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DB-Deutschland-Takt kommt - mit 40 Jahren Verspätung

Freut euch, Fridays-for-Future Generation, kurz vor eurer Rente könnt ihr alle 30 bis 60 Minuten im Zug durch Deutschland reisen – wenn es nicht noch zu weiteren Verspätungen kommen sollte.

Vieles ist bei der DB im Argen. Der Deutschlandtakt wäre ein gewaltiger Schritt zur Modernisierung des Bahnverkehrs in Deutschland.| Foto: OßwaldNews
Vieles ist bei der DB im Argen. Der Deutschlandtakt wäre ein gewaltiger Schritt zur Modernisierung des Bahnverkehrs in Deutschland.| Foto: OßwaldNews
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Thomas Kanzler

40 Jahre Verspätung – das ist sogar für die Deutsche Bahn eine Menge. Mit dem Deutschlandtakt wollte die Bahn in eine goldene Zukunft fahren. Bis 2030 sollte der Plan eigentlich umgesetzt sein. Nun verkündete Verkehrsminister Wissing die Verschiebung des Projekts um vier Jahrzehnte. Das Verkehrsministerium hatte eingestehen müssen, dass von 181 Maßnahmen, die zur Einführung des Deutschlandtaktes nötig wären, bisher keine einzige auf die Schiene gebracht wurde.

Geplant unter Verkehrsminister Scheuer

Nach den Plänen von Ex-Bundesverkehrsminister Scheuer (CSU) sollte es ab 2030 möglich sein, alle 30 bis 60 Minuten in einem Zug der DB in jede Richtung zu fahren. Der für den Schienenverkehr zuständige Staatssekretär Michael Theurer von der FDP sagte nun aber in einem Interview mit dem ZDF, der Deutschlandtakt werde „in den nächsten 50 Jahren als Jahrhundertprojekt" umgesetzt werden und somit 40 Jahre später, als von Scheuer 2018 angekündigt. Kurz darauf wollte Theurer die Aussage relativieren und erklärte, der Deutschlandtakt werde nicht verschoben, sondern komme in Etappen.

„Das Bundesverkehrsministerium arbeitet vielmehr an der Beschleunigung des Projekts“ so Theurer.

Masterplan Schienenverkehr

2021 setzten die Koalitionspartner von der SPD, den Grünen und der FDP noch hohe Ziele. Der Zielfahrplan eines Deutschlandtaktes werde kommen.

„Wir werden den Masterplan Schienenverkehr weiterentwickeln und zügiger umsetzen, den Schienengüterverkehr bis 2030 auf 25 Prozent steigern und die Verkehrsleistung im Personenverkehr verdoppeln" – Auszug aus dem Koalitionsvertrag der Ampel.

2018 hatte Scheuer den Deutschlandtakt vorgestellt. Dafür versammelte er Politik, Unternehmen, Verbände und Gewerkschaften zum „Zukunftsbündnis Schiene" und erste bundesweite Taktfahrpläne wurden erarbeitet. Der damalige Verkehrsminister kündigte an, die DB nach dem Schweizer Vorbild zu organisieren.

„Der Deutschlandtakt macht das Bahnfahren pünktlicher, schneller und die Anschlüsse direkter und verlässlicher“, erklärte Scheuer.

Termin 2030 ist nicht haltbar

Das Verkehrsministerium stellte noch unter Scheuer 2021 medienwirksam 181 Infrastruktur-Maßnahmen vor, die zur Einführung des Deutschlandtaktes erforderlich seien. Nun musste Wissing eingestehen, dass es bisher keine der Maßnahmen über das Planungsstadium hinaus sei. Zudem betonte das Verkehrsministerium, dass die Strategie des Deutschlandtaktes eine langfristige sei:

„Richtig ist, dass der Deutschlandtakt ein fortlaufendes Projekt ist, dass stetig weiterentwickelt und an die Modernisierung des Schienennetzes angepasst wird."

Zum Zeitpunkt des Koalitionsvertrages war der Krieg in der Ukraine noch nicht absehbar. Durch den Angriff der Russischen Föderation auf die Ukraine stand die Notwendigkeit der Modernisierung des Nahverkehrs und auch die Bekämpfung der Klimakrise nicht mehr in Fokus Trotzdem hatte Wissing zuletzt im Sommer 2022 die Bahn zur „Chefsache" erklärt.

Was bedeutet das?

Wissing verschiebt die so wichtige Modernisierung der Deutschen Bahn und den Deutschlandtakt faktisch auf den „Sankt-Nimmerleinstag“. Erschreckend, dass es bisher von 181 als notwendig erachteten Maßnahmen keine einzige über die Planungsstufe zwei (von neun!) hinausgeschafft hat. Bei diesem Tempo – und dieser Prioritätensetzung - scheint sogar die Einführung des Deutschlandtaktes im Jahre 2070 optimistisch. Stattdessen forciert der Verkehrsminister weiter den Streit über E-Fuels und den Neu- und Ausbau von Autobahnen.

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