Lage, diese Anforderungen zu erfüllen und wir verwenden daher seitdem den ES8 als Basis für unser Robotaxi", erklärte ein Sprecher gegenüber VM.

Die zweijährige Test- und Implementierungsphase des Projekts wird vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) ermöglicht. Einen entsprechenden Förderbescheid über vier Millionen Euro hat Bundesminister für Digitales und Verkehr Volker Wissing an die Projektpartner übergeben.

„Gerade auf dem Land stößt die Forderung nach mehr ÖPNV-Angebot bei gleichzeitig niedriger Nachfrage oft an ihre wirtschaftlichen Grenzen. Hinzu kommt, dass bis zum Jahr 2030 in Deutschland rund 87.000 Busfahrerinnen und Busfahrer fehlen werden. Diese Kombination stellt uns vor ein großes Problem, denn wir brauchen den ÖPNV dringend, um unsere Klimaziele zu erreichen", befindet Volker Wissing.

Selbstfahrende E-Shuttles, die auf Bedarf gerufen werden können, sieht er "insbesondere für den ländlichen Raum ein echter Gamechanger". Das sei keine Science-Fiction, sondern bereits ab kommendem Jahr Teil des regulären ÖPNV-Angebots in unserem Land, wirbt Wissing weiter. Evelyn Palla, Vorständin Regionalverkehr Deutsche Bahn AG sieht ein "neues Kapitel im Nahverkehr" und hält autonom fahrende Fahrzeuge für eine "Riesenchance, um die Mobilitätswende auch im ländlichen Raum voranzubringen".

"Zusammen mit unseren Tochterunternehmen CleverShuttle und ioki machen wir den öffentlichen Nahverkehr so bequem und flexibel wie das eigene Auto", wirbt Palla. 

Knut Ringat, Geschäftsführer Rhein-Main-Verkehrsverbund verweist auf über 400.000 Fahrgäste, fast zwei Millionen zurückgelegte Kilometer und den Deutschen Mobilitätspreis 2022 in der Kategorie Best Practice, der den On-Demand im RMV als Erfolgsgeschichte und die "ideale Ergänzung zu Bus und Bahn" auswiesen.

"Autonome Fahrzeuge sind dabei Revolution und logischer nächster Schritt zugleich. Ohne Fahrer:innen sind die Fahrzeuge noch flexibler einsetzbar, was vor allem dem ländlichen Raum zugutekommt", meint Ringat. 

Im Mai wird ein autonomes Fahrzeug erstmals in Darmstadt unterwegs sein. In den Monaten danach kommen 14 weitere Fahrzeuge dazu. Acht fahren im Kreis Offenbach, sieben in Darmstadt. In der ersten Testphase sind alle Shuttles mit speziell ausgebildeten Fahrer:innen und ohne Fahrgäste unterwegs. Nach erfolgreicher zweiter Testphase mit Testkunden werden die Fahrzeuge in die bereits bestehenden On-Demand-Angebote in Darmstadt („HeinerLiner“) und im Kreis Offenbach („kvgOF Hopper“) integriert und sind dann für jeden Interessierten buchbar. Die DB und der RMV arbeiten bereits seit 2020 beim deutschlandweit größten On-Demand-Netzwerk zusammen. Unter dem Dach des RMV gibt es das Angebot in insgesamt neun Städten und Landkreisen.

Schon mehr als 100 Fahrzeuge im Einsatz beim RMV

Im Rahmen des Projektes werden zum Ende des Jahres mehr als 100 On-Demand-Fahrzeuge im Einsatz sein, die mehr als 3.000 virtuelle Haltestellen bedienen. Aufgrund seiner Größe und der Verfügbarkeit fast rund um die Uhr ist das On-Demand-Angebot eine eigene Säule im Verkehrskonzept der Region. Das erklärte Ziel von RMV und DB ist es, durch flexible Bedarfsverkehre neue Kund:innen für den öffentlichen Nahverkehr zu gewinnen. Dies soll einen signifikanten Beitrag zur Mobilitätswende und zum Klimaschutz leisten.

An dem Projekt für „KI-basierten Regelbetrieb autonom fahrender On-Demand-Verkehre“ (KIRA) sind außer dem RMV und der DB die lokalen Verkehrsunternehmen HEAG mobilo und Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach (kvgOF) beteiligt. Das DB-Tochterunternehmen CleverShuttle betreibt die autonomen Fahrzeuge. Die DB-Tochter ioki stellt die Software für Buchung und Routenplanung. Der auf autonome Fahrzeuge spezialisierte Projektpartner Mobileye liefert das autonome Fahrsystem. Für die Begleitforschung sind das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und der Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) ebenfalls Teil der Förderung durch das BMDV.

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