Daimler will radikalen Umbau: Truck-Sparte soll an die Börse

Der Daimler-Konzern strebt die Aufteilung in zwei unabhängige Börsenunternehmen an. Als Lkw- und Bushersteller soll Daimler Truck emissionsfreien Güter- und Personenverkehr vorantreiben, Mercedes-Benz elektrische Antriebe und Fahrzeugsoftware im Pkw- und Van-Bereich.

 Ehrgeizige Ziele: Daimler Truck will führend bei emissionsfreien Antrieben werden. (Foto: Daimler AG)
Ehrgeizige Ziele: Daimler Truck will führend bei emissionsfreien Antrieben werden. (Foto: Daimler AG)
Johannes Reichel
von Christine Harttmann

Der Daimler-Konzern hat einen grundlegenden Umbau seiner Unternehmensstruktur angekündigt, der die Trennung von Pkw- und Lkw-Geschäft vorsieht. Aufsichtsrat und Vorstand wollen mit den Vorbereitungen für eine eigenständige Börsennotierung von Daimler Truck beginnen. In der neu zu gründenden Aktiengesellschaft soll das Truck & Bus-Geschäft aufgehen. Daimler Truck werde, das teilt der Konzern in einer Pressemeldung am 3. Februar 2021 mit, volle unternehmerische Freiheit erlangen. Es sei eine eigenständige Corporate Governance-Struktur mit einem unabhängigen Aufsichtsratsvorsitzenden geplant. Ziel sei, so heißt es, dass Daimler Truck die Kriterien für eine Aufnahme im DAX erfüllt.

Nach aktueller Planung soll die Transaktion bis zum Ende des Jahres 2021 abgeschlossen sein, zu diesem Zeitpunkt soll Daimler Truck erstmals an der Frankfurter Börse gelistet sein. Darüber hinaus beabsichtigt Daimler, sich zu einem späteren Zeitpunkt in Mercedes-Benz umzubenennen. Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender von Daimler und Mercedes-Benz spricht von einem „historischen Moment“ und einem Anfang für eine tiefgreifende Umgestaltung des Unternehmens.

„Mercedes-Benz Cars & Vans und Daimler Trucks & Buses arbeiten in verschiedenen Branchen mit spezifischen Kundengruppen, Technologiepfaden und Kapitalanforderungen. Mercedes-Benz ist die wertvollste Luxus-Automarke, die anspruchsvollen Kunden die begehrenswertesten Autos der Welt anbietet. Daimler Truck liefert den Kunden eine Vielzahl von branchenführenden Transportlösungen und Dienstleistungen.“

Beide Unternehmen seien, so Källenius, in Industrien tätig, die sich technologisch und strukturell umfassend veränderten.

„Diesen Wandel können sie deutlich effektiver gestalten, wenn sie dabei als unabhängige Einheiten agieren – mit einer starken Nettoliquidität und ohne die Einschränkungen einer Konglomerats-Struktur.“

Neue Technologien im Visier

Daimler Truck soll den Verlautbarungen zufolge die Entwicklung emissionsfreier Antriebstechnologien für Lkw und Busse weiter vorantreiben. Martin Daum, Vorstandsmitglied von Daimler und Vorstandsvorsitzender von Daimler Truck, spricht daher von einem „richtungsweisenden Moment für Daimler Truck“. Von der Unabhängigkeit der Nutzfahrzeugsparte erhofft er sich neue Chancen, Sichtbarkeit und Transparenz.

„Wir werden weiter wachsen und wollen bei alternativen Antrieben und bei der Automatisierung weiterhin führend sein. Mit unseren batterieelektrischen und Brennstoffzellen-getriebenen Lkw sowie mit unserer starken Position auf dem Gebiet des automatisierten Fahrens haben wir bereits klar definiert, wie die Zukunft unseres Geschäfts aussehen wird.“

Dieses Geschäftsmodell bezeichnet Daum als robust.

„Wir werden die Schlagkraft unserer starken und bekannten globalen Marken sowie unsere Skaleneffekte und unsere Technologie-Kompetenz nutzen, um künftig auch bei der Rendite Branchenführer zu sein“, fügt der Truck-Chef hinzu.

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