Corona-Krise: Capgemini-Studie sieht Chancen und Risiken für Autobranche

Der Automotive-Bereich von Capgemini Invent befragte mehr als 11.000 Verbraucher in elf Ländern und stellt Chancen und Herausforderungen zusammen, die durch die Corona-Krise auf die Automobilbranche zukommen können.

Durch die Corona-Krise könnte das eigene Auto wieder wichtiger werden. Dabei bleibt der Autokauf emotional - könnte aber immer öfter rein digital abgewickelt werden. | Foto: Kiatai Jogia/Unsplash
Durch die Corona-Krise könnte das eigene Auto wieder wichtiger werden. Dabei bleibt der Autokauf emotional - könnte aber immer öfter rein digital abgewickelt werden. | Foto: Kiatai Jogia/Unsplash
Gregor Soller

Das Beratungs- und IT-Dienstleistungsunternehmen Capgemini sieht große Herausforderungen auf die Automobilbranche zukommen, denn: Durch die Corona-Pandemie wollen laut der Capgemini-Studie künftig 44 Prozent der Menschen weltweit ihr Auto künftig häufiger und im Gegenzug öffentliche Verkehrsmittel oder Shared Mobility-Services seltener nutzen. Der Hauptgrund dafür ist Hygiene, denn: Für rund 75 Prozent der Befragten weltweit ist eine bessere Kontrolle über die Hygiene einer der wesentlichen Gründe für den Kauf eines Autos. Deutschland liegt hier mit 64 Prozent etwas unter dem Schnitt.

Auch für jüngere wird Autokauf wieder attraktiver

Der Kauf eines eigenen Autos wird nach der Studie auch für jüngere Verbraucher unter 35 wieder attraktiver. Diese Zielgruppe bevorzugte zuletzt viel stärker Sharing-Modelle oder öffentliche Verkehrsmittel. Nach der Capgemini-Studie erwägen jetzt aber 44 Prozent wieder den Besitz eines eigenen Fahrzeuges. Wichtig sind dabei aber einfache Finanzierungs- und flexible Zahlungsmodelle.

Sebastian Tschödrich, Vice President im Bereich Automotive bei Capgemini Invent, erklärt dazu:

„Gesundheits- und Sicherheitsbedenken werden das Verbraucherverhalten in der Automobilindustrie auch nach dem Abklingen der Pandemie grundlegend verändern. Einerseits wird der Wunsch der Verbraucher, weniger öffentliche Verkehrsmittel und Shared Mobility-Dienste zu nutzen, zu einer größeren Bedeutung der individuellen Mobilität führen – und damit den Besitz eines eigenen Fahrzeugs attraktiver machen. Auf der anderen Seite könnten die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise und die zunehmende Akzeptanz von Home Office-Modellen die Nachfrage jedoch dämpfen.“

So könnte die Branche 2020 eventuell noch mit einem blauen Auge davonkommen, denn: 35 Prozent der gefragten Verbraucher beabsichtigt einen Autokauf noch in diesem Jahr (auch hier gibt sich das Autoland Deutschland mit rund 33 Prozent etwas dezenter). Allerdings sind 16 Prozent noch unentschlossen. Die könnte man aber mit umfangreichen Serviceangeboten locken: So ergab eine ergänzende Umfrage unter deutschen Verbrauchern, dass rund 89 Prozent der Kunden, die aktuell noch zögern, sich durch attraktive Angebote oder eine überzeugende „Customer Experience“ zu einem Kauf überreden lassen könnten.

Womit wir beim Thema „online“ wären, dessen Bedeutung weiter steigt: Denn mittlerweile wollen viele potenzielle Kunden den kompletten Kauf inklusive Beratung über Online-Kanäle abwickeln. Für die Beschaffung von Informationen wählen mittlerweile 52 Prozent der globalen Kaufinteressenten Online-Kanäle – vor der Corona-Krise waren es laut Capgemini noch 44 Prozent. 46 Prozent der weltweit Befragten wollen außerdem den Besuch von Händlern auf ein Minimum reduzieren – auch hier liegt Deutschland mit 41 Prozent wieder dezent unter dem Schnitt.

In Deutschland sieht Capgemini mittlerweile ein Potenzial von 25 Prozent aller befragten Verbraucher, die Fahrzeuge komplett online erwerben würden. Interessant: Bereits 2013 veröffentlichte Capgemini eine Studie, die besagte, dass sich 30 Prozent der Befragten theoretisch einen Autokauf im Netz vorstellen könnten.

Was bedeutet das?

Laut der jüngsten Capgemini-Studie gewinnt das eigene Auto aufgrund besser kontrollierbarer Hygiene wieder an Akzeptanz. Verlierer wären ganz klar die Sharing Dienste und öffentlichen Verkehrsmittel. Ein Problem ist aber die ohnehin verminderte Reisetätigkeit, die viele Fahrten ohnehin erübrigen könnte. Und wenn es ein Auto sein soll, dann informiert man sich gern digital. Wobei so große Summen, um die es hier für viele Haushalte und Flotten geht, nach wie vor ungern ganz ohne Handel und ein Gegenüber abgewickelt werden wollen. Hier hat sich die letzten Jahre dann doch wenig bewegt.  

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