Daimler und Volkswagen sondieren Software-Allianz

Um den Rückstand in Sachen Autobetriebssystem aufzuholen, gibt es offenbar erste Sondierungen auf höchster Ebene zwischen VW und Daimler. Beide entwickeln bisher einzeln an Software-Plattformen.

Gefahr erkannt, aber noch nicht gebannt: Spät, aber zielstrebig steigt VW mit einer eigenständigen Abteilung in die Entwicklung einer Automobilsoftware ein. | Foto: VW
Gefahr erkannt, aber noch nicht gebannt: Spät, aber zielstrebig steigt VW mit einer eigenständigen Abteilung in die Entwicklung einer Automobilsoftware ein. | Foto: VW
Johannes Reichel

Der Daimler-Konzern und Volkswagen haben offenbar Sondierungsgespräche über die Möglichkeit einer Kooperation zur Entwicklung eines Automobil-Betriebssystems begonnen. Darüber berichtete zuerst das Manager Magazin. Die Gespräche hätten bisher im engsten Kreis auf höchster Ebene stattgefunden, offenbar zwischen VW-Chef Herbert Diess sowie Daimler-Konzern-Chef Ola Källenius. Auch zwischen Daimler und BMW gibt es bereits eine im Juli 2019 geschlossene offizielle Allianz, die sich aber auf das eng verwandte Thema automatisiertes Fahren fokussiert und der auch Audi beitreten wollte. Wobei der VW-Konzern auf diesem Feld auch eng mit dem Allianz-Partner Ford kooperiert, der wiederum bei diesem Thema federführend ist.

Experten gehen davon aus, dass kein Weg an einer Kooperation der deutschen Hersteller vorbeiführt, um den Rückstand in Sachen Software gegenüber direkten automobilen Wettbewerbern wie Tesla oder Tech-Konzernen wie Google oder Apple vielleicht noch aufzuholen. Die Software gilt in jedem Fall als Ausschlusskriterium für die Entwicklung von Fahrzeugen. Gerade VW bekommt dies derzeit schmerzhaft zu spüren, nachdem es sowohl beim ambitioniert konzipierten Golf VIII wie auch beim ersten Fahrzeug auf MEB-Plattform, dem ID.3 zu Verzögerungen aufgrund von Softwaremängeln kommt.

Von einem "Krieg der Welten" spricht der Automobil-Experte Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Research in Bergisch Gladbach, gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Tesla ist nach seiner Einschätzung des Deutschen weit voraus, die hiesigen Hersteller seien Software-seitig "miserabel aufgestellt", so das harsche Urteil. Der Markt für Software in der Autoindustrie werde nach Einschätzung des Beratungshauses McKinsey binnen zehn Jahren von 34 auf 84 Milliarden Euro wachsen.

VW gründet eigene Sparte für Software

Der Volkswagen-Konzern hatte erst im November seine Software-Kompetenzen in einer eigenständigen Sparte namens Car Software Org gebündelt. Sie wird als Konzerngesellschaft die Beteiligungen und Tochterunternehmen im Konzern bündeln, die Software im Fahrzeug und für die digitalen Ökosysteme entwickeln. In einem ersten Schritt sollen damit rund 3.000 Digitalexperten aus den Beteiligungen und Tochterunternehmen zusammenarbeiten, so der Konzern. Die Car.Software-Organisation wird ihre Basis in der Audi Electronics Venture GmbH haben, weitere deutsche Standorte befinden sich unter anderem in Berlin, Bochum, im Raum Ingolstadt, im Raum Stuttgart und in Wolfsburg.

In einem zweiten Schritt sollen unter dem Dach der Car.Software-Organisation dann auch Fachkräfte zusammenarbeiten, die bislang in den verschiedenen Konzernmarken und Regionen tätig sind. Bis 2025 sollen in der Car.Software-Organisation mehr als 10.000 Digitalexperten die Software im Fahr­zeug, die digitalen Ökosysteme sowie kundennahe Funktionen im Handel entwickeln. Langfristig wird die Weiterentwicklung der Car.Software-Organisation mit dem Zielbild einer „Software-Marke“ im Konzern mit eigenem Markenauftritt angestrebt.

Daimler kündigt MB.OS an

Auch der Daimler-Konzern hatte erst auf der CES in Las Vegas ein eigenes Betriebssystem für Automobile angekündigt. Man wolle die Rechenfunktionen in den Fahrzeugen bündeln und mehr Software-Kompetenz im eigenen Unternehmen aufbauen. "Wir werden ein eigenes Betriebssystem MB.OS entwickeln", hatte Daimler-Entwicklungsschef Markus Schäfer am Rande der CES angekündigt. Laut Schäfer solle dies erstmals in drei bis vier Jahren in die Autos eingebaut werden. Auf beiderlei Aktivitäten könnten die Konzerne jetzt aufsetzen.

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