Corona-Krise: Fiat und Seat kürzen Produktion - VW-Absatz bricht ein

Die Autohersteller reagieren auf die Corona-Krise. Fiat in Italien reduziert die Fertigung, Seat drosselt in Matorell. Audi meldet Kurzarbeit in Brüssel an, sieht aber keinen Zusammenhang zur Pandemie. Allerdings sieht VW Hoffnung in China, das schlimmste überstanden zu haben.

Bei Fiat in Melfi startete erst im Oktober die Fertigung eines der ersten elektrifizierten Fahrzeuge, des Jeep Compass mit Plug-in-Hybrid. | Foto: FCA
Bei Fiat in Melfi startete erst im Oktober die Fertigung eines der ersten elektrifizierten Fahrzeuge, des Jeep Compass mit Plug-in-Hybrid. | Foto: FCA
Johannes Reichel

Die Corona-Krise hat jetzt auch erste Auswirkungen auf die europäische Produktion der Automobilhersteller. So kündigten FiatChrysler (FCA) und Seat an, die Produktion reduzieren zu wollen. Insbesondere bei Fiat will in Italien mehrere Werke stilllegen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Die Arbeit soll in den Werken Pomigliano, Melfi, Atessa und Cassino jeweils von Mittwoch bis Samstag an zwei Tagen ruhen. Zuerst war gemutmaßt worden, ob es bereits zu Lücken in der Teilelieferkette gekommen sein könnte. FCA wies dies gegenüber Medien zurück und führt die Desinfektion der Werke zur Virusbekämpfung an. Zudem hatte der Hersteller die Mitarbeiter weltweit aufgefordert, von zu Hause zu arbeiten.

Die spanische VW-Tochter Seat hatte für das Werk Matorell die Streichung der Zusatzschicht für vergangenen Samstag angekündigt und sieht Risiken für die Lieferkette, die sich aus dem Covid-19-Virus ergeben hätten. Auch das VW-Werk in Navarra plant im Falle einer Unterbrechung der Lieferkette, Mitarbeiter vorübergehend nach Hause zu schicken. Dort werden etwa der Polo und der Kompakt-SUV T-Cross produziert.

Ausdrücklich keinen Zusammenhang zur Corona-Krise sieht man dagegen bei Audi in Brüssel, wo man im März nur noch an drei anstelle von fünf Tagen fertigen will. Kurzarbeit sei ein "übliches Vorgehen in Belgien", wie es hieß aus dem Elektro-Werk. In Brüssel wird vor allem auch der vollelektrische e-Tron produziert, bei dem es bereits im Februar wegen Lieferengpässen bei den Akkus zu Produktionsstopps gekommen war. 

Abhängigkeit von China: 80 Prozent rückläufiger Markt

Noch schwieriger wird es für die Automobilhersteller auch wegen des Einbruchs am chinesischen Markt, der im Februar laut chinesischem Herstellerverband um 80 Prozent rückläufig war und der für Anbieter wie VW, BMW und Daimler der wichtigste Absatzmarkt ist. Der VW-Konzern hatte am Freitag einen Rückgang des weltweiten Absatzes um ein Viertel im Februar auf knapp 550.000 Fahrzeuge vermeldet, alleine in China gab es ein Minus von 74 Prozent. Markenweise verlor die Mutter VW im Februar gut 32 Prozent an weltweitem Absatz, bei Audi waren es mehr als 22 Prozent, bei Skoda 19 Prozent. Auch Porsche und VW Nutzfahrzeuge sackten im Februar um mehr als acht Prozent ab. Lediglich Seat konnte ein kleines Plus von einem Prozent realisieren.

Allerdings hofft man auf eine allmähliche Stabilisierung der Situation in China. „Die produzierende Industrie findet langsam zurück zur Normalität", erklärte am Donnerstag ein hochrangiger Vertreter von Volkswagen gegenüber dem Handelsblatt. Die 33 Werken des Herstellers in China sind bis auf zwei wieder in Betrieb, die Auslastung steige ebenfalls wieder an. Man rechne bereits im März wieder mit einer deutlichen Verbesserung.

Währenddessen steht dem europäischen Markt der größte Einbruch wohl noch bevor, die sich im aktuellen Monat März bemerkbar machen. „Die Verkaufsprognosen werden in nächster Zeit wahrscheinlich deutlich revidiert werden müssen“, meinte David Leggett, Automobilspezialist beim Marktforschungsunternehmen Global Data gegenüber dem Handelsblatt. Er sieht Europa und Nordamerika davon besonders betroffen.

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