Corona-Krise: Groupe PSA, Schneider und Valeo unterstützen Air Liquide bei Fertigung von Beatmungsgeräten

Hersteller bündeln ihre Kompetenzen und wollen auf Anfrage der französischen Regierung die Produktion von 10.000 Beatmungsgeräten bei Air Liquide Medical Systems ermöglichen.

Gebündelte Kräfte: Auch in Frankreich bringt sich die Autoindustrie ein, um die Herstellung dringend benötigter Beatmungsgeräte voranzutreiben. | Foto: AirLiquide
Gebündelte Kräfte: Auch in Frankreich bringt sich die Autoindustrie ein, um die Herstellung dringend benötigter Beatmungsgeräte voranzutreiben. | Foto: AirLiquide
Johannes Reichel

Vor dem Hintergrund des dringenden Bedarfs an zusätzlichen Beatmungsgeräten in Frankreich hat die Regierung am 22. März eine Gruppe französischer Industrieunternehmen um Unterstützung ersucht. Unter der Leitung von Air Liquide soll die Möglichkeit geprüft werden, die Produktion von Beatmungsgeräten zu erhöhen und innerhalb von 50 Tagen 10.000 Beatmungsgeräte bereitzustellen. Der genaue Termin ist auf Anfang April bis Mitte Mai angesetzt, bis Mitte April will Air Liquide auf über 100 Exemplare pro Woche hochfahren, danach 1.000 Geräte pro Woche produzieren. Dafür richteten die Anbieter Air Liquide, die Groupe PSA, Schneider Electric und Valeo eine Task Force mit rund 30 Experten für Einkauf und Industrialisierung ein. Diese sollte einen Aktionsplan zur Steigerung der Produktion von Beatmungsgeräten von Air Liquide Medical Systems definieren, wie die Anbieter mitteilten. Die Geräte werden bereits in vielen Krankenhäusern in Frankreich und im Ausland eingesetzt.

Komplexe Komponenten: Einbindung von 100 weiteren Partnern

Um dieser industriellen Herausforderung, wie es heißt, zu begegnen, will die Gruppe zudem 100 Partnerunternehmen einbinden. Diese sollen die 300 für die Herstellung der komplexen medizinischen Systeme erforderlichen Komponenten bereitstellen. Die PSA Groupe hat ihre Ingenieure dafür in Vollzeit abgestellt. Darüber hinaus will der Automobilhersteller zur Steigerung des Produktionspotenzials beitragen, indem man im Werk in Poissy eine Spezialwerkstatt mit mehr als fünfzig freiwilligen Mitarbeitern eingerichtet hat, in denen die Vorproduktion stattfindet. Dort könne der zentrale Block des Systems unter den Bedingungen des auch an den anderen Standorten implementierten "verschärften Gesundheitsprotokolls" produziert werden, wie es weiter heißt. Diese Komponenten würden dann an Air Liquide zur Montage und Endkontrolle am Industriestandort der Sparte Medical Systems in Antony geliefert.

Außerdem bietet PSA den Mitarbeitern ihres Forschungs- und Entwicklungsstandorts in Vélizy an, vorübergehend freiwillig in der wenige Kilometer entfernten Air Liquide-Fabrik in Antony zu arbeiten . Diese Mitarbeiter sollen den Teil einer Initiative bilden, die gerade aus freiwilligen Mitarbeitern als sogenannte „PSA-Reserve” entsteht.

Was bedeutet das?

Auch in Frankreich geht ein wahrer Ruck der Solidarität durch sämtliche Unternehmen - und auch die derzeit ziemlich stillgelegte Autoindustrie versucht nach Kräften, sich mit ihren abseits der "Blechbiegerei" relevanten und übertragbaren Kompetenzen einzubringen - übrigens ganz ohne Kriegsrecht, sondern (mehr oder minder) freiwillig respektive mit "sanftem" Druck aus dem Elysee-Palast ... Es ist schon erstaunlich und zeugt von großem Geist der Solidarität, in welcher Kürze der Zeit hier unbürokratisch und direkt Allianzen geschmiedet und Projekte konkret umgesetzt werden, um Menschenleben zu retten. Vor allem wird hier eben nicht einem Autohersteller verordnet, mal eben auf hoch komplexe und völlig anders geartete Beatmungsgeräte umzusatteln, was nicht nur der deutsche Hersteller Dräger als ziemlich anmaßend empfindet. Sondern einen etablierten Hersteller mit seinen Fähigkeiten, Fertigungskapazitäten und Fachleuten zu unterstützen.

Wenn man diese Krise bewältigt haben wird, was hoffentlich bald der Fall ist, dann dürfte man mit Stolz zurückblicken - und manches von dieser "lösungsorientierten" und "agilen" Arbeitsweise über diverse Sparten hinweg beibehalten. Die Corona-Krise könnte auch das sein, was Kriege in der Vergangenheit oft auch für den zivilen Sektor waren: Treiber für Innovation, die aus einer Zwangslage heraus entsteht. Die Not macht tatsächlich erfinderisch.

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