Corona-Krise: Auch in München Pop-up-Bike-Lanes geplant

Der neue grün-rote Stadtrat hat mit der Verwaltung Vorschläge für schnell umsetzbare Radspuren erarbeitet, die allerdings den Autoverkehr einschränken, dafür gesundheitssicheres Radfahren ermöglichen sollen.

Mehr Platz für's Rad: Auch in München sollen Pop-up-Bike-Lanes entstehen, wie der ADFC jüngst bei einer Aktion in der Zweibrückenstraße forderte und demonstrierte. | Foto: ADFC
Mehr Platz für's Rad: Auch in München sollen Pop-up-Bike-Lanes entstehen, wie der ADFC jüngst bei einer Aktion in der Zweibrückenstraße forderte und demonstrierte. | Foto: ADFC
Johannes Reichel

Nach Berlin erwägt auch die bayerische Landeshauptstadt München die Einrichtung sogenannter Pop-up-Bike-Lanes, um in Zeiten der Pandemie und gestiegenen Radverkehrsanteils ausreichend Abstand für die Radfahrer zu ermöglichen. Darüber will der jüngst gestartete grün-rote Stadtrat in seiner Sitzung am nächsten Mittwoch beraten. Die Auswahl der Strecken steht noch nicht final fest, allerdings dürften zu den Anwärtern sowohl der enge Innenstadtzulauf der Zweibrückenstraße wie auch die Hauptbahnhof-Traverse Elisenstraße zählen. Zuletzt hatte trotz Homeoffice und geschlossener Geschäfte der Anteil des Radverkehrs stark zugelegt, im April wurden 20 Prozent mehr Radfahrer gezählt in der Isar-Metropole.

Der Berlin sei die Situation zur Errichtung temporärer Bike-Spuren einfacher, erklärte der Münchener Radverkehrsbeauftragte Florian Paul, da die in Frage kommenden Straßen breiter seien. Er sehe aber auch in München großen Handlungsdruck, meinte der Radexperte gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Auch Stadtrat Paul Bickelbacher (Grüne) mahnte, man müsse jetzt handeln, weil man die Radfahrer, die sich Pandemie-bedingt entschlossen hätten, nicht gleich wieder verlieren wolle. Andererseits meinte SPD-Stadtrat Andreas Schuster, die Maßnahme solle schnell helfen, aber die Menschen nicht verschrecken. "In diesem Dilemma stecken wir", so Schuster.

Die temporären Spuren bräuchten allerdings Platz, so Radbeauftragter Paul weiter. Diesen will man jetzt schaffen, ohne etwa Taxi-Stände, Bushaltestellen oder Parkplätze am Rand zu stark zu beeinträchtigen. Daher wird man an der Isar wohl keine Lösungen mit Absperrbarken, sondern reine Markierungslösungen favorisieren. "Wir machen das nicht, wenn gleich 120 Stellplätze wegfallen", schränkte Schuster weiter ein. 

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