Daimler: Sparen und Hoffen auf die Elektro-Offensive

Bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen muss Daimler-Chef Ola Källenius einen Absatzrückgang von 30 Prozent bei Pkw und 55 Prozent bei Lkw verkünden - und ein massives Sparprogramm. Doch der Hochlauf der E-Mobilität soll Hoffnung machen.

Anschluss finden: Mit dem sofort bestellbaren Langstrecken-Stromer eVito Tourer setzt der Daimler-Konzern eine Alleinstellungsmarke im Segment. So ein Fahrzeug hat auch Tesla nicht im Portfolio. | Foto: Daimler
Anschluss finden: Mit dem sofort bestellbaren Langstrecken-Stromer eVito Tourer setzt der Daimler-Konzern eine Alleinstellungsmarke im Segment. So ein Fahrzeug hat auch Tesla nicht im Portfolio. | Foto: Daimler
Johannes Reichel

Während der kalifornische Konkurrent Tesla am gleichen Tag einen weiteren Verbleib in der Gewinnzone vermeldet hat, musste Daimler-Chef Ola Källenius für das zweite Quartal einen Verlust von zwei Milliarden Euro verkünden. Daimler ist an der Börse derzeit mit 40 Milliarden Euro bewertet, Tesla kommt auf 251 Milliarden Euro, obwohl die Stuttgartet bei weitem mehr Autos verkaufen. Entsprechend sprach der Daimler-Chef am Donnerstag auch von einem "herausfordernden Quartal, auch aufgrund der "beispiellosen COVID-19-Pandemie und ein Loch, das man auch im zweiten Halbjahr nicht gutmachen werde. Er verwies aber auch auf die gute Nettoliquidität im Industriegeschäft, die von effektiver Kostenkontrolle und effektivem Cash-Management zeuge. Darüber hinaus sei in China ein neuer Quartalsbestwert gelungen. Insgesamt soll es bis Ende des Jahres für eine Rückkehr in die Gewinnzone reichen, sofern es keine zweite Welle der Pandemie gebe, schränkte der Daimler-Chef ein.

"Wir sehen jetzt erste Anzeichen einer Absatzerholung - insbesondere bei Mercedes-Benz Pkw, wo wir eine starke Nachfrage nach unseren Spitzenmodellen und unseren elektrifizierten Fahrzeugen verzeichnen", machte Källenius den Anlegern und Mitarbeitern Hoffnung.

Man sei "fest entschlossen, die Kostenbasis unseres Unternehmens weiter zu verbessern", ohne die wichtigsten strategischen Ziele aufzugeben: "Wir wollen bei der Elektrifizierung und Digitalisierung führend sein", proklamierte Källenius. Damit es soweit kommt, verschreibt der Schwede dem Konzern ein striktes Sparprogramm. Während Tesla in Texas eine neue Fabrik angekündigte, will Daimler sein Werk in Hambach verkaufen. Man müsse 1,4 Milliarden Euro an Fixkosten sparen und alle Kostenarten ansehen, von der Verwaltung bis zur Produktion.

Erste Serien-Stromer: eVito Tourer, dann EQS, EQA und EQB

2021 sollen dann erste vollelektrische Fahrzeuge auf den Markt rollen, die den kalifornischen Überflieger einbremsen können sollen. Allem voran setzt man auf den EQS mit 700 Kilometer Reichweite im Oberklassesegment, vor allem aber auch auf die "massentauglicheren" Vollstromer EQA und EQB. Zudem hatte der Hersteller in seiner Van-Sparte jüngst nach dem EQV auch eine für gewerbliche, aber auch private Personenshuttle gedachte, preisgünstigere Variante eVito Tourer vorgestellt, die mit dem identischen Antriebspackage bis zu 421 Kilometer weit kommen soll und bei einem plausiblen Preis von 53.990 Euro netto startet und von "attraktiven Leasingraten" flankiert werden soll. Für Källenius geht der Kurs aber wieder klar in Richtung Premium, quer durch alle Klassen: "Das höchste Potenzial haben wir am oberen Ende der Segmente", meint der Daimler-Chef.

Analyst sieht Aufbruchstimmung im Konzern

Nach dem Dafürhalten von Auto-Analyste Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler gebe es eine "Aufbruchstimmung" im Konzern, die auch erforderlich sei, wie der Experte gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Auch aus Sicht von Analyst Frank Schwobe von der Nord LB sei Daimler zwar ins "Hintertreffen" gegenüber Tesla geraten, er empfiehlt aber, die Aktie zu halten und verweist wie Källenius auf die Markterholung in China. Das Tesla-Papier hält er dagegen für überbewertet, obwohl die Marke als Symbol für die Zukunftstechnologien Elektromobilität und Autonomes Fahren sowie den Aufbruch in die Post-Corona-Ära stehe und empfiehlt daher: Verkaufen.

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