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Dataforce-Studie: Deutschland fällt bei der E-Mobilität zurück

Vom Leitmarkt zum Nachzügler: Auslaufende Kaufprämien könnten hierzulande für einen schrumpfenden Elektroautomarkt im Privatkundenbereich sorgen, während einige andere wirtschaftsstarke Länder in Europa voraussichtlich deutlich zulegen werden bei den entsprechenden Zulassungszahlen.

Auslaufende Förderungen könnten 2024 in Deutschland den Stecker vor allem im E-Auto-Privatkundenbereich ziehen. In anderen europäischen Ländern sieht es dank staatlicher Unterstützung besser aus. (Foto: Pixabay)
Auslaufende Förderungen könnten 2024 in Deutschland den Stecker vor allem im E-Auto-Privatkundenbereich ziehen. In anderen europäischen Ländern sieht es dank staatlicher Unterstützung besser aus. (Foto: Pixabay)
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Claus Bünnagel

Bereits ab 17. Dezember sind keine Anträge mehr möglich für die E-Auto-Kaufprämie, den sogenannten Umweltbonus, in Deutschland – eine Folge des BVerfG-Urteils zum Nachtragshaushalt 2021, das enorme Lücken gerissen hat in die finanzielle Umsetzung von Umweltvorhaben der Bundesregierung. Eigentlich war es – der bereits zu früheren politischen Versprechen eingedampfte – Plan gewesen, dass ab 1. Januar 2024 in Deutschland nur noch E-Autos bis 45.000 Euro Kaufpreis förderfähig sein sollten. Auch sollte die Höhe der Kaufprämie um ein Drittel von 4.500 auf 3.000 Euro sinken. Der eigentlich bis 2025 geplante Bonus wäre nach dem nun obsoleten Plan ausgelaufen, sobald der Fördertopf leer gewesen wäre – das wäre bei einem Budget von 800 Mio. Euro im Laufe des kommenden Jahres zu erwarten gewesen. 

Kaufprämien für Elektroautos haben jedoch eine Schlüsselfunktion für den Hochlauf der Elektromobilität. Das gilt insbesondere für den Privatmarkt, wo der Anschaffungspreis zentral für die Kaufentscheidung ist.

Großbritannien Schlusslicht bei Förderpraxis

Dataforce hat im Rahmen einer Studie die E-Auto-Förderpolitik in Deutschland mit der in Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien verglichen, die zusammen die fünf wirtschaftsstärksten Länder in Europa bilden. Daraus wird ersichtlich: Während Deutschland den Umweltbonus abschafft, fördern Frankreich, Italien und Spanien den Hochlauf der Elektromobilität weiter, während in Großbritannien der „Plug-In Car Grant“ für Elektroautos bereits 2022 gestrichen wurde. Dennoch ist auf der Insel der Zuspruch für E-Autos ungebrochen. Das liegt auch an der steuerlichen Begünstigung für E-Autos und einem starken gewerblichen Markt für Elektromobilität.

Finanzierung über Steuermalus für Verbrenner

Frankreich zahlt eine Kaufprämie von 5.000 Euro, die bei Anträgen ab 15. Dezember 2023 an eine CO2-arme Fahrzeugproduktion gekoppelt ist, ansonsten aber weiterläuft. In Italien beträgt der staatliche Anteil 2023 und 2024 3.000 Euro. In Spanien läuft die Kaufprämie von 4.500 Euro mindestens bis Juli 2024. Zudem winkt eine Steuergutschrift von bis zu 3.000 Euro. Die Fördergelder werden auch dadurch finanziert, dass Käufer, die sich für Autos mit besonders hohen Emissionen entscheiden, bei der Erstzulassung einen sogenannten ökologischen Malus bezahlen müssen.

E-Auto-Kaufprämien für Privatpersonen (2023 / 2024)

  • Deutschland: 4.500 / 0 Euro
  • Frankreich: 5.000 / 5.000 Euro
  • Italien: 3.000 / 3.000 Euro
  • Spanien: 4.500 / 4.500 Euro
  • Großbritannien: 0 / 0 Euro

Ohne die Kaufprämie schrumpft die private E-Auto-Nachfrage

Welche Folgen die fehlende Förderung in Großbritannien und die gekürzte und nun gänzlich aufgehobene Förderung in Deutschland haben, lässt sich an der Entwicklung der privaten Neuzulassungszahlen ablesen. Für die ersten elf Monate 2023 sind die Daten schon vorhanden, den Dezember hat Dataforce für einen vollen Jahresvergleich prognostiziert.

In den drei Ländern, in denen die Förderung 2023 unverändert weiterlief, sind die privaten E-Auto-Zulassungen deutlich gestiegen. In Deutschland, wo die Förderung gekürzt wurde, werden Privatpersonen in diesem Jahr 5 % weniger Elektroautos zulassen als 2022. Und in Großbritannien schrumpft der private E-Auto-Markt sogar um 17 %.

2024 erstmals weniger Elektroautos in Deutschland

Für 2024 prognostiziert Dataforce ein Schrumpfen des privaten E-Auto-Markts in Deutschland um 4 %. Mit weiterer Förderung wären die Zulassungszahlen dagegen in einer ähnlichen Größenordnung gewachsen. Damit werden 2024 hierzulande erstmals auch im Gesamtmarkt – also inklusive gewerblicher Zulassungen – weniger Stromer zugelassen als im Vorjahr. Der selbst ernannte „Leitmarkt für Elektromobilität“ verliert nicht nur gegenüber China, sondern auch europaweit an Boden, denn in allen anderen Ländern wird das E-Auto-Volumen weiter zunehmen.

Dass die Bilanz nicht noch ungünstiger ausfällt, liegt vor allem an den Fahrzeugherstellern. Für 2024 hat Dataforce im Vehicle Lifecycle Calendar 75 neue E-Auto-Modelle und 24 Facelifts erfasst. Darunter sind mit dem Citroen e-C3 und dem Renault 5 auch Fahrzeuge, die unterhalb einer Basispreisgrenze von 25.000 Euro angeboten werden. Auch bei bestehenden Modellen erwartet Dataforce mehr Rabatte und vergünstigte Leasingraten. Zusätzlich verbessert sich die Ladeinfrastruktur langsam aber stetig. Während die Strompreise an den Ladestationen leicht sinken, verteuert die CO2-Steuer Benzin und Diesel.

Was das bedeutet

Der Ländervergleich macht offensichtlich, dass staatliche Unterstützungen maßgeblichen Einfluss auf den Hochlauf der Elektromobilität haben. Das Ende des Umweltbonus wird diesen Hochlauf in Deutschland zweifellos verlangsamen, was die Erfüllung der Klimaziele noch schwieriger werden lässt, als das bereits der Fall ist. Hinzu kommt, dass der Wegfall vor allem Menschen trifft, die sich für günstige Autos interessieren. Hier macht die Prämie nicht nur einen größeren Anteil am Kaufpreis aus, auch der Kostenunterschied zu Verbrennern ist noch deutlich größer als bei mittleren und großen Fahrzeugen.

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