Corona-Krise: Formel E diskutiert Saisonverlängerung nach Zwangspause

Nachdem die Formel E ihre laufende Saison 2019/20 vorübergehend für zwei Monate ausgesetzt hat, wird nun über eine Verlängerung der Meisterschaft diskutiert.

Das letzte Formel-E-Rennen vor der langen Zwangspause fand am 29. Februar in Marrakesch statt. | Foto: FIA Formula E
Das letzte Formel-E-Rennen vor der langen Zwangspause fand am 29. Februar in Marrakesch statt. | Foto: FIA Formula E
Timo Pape

Die Welt steht still - und zwar auch in der Formel E. Nachdem die Elektroserie in den vergangenen Wochen bereits die Rennen in Sanya (China), Rom (Italien) und Jakarta (Indonesien) ausgesetzt hatte, gab sie am 13. März bekannt, dass die laufende Saison 2019/20 vorübergehend für zwei Monate ausgesetzt werde. Damit waren auch die E-Prix von Paris (Frankreich) und Seoul (Südkorea) vorerst vom Tisch.

Grund für die Saisonunterbrechung ist die Coronavirus-Pandemie, die die Organisation von Großveranstaltungen in Stadtzentren derzeit unmöglich macht. Die Entscheidung sei in Abstimmung mit den zuständigen lokalen Behörden getroffen worden. "Es ist jetzt an der Zeit, verantwortungsbewusst zu handeln", erklärt Formel-E-Gründer Alejandro Agag. "Deshalb haben wir beschlossen, die Saison vorübergehend auszusetzen und Maßnahmen zu ergreifen, um die Rennen in den nächsten zwei Monaten nicht fortzusetzen."

Die Formel E setzt bei ihrer Zwangspause auf ein anschauliches System: "Die Serie führt ein Flaggensystem ein, wie es traditionell im Motorsport verwendet wird, um verschiedene Phasen und Zeitfenster zu bestimmen, in denen die Rennen neu sortiert werden oder unverändert bleiben könnten. Rot steht für 'kein Rennen', Gelb bedeutet, dass die Möglichkeit besteht, und bei Grün geht es wie geplant weiter", erklärt der Veranstalter in einem Schreiben.

"Grüne Flagge" für Berlin E-Prix

Die Monate März und April seien nach dieser Logik mit roten Flaggen gekennzeichnet, während der Mai derzeit als gelbe Flagge kategorisiert ist. Die Monate Juni und Juli erhalten derzeit die grüne Flagge, sollte sich die Situation verbessern und stabilisieren. Die Rennwochenenden in Berlin (21. Juni), New York und London sollen somit nach aktuellem Stand weiterhin stattfinden.

In Zusammenarbeit mit der FIA und den lokalen Behörden der jeweiligen Veranstaltungsorte will die Formel E die Situation nun genau beobachten und Möglichkeiten zur Organisation und Verlegung von Rennen nach der vorübergehenden Suspendierung prüfen. Hinter verschlossener Tür wird aktuell über eine Verlängerung der Saison bis in den August - womöglich sogar bis in den späten September - diskutiert.

Dies könnte sich allerdings negativ auf die Vorbereitungen der Hersteller für die Folgesaison auswirken, die bereits im Spätherbst beginnen soll. "Einerseits setzt die Formel E alles daran, die aktuelle Saison erfolgreich zu beenden. Gleichzeitig will sie aber auch die Auswirkungen auf Saison 7 so gering wie möglich halten", erklärt Mahindra-Teamchef Dilbagh Gill. Grundsätzlich sollen die meisten Teams der Formel E einer potenziellen Verlängerung der Saison nichtsdestotrotz positiv gegenüberstehen.

Gesundheit & Sicherheit "noch wichtiger" als Motorsport

"Der Motorsport spielt eine wichtige Rolle in unserem Leben und er ist wichtig. Aber noch wichtiger ist die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter, der Fans und ihrer Familien sowie der Bürger in den Städten, in denen wir Rennen fahren", erklärt Agag. "Die ABB FIA Formel E-Meisterschaft wird wieder mit voller Energie starten, sobald die anhaltende Gesundheitskrise und die Verbreitung von COVID-19 abgeklungen sind."

Es ist aktuell davon auszugehen, dass die letzten drei Rennwochenenden der Saison - Berlin, New York und London - jeweils als "Double-Header" mit zwei Rennen an einem Wochenende ausgetragen werden. Realistische Chancen auf einen Nachholtermin haben Berichten zufolge im Moment nur die E-Prix in Rom und Seoul. Eine Rückkehr Jakartas in den Kalender ist hingegen unwahrscheinlicher, da sich das Rennen in den vergangenen Monaten ohnehin zu einem lokalpolitischen Streitthema hochgeschaukelt hatte.

Was bedeutet das?

Nach aktuellem Stand würde die Formel E am 21. Juni in Berlin-Tempelhof wieder Strom geben. Doch wer kann das in diesen Zeiten schon genau sagen?

Printer Friendly, PDF & Email