Cupra: Die „Cup Racer“ fahren eiskalt nach vorn

Mittlerweile verkauft Cupra mehr Autos in Deutschland als Seat – und der Formentor wurde zum neuen Topseller und Leasingmodell Nummer eins auf dem deutschen Markt – nicht in seiner Klasse, sondern überhaupt!

Born (li., auf VW ID.3-Basis) und Formentor (re., vor allem aus VZ5 mit Audi-Fünfzylinder) sind eiskalte Ansagen an den VW-Konzern - und haben bei den Kunden Erfolg! | Foto: Cupra
Born (li., auf VW ID.3-Basis) und Formentor (re., vor allem aus VZ5 mit Audi-Fünfzylinder) sind eiskalte Ansagen an den VW-Konzern - und haben bei den Kunden Erfolg! | Foto: Cupra
Gregor Soller

Was für ein Aufstieg: Cupra-Deutschland-Geschäftsführer Bernhard Bauer kann stolz auf die noch junge Marke sein, die im Gegensatz zum Gesamtmarkt (und Seat) stark wächst: 2021 konnte man den Absatzrückgang dank Cupra auf 6,5 Prozent beschränken, während der gesamte deutsche Markt um rund zehn Prozent nachgab! Entsprechend stieg der Marktanteil von Seat und Cupra 2021 um 0, 1 auf 4,1 Prozent. Was viel ist, wenn man bedenkt, das man für Seat einst 3,0 prozent ausgab, um sichtbar und präsent zu sein.

Bis Februar 2022 legte man bei einem Marktwachstum in Deutschland von 5,7 Prozent um 10,2 Prozent zu und der Marktanteil der spanischen VW-Töchter stieg auf 4,7 Prozent.

Noch besser sehen die Ergebnisse für Cupra separat aus: 2021 konnte man weltweit über 30.000 Einheiten verkaufen und legte um 105 Prozent zu. Bernhard Bauer freute sich: „Ich habe schon oft prophezeit, Cupra wird kommen, jetzt ist die Marke voll da!“. Und holte in Deutschland 1,2 Prozent Marktanteil, Tendenz steigend. Denn auch 2022 wuchs man in den ersten beiden Monaten um 60 Prozent mit rund 5.500 Einheiten und hat viele Bestellungen im Vorlauf. Der Cupra-Marktanteil wuchs auf 1,4 Prozent. Mittlerweile ist der Formentor der Bestseller aller Cupra- und Seat-Produkte und absolut gesehen das meistgeleaste Modell Deutschlands und die Nummer eins bei den privaten Zulassungen im Segment de Kompakt-SUV. Weshalb man das Programm 2024 um den Elektro-SUV Tavascan und 2025 um den Kompaktstromer „Urban Rebel“ erweitert.

Insofern ist die Strategie, Cupra als eigene Marke aus Seat auszugliedern aufgegangen. Doch wo Licht ist, ist immer auch etwas Schatten: Denn nachdem die Mutter VW schon mit Skoda Stress hat, weil die Tschechen historisch eigentlich „Premium“ sind – auch wenn sie das nie – gar nie sagen – darf auch der Formentor als der knackigere Tiguan gelten und der Born als der spannendere ID.3 – und beide liegen in Sachen Image und Preis eher über als unter VW. Was bleibt der deutschen Mutter also als Perspektive, wenn ihr die ganzen Töchter über den Kopf wachsen? Und was wird aus Seat? Hier hat man momentan eher nichts Spannendes im Köcher. Der Schrankenwart an der Mautstraße zum Veranstaltungsort brachte es auf den Punkt, als wir zum „Seat-Event“ wollten: „Seat gibt es doch nicht mehr, wie heißt die Marke jetzt?“ Cupra! „Gut, sie dürfen passieren“.

Was bedeutet das?

Cupra hat gerade massiven Rückenwind und wer will es den Spaniern verdenken, den mitzunehmen? Man bietet mehr Emotionen als der Mutterkonzern zu noch bezahlbaren Tarifen, das deutlich coolere Image bei ordentlicheren Margen als Seat. Doch genau das ist das Problem für die gerade etwas arg blasse Mutter aus Barcelona und die Hauptkonzernmarke VW: Die jüngste Tochter  entwickelt sich bestens – teils auf Kosten der Konzernmutter. Hier muss mittelfristig gegengesteuert werden, bevor Seat zu Lancia wird und VW außer ID.5, ID. Buzz und Amarok (von Ford) nur noch die langweilig(st)en Konzernmodelle im Programm hat.

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