Daimler: Källenius fokussiert den Konzern

Die hohen Fixkosten im Konzern sollen gesenkt werden, Investitionen in Robo-Taxis werden gestutzt, die Variantenvielfalt gesenkt. Binnen eines Jahres müssen die CO2-Flottenwerte von 138 auf 100 Gramm sinken.

Konzentration auf's Wesentliche: Unter der Devise "Electric first" schwört der neue Daimler-Chef Ola Källenius den Konzern auf eine harte Phase der Transmission ein. Das Konzeptfahrzeug EQS soll dabei den Weg weisen. | Foto: Daimler
Konzentration auf's Wesentliche: Unter der Devise "Electric first" schwört der neue Daimler-Chef Ola Källenius den Konzern auf eine harte Phase der Transmission ein. Das Konzeptfahrzeug EQS soll dabei den Weg weisen. | Foto: Daimler
Johannes Reichel

Daimler-Konzern-Chef Ola Källenius hat bei einem Round-Table mit Analysten und Investoren massive Sparmaßnahmen angekündigt, die auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung betreffen. Darüber hatte die Süddeutsche Zeitung berichtet. Vor allem sollen die Investitionen in Robo-Taxi-Technologien in Kalifornien kürzen. Die Entwicklung von autonom fahrenden City-Fahrzeugen sei zu teuer und die Erfolgsaussichten zu gering. Daher werde man die Koooperation mit Bosch reduzieren. Darüber hinaus soll die Variantenvielfalt beim Modellen und Motoren gesenkt werden, was aufgrund der langen Zykluszeiten allerdings erst ab 2025 wirksam werde. Källenius sieht den "Höhepunkt der Komplexität" noch vor dem Konzern.

Ein schnelleres Umsteuern sei nicht möglich aufgrund der fixen Abläufe und Prozesse in der Automobilindustrie. Auch den Personalstand will der neue Daimler-Chef massiv reduzieren, am meisten in der Pkw-Sparte, die für eine Milliarde Euro Kosteneinsparung sorgen soll. Die Bereiche Vans und Trucks sollen 100 Millionen und 300 Millionen zu den Einsparungen beitragen. Das will er vor allem durch eine schlankere Verwaltung erreichen, im Management sollen zehn Prozent der Stellen gestrichen werden.

Bis 2023: Im letzten Entwicklungszyklus des Verbrenners

Befragt nach der Strategie, die Källenius für die Zukunft sieht, setzt der Daimler-Chef auf die Devise "electric first". Wie angekündigt, sollen bis 2030 demnach die Hälfte aller Fahrzeuge elektrifiziert sein. Das werde den Gewinn in den kommenden Jahren schmälern, sodass die Rendite auf einem Niveau von vier Prozent verharren könnte. Verbrennungsmotoren sieht der Manager dagegen im letzten "Entwicklungszyklus". Bis 2023 soll noch in die Entwicklung investiert werden, dann nicht mehr.

Diese Strategie sei zwar in der ersten Phase teuer, werde aber langfristig, sprich ab 2025 zum Erfolg führen, versprach Källenius.

"Es gab heute viele harte Wahrheiten, aber langfristig haben wir eine Strategie und eine großartige Perspektive", warb der Daimler-Chef für seinen Plan.

Diese wurden von Analysten eher skeptisch und als zu allgemein und wenig konkret aufgenommen. Auch der Börsenkurs reagierte auf die Ankündigungen und sank unmittelbar um 4,5 Prozent.

 

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