Corona-Krise: So könnten sich Mobilitäts- und Parkverhalten ändern

Dr. Hans-Hendrik Puvogel, COO von Parkopedia skizziert vier Entwicklungen innerstädtischen Verkehrs für die Zeit nach dem Lockdown.

 

Parkgaragen dürften noch stärker ins digitale Netzwerk eingebunden und damit viel intelligenter werden. | Foto: Freephoto/Pixabay
Parkgaragen dürften noch stärker ins digitale Netzwerk eingebunden und damit viel intelligenter werden. | Foto: Freephoto/Pixabay
Redaktion (allg.)

Die weltweite Corona-Pandemie des Jahres 2020 dürfte die Mobilität in den Innenstädten voraussichtlich nachhaltig verändern. Dies wird auch Auswirkungen auf das Mobilitäts- und Parkverhalten haben. Welche Entwicklungen sind abzusehen und welche Innovationen können die Mobilität und das Parken der Zukunft erleichtern? Die wichtigsten Veränderungen fasst Dr. Hans-Hendrik Puvogel, COO von Parkopedia in vier Thesen zusammen.

1. Individuelle Mobilität wird eine Renaissance erleben

Die aktuelle Krise zeigt uns, dass Shared Mobility ihre Gefahren birgt. Viele Menschen werden es in Zukunft vermeiden in fremde, nicht desinfizierte Fahrzeuge zu steigen. Auch Privat-PKW, die ohne Trennscheibe als Fahrdienst genutzt werden, sind für viele Menschen keine Option mehr. Dies gilt auch für den öffentlichen Nah- und Fernverkehr, dem zukünftig im Zweifel das eigene Auto vorgezogen wird.

2. Rückgang der täglichen Pendlerzahlen

Viele Unternehmen und Arbeitnehmer haben in den letzten Wochen herausgefunden, dass das Arbeiten aus dem Home Office eine echte Alternative zum täglichen Pendeln ins Büro darstellt. Viele werden folglich nur noch ein oder zweimal pro Woche ins Büro kommen und ihre restliche Arbeit von zu Hause erledigen und dieses zu Hause wird wieder häufiger außerhalb dicht besiedelter Innenstädte liegen. Das bedeutet zum einen eine Entlastung der Bahnen, Busse und Straßen durch einen Rückgang der Pendlerzahlen. Zum anderen werden viele für diese eine Fahrt ins Büro eher auf ihren eigenen Pkw zurückgreifen, um Reisezeiten (und Infektionsrisiken) zu minimieren. Das bedeutet in der Summe einen Rückgang der Pendlerzahlen, aber einen relativen Zuwachs beim Individualverkehr.

3. Weniger kostenlose Parkplätze in den Innenstädten

Eine weitere Konsequenz von Covid-19 sind die gestiegenen Anforderungen von Lieferlogistikern an die städtische Infrastruktur. Gleichzeitig werden Regierungen auf allen Ebenen ihre gestiegene Autorität nutzen, um Einfluss auf die Mobilität und damit auch die Nutzung städtischer Flächen und damit die Parksituation zu nehmen. Zu erwarten ist unter anderem die massive Reduzierung des Angebotes von Stellflächen im öffentlichen Raum, gegebenenfalls verbunden mit höheren Parkgebühren. Insgesamt werden diese Entwicklungen dazu führen, dass es einen deutlichen Rückgang an kostenlosen, frei verfügbaren Parkplätzen geben wird. Daher werden Parkhäuser wieder verstärkt genutzt werden.

4. Technische Innovationen auf dem Vormarsch

Die künftige Verknappung von Parkplätzen wird es notwendig machen, die Fahrer besser über die Parksituation zu informieren, z.B. mit Vorhersagen von freien Parkplätzen. Schon heute zeigen moderne Fahrzeug-Systeme dank Machine Learning gestützter Vorhersagen freie Stellplätze an, sei es auf der Straße oder im Parkhaus. Die auf Daten der Fahrzeugsensorik beruhenden Vorhersagen werden im Zeitablauf immer granularer und genauer, ähnlich wie wir es in den vergangenen Jahren im Bereich der Verkehrsinformation erlebt haben.


 

Die Gesellschaft ist durch die Corona-Krise viel offener für kontaktloses Bezahlen – für manche Transaktionen wird es aktuell sogar zur Bedingung gemacht. Für das Auto geht dies noch weiter. Die Bezahlung für Straßenparkplätze läuft über das On-Board System, das mit der Kreditkarte oder z.B. Paypal verknüpft ist. Der Bezahlvorgang wird automatisch gestartet. In Parkhäusern erfolgen Einfahrt, Bezahlung und Ausfahrt vollkommen ticketlos und müssen nur noch vom Fahrersitz aus bestätigt werden. Die Registrierung erfolgt durch einen RFID-Tag, oder den Scan des Kennzeichens oder eines QR-Codes.

Die Parkhäuser der Zukunft werden automatisiertes Parken unterstützen (Automated Valet Parking). Hier steigt man im Einfahrtsbereich aus dem Fahrzeug, und nach der Bestätigung durch den Nutzer fährt das Auto selbständig auf einen zugewiesenen Parkplatz. Der Nutzer muss vom Handy lediglich die „Parken“ und „Rückruf“ Aktionen initiieren und bestätigen. Der Gang zum Fahrzeug entfällt ebenso, das Auto kommt automatisch zu einem ausgewiesenen Bereich, sobald es via Handy gerufen wird. Für den Fahrer bedeutet das keine Schrammen und Kratzer mehr vom Parken im Parkhaus und Zeitersparnis, wenn man das Fahrzeug am Eingang virtuell abgeben kann. Zusätzlich bedeutet es eine effizientere Nutzung der Parkhäuser, da Fahrzeuge enger geparkt werden können.

Was bedeutet das?

Laut Puvogel werden sich Parkhausbetreiber, Mobilitätsdienstleister sowie Autohersteller auf ein verändertes Kundenverhalten einstellen müssen. Umso wichtiger ist es, in Innovationen zu investieren und über neue Nutzungskonzepte nachzudenken. Für die Fahrzeughalter wird die Zukunft komfortabler: Die Anzeige von verfügbaren Parkmöglichkeiten wird sich weiter verbessern und das Navigationssystem im Auto wird dem Fahrer präzise Informationen liefern, wo das Fahrzeug am besten abgestellt werden kann. In-Car Payment ermöglicht einen komplett kontaktlosen Bezahlvorgang. In fernerer Zukunft wird das Parkhaus gar nicht mehr betreten, alle Insassen steigen in designierten Drop-Off Zonen aus und ersparen sich so lästige Wege. Die Innovationen werden sich auch auf den Verkehr in den Innenstädten auswirken: Weniger Parksuch-Verkehr, der die Umwelt belastet und eine effizientere, weil dichtere und optimierte Nutzung von Parkplätzen.

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