Daimler Trucks will Fuel Cell komplett eigenständig fertigen

Daimler Trucks will den Anschluss beim Thema Brennstoffzelle anders als bei den Batteriezellen nicht verpassen und baut in Esslingen einen Standort auf, der die Fertigung vorbereiten soll.

Automatisiert: Die derzeitige Stackfertigung in Nabern. | Foto: Daimler
Automatisiert: Die derzeitige Stackfertigung in Nabern. | Foto: Daimler
Johannes Reichel

Die Daimler Truck AG treibt die Serienproduktion von Brennstoffzellen mit der Daimler Truck Fuel Cell GmbH & Co. KG konsequent voran und will dabei eine größtmögliche Fertigungstiefe im eigenen Haus erzielen. Dafür wird derzeit ein eigenständiger Standort im Esslinger Stadtteil Pliensauvorstadt errichtet, in den zu Anfangs etwa 100 Ingenieure einziehen sollen. Man decke dabei jede einzelne Prozessstufe der Brennstoffzellenproduktion, von der Membranbeschichtung über die Stack-Herstellung bis hin zum Brennstoffzellen-Aggregatebau, so der Hersteller. Die Großserienfertigung ist für die zweite Hälfte des Jahrzehnts angepeilt.

„Wir verfolgen die Vision eines CO2-neutralen Transports der Zukunft. Die wasserstoffbasierte Brennstoffzelle ist dabei eine zentrale Technologie von strategischer Bedeutung“, erklärt Martin Daum, Vorsitzender des Vorstands der Daimler Truck AG und Mitglied des Vorstands der Daimler AG.

Man profitiere wie bei der Entwicklung der Brennstoffzellen-Technologie auch in Sachen Herstellung von der langjährigen Erfahrung, ergänzte der Geschäftsführer der neu gegründeten Daimler Truck Fuel Cell GmbH Andreas Gorbach. Man sei bereits heute in der Lage, an der technologischen Vorlage für die Serienfertigung von Brennstoffzellensystemen im großen industriellen Maßstab zu arbeiten, bekräftigte Gorbach. Klassische industrielle Produktionsprozesse ließen sich nicht unmittelbar auf die komplexen wie sensiblen Brennstoffzellen-Stacks übertragen. Die Bearbeitung vieler filigraner Komponenten finde im Mikrometer-Bereich statt, skizziert der Hersteller die Problematik.

"Die kleinste Verunreinigung könnte die Funktionsfähigkeit der Brennstoffzellen beeinträchtigen, weshalb für einige Arbeitsschritte der geplanten Vorserienproduktion ein Sauberraum mit gefilterter Luft aufgebaut wird", schildert der Anbieter.

Zudem könnten schon geringe Schwankungen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu deutlichen Materialveränderungen führen, was die Weiterverarbeitung erheblich erschweren würde. Die größte Herausforderung bilde aber das Erreichen einer kurzen Taktzeit der Produktion. Das sei für eine wirtschaftliche Fertigung jedoch unerlässlich, so die Daimler-Experten. Man greife daher bei der Produktion der FC-Stacks teils auch auf Technologien der Verpackungsindustrie zurück.

Joint-Venture mit Volvo Trucks, Kooperation mit Rolls-Royce

Um das angekündigte Joint Venture mit der Volvo Group zu ermöglichen, bündelt man alle konzernweiten Brennstoffzellen-Aktivitäten in der kürzlich gegründeten Tochtergesellschaft Daimler Truck Fuel Cell GmbH & Co. KG. Dazu gehört auch die Zuordnung der Aktivitäten der Mercedes-Benz Fuel Cell GmbH. Die Daimler Truck Fuel Cell GmbH & Co. KG soll später in das geplante Joint Venture übergehen. Auch in Stationäranwendungen der Fuel Cell investiert man, gemeinsam mit dem britischen Partner Rolls-Royce, der die FC-Systeme von Daimler für seine Notstromaggregate in Rechenzentren verwenden will. Die Aktivitäten auf dem Feld der Fuel-Cell-Pkw werden dagegen mit dem Auslaufen des GLC Fuel Cell eingestellt.

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