Corona-Krise: Seat entwickelt und fertigt Beatmungsgerät

In Kooperation mit einem Prototypenspezialisten und anderen Partnern wie Bosch, entwickelte Seat in kürzester Zeit ein Beatmungsgerät, das im Werk Matorell gefertigt wird. Scheibenwischermotor als Komponente.

Statt Autos medizinisches Gerät: Seat stellte die ruhende Produktion in Matorell auf die gemeinsam entwickelten Beatmungsgeräte um. | Foto: Seat
Statt Autos medizinisches Gerät: Seat stellte die ruhende Produktion in Matorell auf die gemeinsam entwickelten Beatmungsgeräte um. | Foto: Seat
Johannes Reichel

In Zusammenarbeit mit dem Prototypenspezialisten Protofy.XYZ und zahlreichen weiteren Partnern hat die spanische VW-Tochter ein Beatmungsgerät entwickelt und Teile ihrer Fertigung für die Produktion umgerüstet. In der Produktionsanlage für den Kompaktwagen Leon im Werk Martorell laufen keine Fahrzeuge mehr vom Band, sondern maschinelle Beatmungsgeräte. Der Hersteller will damit seinen Beitrag zur Entlastung des von der Coronavirus-Krise schwer getroffenen spanischen Gesundheitssystems leisten, wie es heißt. Umgerüstet wurde die Anlage in kürzester Zeit.

„Die Tatsache, dass wir unser Wissen und unsere Erfahrung dafür einsetzen können, dringend benötigte lebensrettende Geräte in Serie herzustellen, motiviert uns alle ungemein“, meint Nicolás Mora von der Produktionsabteilung im Werk in Martorell.

Mehrere Initiativen zur Eindämmung der Pandemie

Seit Beginn der Coronavirus-Krise wurden bei Seat bereits mehrere Initiativen ins Leben gerufen, um bei der Eindämmung der Pandemie mitzuhelfen. Konkret ging es dabei um die Produktion von Materialien und Geräten, die von den Krankenhäusern stark nachgefragt werden – unter anderem eben Beatmungsgeräte. Ein Team von Seat-Ingenieuren arbeitete dazu mit Hochdruck an der Herstellung eines serienreifen Modells. Hierfür wurden insgesamt 13 Prototypen entworfen und weiterentwickelt.
 

    Querdenker: Die Lösung liefert der Scheibenwischer

    In Zusammenarbeit mit dem Prototypenspezialisten Protofy.XYZ entstand so in kürzester Zeit ein qualitativ hochwertiges Beatmungsgerät, das OxyGEN. Diese Lösung besteht aus mehr als 80 elektronischen und mechanischen Komponenten, darunter Zahnräder aus dem 3D-Drucker, Getriebewellen und ein umgebauter Scheibenwischermotor. Die Qualitätskontrolle des fertigen Geräts umfasst auch eine Sterilisation mit UV-Licht, versichert der Anbieter.

    Herausforderung: Umrüstung der Produktion

    Das Beatmungsgerät wird seit Ende März in Martorell produziert. Dafür verlegten 150 Mitarbeiter aus verschiedenen Unternehmensbereichen ihren Arbeitsplatz. Sie bauen nun dort, wo bislang die Montage des Golf-Geschwisters Leon stattfand, Beatmungsgeräte.

    „Eine Montagelinie, an der eigentlich Fahrzeugteile produziert werden, so umzurüsten, dass hier Beatmungsgeräte gefertigt werden können, war eine umfangreiche, schwierige Aufgabe, an der viele Bereiche des Unternehmens beteiligt waren. Aber wir haben es in einer Rekordzeit geschafft“, freut sich Sergio Arreciado von der Abteilung Verfahrenstechnik bei Seat.

    Ein Gemeinschaftswerk

    Das Zulassungsverfahren für das neu entwickelte Beatmungsgerät laufe bereits, so der Anbieter. Es werde dabei umfangreichen Prüfungen unterzogen. Die Produktion in Martorell laufe paralell weiter. „Wir wissen, dass wir einen wichtigen Beitrag dazu leisten können, Menschenleben zu retten. Schon dafür lohnt sich die ganze Arbeit“, erklärt Francesc Sabaté von der Abteilung Forschung & Entwicklung bei Seat. Das neue Beatmungsgerät ist das Ergebnis einer unbürokratischen Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen und Einrichtungen. Beteiligt waren etwa:

    • Protofy.XYZ CMCiB
    • University of Barcelona
    • Recam Laser
    • Doga Motors
    • Luz Negra
    • Ficosa
    • Bosch
    • IDNEO
    • Secartys
    • LCOE
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