Corona-Krise: Byton legt "Pause" ein

Seit dem 1.7.2020 strukturiert sich das Unternehmen um – wie es weitergeht, ist allerdings offen, denn wichtige Investitionen für den geplanten Hochlauf der Serie fehlen.

Noch auf der CES gab Byton seine nächsten konkreten Schritte für den Markteintritt in Europa bekannt. Jetzt steht das ganze Unternehmen. | Foto: Byton
Noch auf der CES gab Byton seine nächsten konkreten Schritte für den Markteintritt in Europa bekannt. Jetzt steht das ganze Unternehmen. | Foto: Byton
Gregor Soller

Die Corona-Krise hat Byton mit voller Wucht getroffen: Zuerst in China, dann in den USA und vor allem bei der Finanzierung. Die brach dem Start-up nämlich weg, trotzdem stand uns Pressesprecher Oliver Strohbach am 1.7. Rede und Antwort zum „Lock-down“ des Start-ups. Interessantereise ist der kleine Standort Ismaning mit seinen 65 Beschäftigten, der vor allem das Design verantwortet, dank Kurzarbeit am wenigsten betroffen. Viel stärker traf es die Strukturen in Cihina und den USA: Am US-Sitz im kalifornischen Santa Clara soll der Betrieb ab 1. Juli für sechs Monate ganz eingestellt werden, während man die Mannschaft in China laut Strohbach weiter reduziert.

Entsprechned hat sind auch die Aussagen aus den USA: Dort hat Sprecher Dave Buchko am Montagnachmittag gegenüber dem US-Fachportal „The DetroitBureau“ angegeben, dass der Der Verwaltungsrat und das Top-Management einen Weg suchen, um das Unternehmen voranzubringen. Das bestätigt Strohbach: Aktuell brauche man einen Neustart, da viele Investoren ihre bereits gemachten Zusagen zurückgezogen hätten und weitere Investoren, die zur Finanzierung der C-Runde (der finalen zum Produktionsstart) gewonnen hätten erden sollen, ihren Einstieg abgesagt, auf Eis gelegt oder verschoben hätten.

Eines der vielversprechendsten Projekte schwächelt

Was umso ärgerlicher ist, als Byton galt als eines der vielversprechendsten Startup der Elektroauto-Branche gilt, das als solide finanziert und solide geführt gilt. Noch im Juni habe der chinesische Staat das Audit in der Fabrik abgenommen, mit dem sich Byton als Autohersteller qualifiziert. Ein Sicherheitsnetz das der chinesische Staat einzog, nachdem wild finanzierte Start-ups aus dem Boden schossen wie Pilze – mit teils geringen Überlebenschancen. Ebenfalls der Absicherung der Qualität diente die Zertifizierung des Autos, um das Modell überhaupt in den Verkehr bringen können, auch die schloss Byton erst jüngst ab.

Ebenso wie die dritte Finanzierungsrunde, bei der der der japanische Mischkonzern Marubeni eingestiegen ist. Neben dem Investment wurde außerdem eine strategische Partnerschaft vereinbart. Auf der CES gab Byton-CEO Daniel Kirchert auch bekannt, mittlerweile rund 60.000 Vorbestellungen für den M-Byte zu haben, davon rund 25.000 in Europa, weshalb dieser Markt zuletzt hochgestuft wurde, oder wie Pressesprecher Strohbach formuliert:

„Wer es in Europa schafft, schafft es überall.“

Der M-Byte hätte nach im Herbst in China auf den Markt kommen sollen, 2021 dann in Nordamerika und Europa, ab dem jetzt beginnenden zweiten Halbjahr hätten verbindliche Vorbestellungen möglich sein sollen. Bereits im Oktober 2019 begann etwa die Vorserienproduktion in Nanjing. Das Problem: Der Schritt in die Serie braucht nochmal extrem viel Kapital: denn dann dürfen keine Fehler mehr passieren und es muss Material bestellt und vorgehalten werden, Lieferanten und Zulieferer schicken Rechnungen. Ursprünglich wollte Byton ab September die bisher unverbindlichen Reservierungen gegen eine „geringe Anzahlung“ in feste Bestellungen umzuwandeln. Zudem hatte Byton bereits begonnen, das europäische Händlernetz in Norwegen, Schweiz, Schweden und den Niederlanden aufzubauen. Weitere Handelspartner in weiteren Märkten wollte man in den kommenden Wochen bekanntgeben und auch das ließ sich laut Strohbach gut an:

„Unsere (Handelspartner waren bereit, insgesamt eine Milliarde Euro zu investieren.“

Letzter Versuch: Umstrukturierung

Stattdessen muss man nun versuchen, Byton umzustrukturieren und neue Investoren zu finden, denn ohne frisches Geld kann der nächste Schritt nicht gegangen werden. Da kam die Corona-Krise genau zum falschen Zeitpunkt: Es besteht auch die Option, dass ein anderes großes Unternehmen sich bei Byton einkauft und die Produktion doch noch wie geplant startet, denn Prototypen, Abnahmen und die Fabrik stehen. Entsprechend dezent läuft der Betrieb weiter: Wir haben die Design-Dependance in Ismaning besucht, und dort nach wie vor Personal angetroffen: Man habe den Standort monetär gut im Griff und versuche aktuell mit Kurzarbeit und unvermeidlichen Freistellungen weiterzuarbeiten, erklärte uns ein Mitarbeiter vor Ort. Auch die Softwareentwicklung sei spannend und hätte noch viel Zukunftspotenzial. Aber zu konkreten Zahlen und Zukunftsplänen wollte man sich auch dort nicht äußern.

Was bedeutet das?

Ärgerlich für Byton: Denn wenn man den bisherigen soliden Geschäftsverlauf, das Konzept, die Qualität und Zukunftsfähigkeit von Byton betrachtet, hätte jetzt der chinesische Staat die letzte Finanzierungsrunde mit anschieben müssen – denn unter all den Auto- und Elektro-Start-ups gehörte Byton definitiv zu den Durchdachten und Guten und hätte einen Marktstart verdient gehabt!

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