Corona-Krise: Porsche hält an CO2-Zielen und Elektrifizierung fest

"Daran ändert Corona nichts": Porsche-Chef Blume weist Ansinnen auf Lockerung von CO2-Werten und Restauration alter Technologien im Gespräch mit Minsterpräsidenten Kretschmann und Kretschmer zurück.

Noch stehen bei Porsche die Bänder still, ein Drittel der Belegschaft ist in Kurzarbeit. Aber die Pläne für ein Wiederanfahren liegen konkret vor. Und die Mutter VW startet ab nächster Woche wieder, mit einem 100-Punkte-Hygiene-Plan. | Foto: Porsche
Noch stehen bei Porsche die Bänder still, ein Drittel der Belegschaft ist in Kurzarbeit. Aber die Pläne für ein Wiederanfahren liegen konkret vor. Und die Mutter VW startet ab nächster Woche wieder, mit einem 100-Punkte-Hygiene-Plan. | Foto: Porsche
Johannes Reichel

Bei einem Gespräch, das zuerst in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sowie im Porsche-Newsroom veröffentlicht wurde, haben sich der Porsche-Chef Oliver Blume sowie Baden-Württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und der sächsische Ministerpräsidenten Michael Kreschmer (CDU) zur aktuellen Lage und der weiteren Entwicklung geäußert. Blume bekräftigte dabei das Bekenntnis des Sportwagenherstellers zur Einhaltung der CO2-Ziele, erwartet nach der Krise sogar einen Schub in Richtung Elektromobilität und mahnt, die Globalisierung nicht zu verteufeln, aber mit Bedacht fortzusetzen. Für die Politik nach der Krise hält Blume es für wichtig, schnell mit konkreten Kaufanreizen die Wirtschaft anzukurbeln und er sieht dabei ein "Interesse der gesamten Gesellschaft". Zugleich betont er aber:

"Wir stehen zu den CO2-Zielen, setzen unsere Nachhaltigkeitsstrategie konsequent fort. Daran ändert Corona nichts".

In den nächsten fünf Jahren investiere man 15 Milliarden Euro für Themen wie E-Mobilität, nachhaltige Produktion und Digitalisierung. Blume erwartet auch keine krisenbedingte Verzögerung der Verkehrswende hin zur E-Mobilität.

"Das Leben nach der Krise wird bewusster, es wird einen deutlichen Schub geben in Richtung E-Mobilität", glaubt der Porsche-Chef.

Nach seinem Dafürhalten würden derzeit viele Menschen überlegen, was das Leben lebenswert macht. Er geht davon aus, dass emissionsarme Technologien dabei noch stärker in den Vordergrund rückten.

Der Baden-Württembergische Ministerpräsident Kretschmann unterstrich in diesem Kontext:

"Die Klimakrise verschwindet ja nicht. Die Corona-Krise werden wir spätestens mit einem Impfstoff beenden, gegen die Erderwärmung gibt es keine Impfung, dieses Problem bleibt. Wir müssen es daher als Chance begreifen, im Wieder-Hochfahren der Wirtschaft diesen Aspekt mit ein zu kalkulieren".

 

Dabei müsse man berücksichtigen, dass die Industrie eine "schwere Delle" abbekomme, so Kretschmann. Vielleicht müsse die Politik deshalb manches neu justieren, doch "in den Anstrengungen für den Klimaschutz dürfen wir aber nicht nachlassen", forderte der Grünen-Politiker. Er warnt vor verheerenden Konsequenzen, würde man das Ziel von maximal Zwei-Grad-Erwärmung aufgeben - aus seiner Sicht für die Menschen wie für die Wirtschaft. Das solle man im Hinterkopf haben, auch wenn es aktuell andere Prioritäten gebe.

Lockdown langsam lockern - Vorbereitung läuft

Im Hinblick auf die Lockerung der Shut-Down-Situation meinte Blume:

"Wir dürfen das Land nicht vorschnell wieder hochfahren. Gleichzeitig bereiten wir uns als Unternehmen schon jetzt im Detail darauf vor".

Für die Fabriken gehe man gedanklich den kompletten Arbeitstag durch. Das reiche von Fiebermessungen zuhause, über Schutzbekleidung und Hygiene bis zur Organisation der Arbeitsplätze. Die Krise will man zudem ohne Staatshilfe überstehen, fahre allerdings partiell in Kurzarbeit. Man habe allein Unterstützung für etwa ein Drittel der Belegschaft beantragt. "Hier geht es nicht um Staatshilfen. Es ist eine Versicherungsleistung, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer selbst über Jahre bei der Bundesagentur eingezahlt haben", stellte Blume klar.

Insgesamt verfüge man über eine solide Liquidität, die über mehrere Monate reiche, aber auch endlich sei. Nichtsdesto trotz hatten alle Porsche-Mitarbeiter vor kurzem eine "freiwillige Sonderzahlung" des Unternehmens erhalten, für ein äußerst erfolgreiches Geschäftsjahr 2019, verknüpft allerdings mit einem Spendenaufruf zur Aktion "Porsche hilft", das etwa die Tafeln monetär unterstützt, bei der Beschaffung medizinischen Equipments beispringt oder mit Projektmanagern sowie IT-Spezialisten in Krisenteams hilft. 

Unterschiedliche Lage in den Weltregionen

Blume sieht eine sehr unterschiedliche Situation in den jeweiligen Weltregionen. In China, wo wir im Februar alle Handelsbetriebe geschlossen hatten, erhole sich die Nachfrage bereits wieder deutlich. In Europa dagegen sei der Handel deutlich eingeschränkt.

"Aber gerade in Phasen wie diesen entstehen bei den Menschen Träume und Bedürfnisse. Der Bedarf an Sportwagen ist nach der Krise vielleicht sogar höher als vorher, das wäre zumindest mein Wunsch", erklärt der Porsche-Chef.

In dem Kontext mahnte er, die Globalisierung habe viele positive Aspekte und internationaler Austausch werde weiterhin eine hohe Bedeutung haben. "Globalisierung wird in Zukunft vielleicht etwas anders aussehen und mit mehr Bedacht laufen. Sie leistet aber einen erheblichen Beitrag für den Wohlstand auf der Welt". Hier pflichtete auch Kretschmer bei:

"Wir müssen aufpassen, aus der Krise nicht die falschen Schlüsse zu ziehen, etwa die Globalisierung zurück zu drehen, weil jetzt nicht schnell genug Schutzmasken geliefert werden. Ich glaube nicht, dass es die richtige Lehre wäre, 100 Prozent Selbstversorgung in Deutschland anzustreben", meinte der Sachsen-MP.

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