Daimler Trucks: Intensive Testphase mit Fuel-Cell-Lkw startet

Lkw-Hersteller geht in die ersten ausgiebigen Tests seines Mercedes-Benz GenH2 Truck. Fahrtests mit dem Brennstoffzellen-Lkw sollen noch in diesem Jahr beginnen.

Wird auf Herz und Nieren getestet: Der Mercedes-Benz GenH2 auf der Teststrecke in Wörth am Rhein. (Foto: Daimler Trucks)
Wird auf Herz und Nieren getestet: Der Mercedes-Benz GenH2 auf der Teststrecke in Wörth am Rhein. (Foto: Daimler Trucks)
Johannes Reichel
von Christine Harttmann

Auf seiner Teststrecke in Wörth am Rhein hat Daimler Trucks vor Journalisten einen weiterentwickelten Prototyp seines Mercedes-Benz GenH2 Truck präsentiert. Der Brennstoffzellen-Lkw ist dort bereits seit Ende April unterwegs. Die Fahrtests in Verbindung mit breiten Versuchsreihen in den Laboren seien ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zum Serienprodukt, teilt der Lkw-Bauer auf der Veranstaltung in Wörth mit. Im Fokus stünden unter anderem der Dauereinsatz, unterschiedliche Wetter- und Straßenbedingungen sowie diverse Fahrmanöver. Tests auf öffentlichen Straßen seien noch für 2021 geplant. Die Kundenerprobung solle 2023 starten. Ab 2027 sollen die ersten Serienfahrzeuge des GenH2 Truck an Kunden übergeben werden.

Die Entwicklungsingenieure von Daimler Trucks legen den GenH2 Truck für dieselben Anforderungen an die Dauerhaltbarkeit von Fahrzeug und Komponenten wie einen vergleichbaren konventionellen Mercedes-Benz Actros aus. Das bedeutet 1,2 Millionen Kilometer Laufleistung, zehn Betriebsjahre und insgesamt 25.000 Betriebsstunden. Daher muss der GenH2 Truck – genau wie jede neue Actros-Generation auch – höchst anspruchsvolle Tests absolvieren. So hat das Fahrzeug allein in den ersten Testwochen bereits hunderte Kilometer unter Dauerlast auf dem Rollenprüfstand zurückgelegt und zahlreiche extreme Situationen aus der Betriebspraxis wie Vollbremsungen und Bordsteinkantenfahrten auf der Teststrecke durchlaufen.

Beim GenH2 Truck handelt es sich um ein von Grund auf neu konzipiertes Fahrzeug mit völlig neuen Komponenten. Auf die legen die Entwickler bei den Tests ihr besonderes Augenmerk. Dazu zählen das Brennstoffzellensystem, der vollelektrische Antriebsstrang und alle dazugehörigen Systeme, auch die spezielle Kühlung. Das individuelle Gewicht der neuen Komponenten und ihre jeweilige Position im Fahrzeug haben zudem Auswirkungen auf die Fahreigenschaften des Lkw. Dadurch wirkten bei Schwingungen durch Straßenunebenheiten und vor allem in Extremsituationen andere Kräfte auf den Lkw als bei konventionellen Fahrzeugen, beschreiben die Entwicklungsingenieure. Um hier frühzeitig umfassende Erkenntnisse zu gewinnen sei bereits der aktuelle Prototyp – wie es auch für die Serienvariante des GenH2 Truck geplant ist – im Rahmen der Tests mit bis zu 25 Tonnen Zuladung für rund 40 Tonnen Gesamtgewicht beladen.

Daimler Trucks präferiert flüssigen Wasserstoff, da der Energieträger in diesem Aggregatzustand im Gegensatz zu gasförmigem Wasserstoff eine deutlich höhere Energiedichte in Bezug auf das Volumen aufweist. Dadurch kommt ein mit Flüssigwasserstoff betankter Brennstoffzellen-Lkw mit wesentlich kleineren und aufgrund des geringeren Drucks auch erheblich leichteren Tanks aus. Dies lasse einen größeren Laderaum und ein höheres Zuladungsgewicht der Lkw zu, so der Hersteller. Gleichzeitig könne mehr Wasserstoff getankt werden, was die Reichweite deutlich vergrößert. Somit eignet sich der Serien-GenH2 Truck wie entsprechende konventionelle Diesel-Lkw für schwer planbare, mehrtägige Fernverkehrstransporte, bei denen der tägliche Energiedurchsatz hoch ist.

Die Experten von Daimler Trucks treiben die Entwicklung der Flüssigwasserstoff-Tanktechnologien auf Basis eines vordefinierten Entwicklungsplans kontinuierlich voran. Die Ingenieure planen, bis Ende des Jahres den entsprechenden Reifegrad neuer Tanksystem-Prototypen zu erreichen, um mit diesen die laufenden anspruchsvollen Tests des GenH2 Truck fortzusetzen. Bis zur Serienreife sollen die Fahrzeug-Tests dann ausschließlich mit Flüssigwasserstoff-Tanksystemen durchgeführt werden. Für die bis dahin stattfindenden intensiven Tests des GenH2 Truck wird als interne Zwischenlösung ein Tanksystem mit gasförmigem Wasserstoff eingesetzt. Damit demonstriert Daimler Trucks, dass beide Varianten – gasförmig und flüssig – technisch umsetzbar sind.

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