Corona-Krise: ÖPNV mit drastischen Verlusten

Durch die Ausgangssperren, Abstandregelungen und die Angst der Nutzer vor Ansteckung gehen die Fahrgastzahlen dramatisch zurück. Bei deutlich geringeren Einnahmen bleiben hohe Fixkosten. Ein Dilemma.

Alarmsignal: Die ÖPNV-Verbünde wie der MVV in München vermelden starke Einbrüche der Fahrgastzahlen - und damit der Einnahmen, bei fast gleichem Angebot. | Foto: MVG
Alarmsignal: Die ÖPNV-Verbünde wie der MVV in München vermelden starke Einbrüche der Fahrgastzahlen - und damit der Einnahmen, bei fast gleichem Angebot. | Foto: MVG
Johannes Reichel

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) kämpft mit teils dramatischem Rückgang der Fahrgastzahl und entsprechenden Einnahmeverlusten aufgrund der Corona-Krise. Die Einzelticketverkäufe, die üblicherweise für etwa die Hälfte der Einnahmen stehen, seien um 80 bis 90 Prozent eingebrochen, ließ der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) wissen. Starke Verbünde wie der MVV in München vermelden um 70 bis 85 Prozent gesunkene Fahrgastzahlen, mit Einnahmeverlusten von 30 bis 50 Millionen Euro. Die Berliner BVG registriert 70 bis 75 Prozent weniger Fahrgastaufkommen, wobei man nur 13 Prozent des Angebots reduziert habe. Die Unternehmen fahren also zu fast identisch hohen Fixkosten, um das Linienangebot etwa auch für medizinisches Personal aufrechtzuerhalten, erzielen aber deutlich weniger Einnahmen.

"Für viele Verkehrsunternehmen sind die wirtschaftlichen Folgen durch wegbrechende Fahrgeldeinnahmen schon jetzt verheerend", erklärte der Hauptgeschäftsführer des VDV, in dem die ÖPNV-Unternehmen organisiert sind, gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Daher will der Verband in den nächsten Tagen einen Appell zur staatlichen Unterstützung an die Politik richten, von der sie bisher als kommunale Unternehmen ausgeschlossen sind, da der sogenannte "Schutzschirm" sich nur an private Firmen richtet. Perspektivisch müssen sich die ÖPNV-Betriebe allerdings auf eine ganz andere Herausforderung einstellen, da durch die neuen Abstandsregelungen von 1,5 Meter ein deutlich größeres Angebot vonnöten sei, wie VDV-Geschäftsführer Wolf schon mal vorwarnt.

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