Corona-Krise: VW-CEO Herbert Diess gibt sich dezent optimistisch

Aktuell stehen alle VW-Werke in Europa sowie in Amerika, während China wieder hochläuft. In einem Podcast zu "Steingarts Morning Briefing" stärkt der VW-Lenker der EU und Kanzlerin Merkel den Rücken.

Bleibt auch in der Corona-Krise optimistisch am Steuer: Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess. | Foto: VW
Bleibt auch in der Corona-Krise optimistisch am Steuer: Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess. | Foto: VW
Gregor Soller

Bei Konzernchef Herbert Diess sieht man meist am Tragen oder eben Nicht-Tragen der Krawatte, wie offiziell der Anlass ist: Zur ID.3-Präsentation in Zwickau mit der Kanzlerin trug er natürlich Schlips, auch zur Jahrespressekonferenz 2020. Zum Podcast-Gespräch mit Steingart ließ er sie jedoch weg. Das sind dann auch meist die Anlässe und Gespräche, in der Diess auch mal den einen oder anderen Kommentar zwischen den Zeilen macht. Weshalb die Gespräche ohne Schlips meist die Spannenderen sind, gerade in Zeiten wie diesen.

Nicht nur in der Wolfsburger Konzernzentrale herrscht gespenstische Stille, auch die anderen europäischen VW-Werke stehen. Beim ID.3 kämpft man mit großen Softwareproblemen und wird die Markteinführung deshalb wohl um einige Wochen verschieben müssen: Aus Mai wurde jetzt „Sommer“ und der geht bis in den September hinein. Trotzdem bleibt CEO Herbert Diess optimistisch, wie der Auszug eines Podcast aus „Steingarts Morning Briefing“ vermuten lässt. Denn Diess will die Elektrifizierung und Digitalisierung des VW-Konzerns vorantreiben und zeichnet weiter das Bild der europäischen Einheit, die im VW-Konzern mit Werken in Italien, Spanien, Portugal, Ungarn, Tschechien und Polen längst Realität ist. Deshalb glaubt Diess auch fest an Europa:

„Man muss auch einen Appell an die europäische Solidarität richten. Wir müssen Europa als Ganzes betrachten. Nur Europa kann wieder gemeinsam starten.“

Die Einführung von Eurobonds würde Diess immerhin diskutieren, zumal man noch nicht absehen kann, wann in Europa der Alltag wieder zurückkehrt. Aktuell verfügt VW über Mittel von 21 Milliarden Euro und plant Stand heute, ohne staatliche Stütze durch die Krise zu kommen. Zumal die chinesischen Werke aktuell wieder hochfahren und den Konzern wenigstens in kleinen Teilen schon wieder handlungsfähig machen, deshalb glaubt Diess:

„Wir haben in China im Prinzip einen Monat verloren. Wenn man davon ausgeht, dass wir vielleicht hier etwas länger brauchen, die Krise zu behandeln – vielleicht fünf, sechs Wochen – dann haben wir sicherlich keine Liquiditätsprobleme.“

Die aktuelle Politik der Bundesregierung lobt der VW-Konzernlenker. Schon bei der Präsentation des ID.3 in Zwickau war zu sehen, dass er sich mit Kanzlerin Merkel durchaus gut versteht. Entsprechend gibt Diess ihr jetzt auch Rückendeckung:

„Ich glaube, dass die Politik der Bundesregierung, insbesondere der Kanzlerin, absolut richtig ist. Wir sollten uns jetzt darauf konzentrieren, die Pandemie unter Kontrolle zu bekommen. Und dann laufen wir schon hoch, am besten solidarisch in Europa, und gleichzeitig.“

Der Polarisierung zwischen den Staaten erteilt er in dem Zusammenhang eine klare Absage:

„Ich glaube, die Krise wäre eine gute Gelegenheit, diese Solidarität wirklich auszuleben.“

Doch Diess wäre nicht Diess, wenn er diese Aussage nicht auch zur Kritik  an manch anderen Staaten nutzen würde, in denen sein Konzern durchaus auch präsent ist und wichtige Märkte und/oder Produktionsstätten hat:

„Ich bin ehrlich gesagt froh, dass wir eine Naturwissenschaftlerin als Bundeskanzlerin haben, die die Themen wirklich durchdrungen hat und die Richtung vorgibt. Ich bin froh, dass wir da nicht irgendeinen Populisten oder Clown sitzen haben, der uns vorgaukelt, wie schön die Welt sein kann.“

Was bedeutet das?

Im Podcast mit Steingart gibt sich Diess optimistisch und solidarisch – und stützt damit nicht nur die Politik der Kanzlerin, sondern auch seine Belegschaft und den europäischen Gedanken. Es mag sein, dass er intern ähnlich wie Elon Musk manchmal den zweiten Schritt vor den ersten setzt und Projekte von morgen am liebsten schon gestern unter Dach und Fach hätte – trotzdem findet er aktuell sehr passende Töne und die nötige Geduld mit der Gesamtsituation.

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