Corona-Virus: Müssen US-Autohersteller Medizintechnik bauen?

Donald Trump denkt darüber nach, ein Gesetz zur Kriegswirtschaft zu reaktivieren. So könnte der Staat Autohersteller zur Produktion von Medizintechnik zwingen.

Die GM-Vorstandsvorsitzende Marry Barra soll bereits prüfen, ob GM auch Medizintechnik fertigen kann. | Foto: GM
Die GM-Vorstandsvorsitzende Marry Barra soll bereits prüfen, ob GM auch Medizintechnik fertigen kann. | Foto: GM
Gregor Soller

Das US-Mantra von er sich selbst regelnden Privatwirtschaft ohne Einmischung des Staates erhält in Zeiten den Corona-Krise einen ganz empfindlichen Dämpfer. Zumal Präsident Trump immer für Überraschungen und schnelle 180-Grad-Kehrtwenden in seinen Aussagen berühmt ist. Aktuell denkt er über eine Reaktivierung des "Defense Production Act" nach, was im zweiten Weltkrieg das "Verteidigungs-Produktions-Gesetz" war. Es würde den US-Präsidenten bei Bedarf mit weitreichenden Befugnissen ausstatten, so dass er im Interesse der nationalen Sicherheit sogar in die Privatwirtschaft eingreifen könnte. Dabei könnte er die Produktion essenzieller Materialien und Waren anordnen, um auf Krisen zu reagieren.

Die beiden größten US-Autobauer Ford und General Motors prüfen bereits jetzt, ob ihnen die Herstellung von medizinischen Geräten möglich wäre. Laut der Plattform Microsoft-News soll GM-Vorstandschefin Mary Barra der US-Regierung bereits am Mittwoch, den 18.3.2020, signalisiert haben, dass GM nach Lösungen zur Unterstützung bei der Bewältigung der Krise suche. Dabei werde geprüft, ob General Motors medizinische Ausrüstung wie zum Beispiel Beatmungsgeräte herstellen könne. Auch Ford will prüfen, ob man so helfen kann und hat dazu laut eines Statements in US-Medien bereits Gespräche mit der Regierung in den Vereinigten Staaten und auch in Großbritannien geführt. Mittlerweile soll auch Elon Musk prüfen, ob Tesla im Bedarfsfall medizintechnische Geräte herstellen könnte.

Mittlerweile haben auch Ford und GM vorübergehende Stopps ihrer Autoproduktion in Nordamerika aufgrund der Corona-Krise angekündigt. Die Bänder sollen in den USA, Kanada und Mexiko zunächst bis zum 30. März angehalten werden.

Damit die Branche nicht kollabiert, soll Trump ein vom Kongress beschlossenes 100 Milliarden Dollar starkes Hilfspaket in Kraft gesetzt haben, mit dem die Folgen des Coronavirus abgefedert werden sollen. Damit soll vor allem die in USA nicht landesweit gesetzlich vorgeschriebene Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ausgeweitet werden, eine Regelung, die in den Staaten kaum verbreitet ist. Und da auch Krankenhäuser oder Arztbesuche immer Geld kosten, gehen viele Beschäftigte trotz Krankheitssymptomen zur Arbeit, da sie das Geld dringend brauchen.

Außerdem wollen die USA nun die Kostenübernahme von Tests auf eine mögliche Ansteckung mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 und Zahlungen für Arbeitslose und Lebensmittelhilfen aufstocken. Das gesamte Konjunkturpaket zur Stützung der Wirtschaft soll bis zu einer Billion (!) US-Dollar (knapp 923 Milliarden Euro) umfassen. Laut Microsoft-News laufen die Verhandlungen mit dem Kongress über die Freigabe der Mittel aktuell auf Hochtouren.

Was bedeutet das?


Die Automotive-Branche als Hersteller von Medizintechnik? Das würde massive Investitionen und Umbauten der Produktion erfordern, die nach Überwindung der Krise wieder „zurückverwandelt“ werden müssten und langfristig nur Probleme brächte. Doch angesichts der aktuellen Lage scheint gerade in den angelsächsischen Staaten mit ihren unterfinanzierten Staatshaushalten und Gesundheitswesen vieles möglich. Die Wirtschaft nach rein marktwirtschaftlichen Regeln „regelt“ sich bei solchen Krisen eben nicht selbst!

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