Corona: BDI und Wirtschaftsweise sehen Auto-Prämien skeptisch

Während Frankreich eine üppige Prämie für Autokäufer auflegt, wächst in Deutschland die Skepsis: Wirtschaftsweise und der BDI-Präsident sehen reine Kaufboni kritisch.

Vorzieheffekt: Der BDI sowie die Wirtschaftsweisen sehen bloße Autoprämien zur Ankurbelung der Konjunktur skeptisch. | Foto: Volkswagen
Vorzieheffekt: Der BDI sowie die Wirtschaftsweisen sehen bloße Autoprämien zur Ankurbelung der Konjunktur skeptisch. | Foto: Volkswagen
Johannes Reichel

Nach den Wirtschaftsweisen hat sich auch der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) skeptisch gegenüber weiteren Kaufprämien gezeigt. Man müsse darüber nachdenken, ob eine Kaufprämie das richtige Mittel sei, zumal, wenn sie nicht zwischen einer Förderung von Elektroautos und konventionellen Antrieben unterscheide, erklärte der BDI-Chef im Müchener Club Wirtschaftspresse. Es bedürfe allerdings einer "unterstützenden Hilfe" für die Autoindustrie. Deren Niedergang könne man sich nicht leisten, weil vom Erfolg auch andere Branchen wie der Maschinenbau, die Elektro- oder Textilindustrie abhängig sei.

Wirtschaftsweise: Lieber Strukurwandel unterstützen

Schon in der vergangenen Woche hatten sich die Wirtschaftsweisen gegen eine Kaufprämie für Automobile ausgesprochen und für Maßnahmen votiert, die den Strukturwandel unterstützten. Es gelte, nicht alleine die Nachfrage zu stärken.

"Insbesondere sollte sich die Politik nicht unter dem Einfluss einzelner Branchen zu einer Vielzahl an branchenspezifischen Maßnahmen, wie etwa einer Kaufprämie für Fahrzeuge, verleiten lassen", warnten die Wirtschaftswissenschaftler in einem Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung.

Diese seien tendenziell dazu angetan, bestehende Strukturen zu verfestigen, ohne dabei aber durchschlagende konjunkturelle Wirkung zu erzielen.

Niedrigere Strompreise helfen bei Defossilisierung auch im Verkehr

Als zentral sehen die Wissenschaftler dagegen eng mit einer Lockerungsstrategie verquickte konjunkturelle Maßnahmen an, die helfen würden, die Konsumzurückhaltung der Haushalte zu reduzieren. Neben dem steuerpolitischen Instrument eines Verlustvor- und Rücktrags schlägt man digitale Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie eine Reform der Energiepreise vor. Letztere sollten auf den europäischen Mindestsatz bei den Steuern gesenkt werden und ökologisch fragwürdige Verzerrungen beseitigen. Ebenso hält man eine Absenkung der EEG-Umlage über die im Klimapaket beschlossene Höhe für bedenkenswert.

"Ein niedrigerer Strompreis unterstützt die Transformation hin zu einem klimafreundlicheren Energiesystem, indem er die Anreizezur Sektorkopplung und somit zum Einsatz von zunehmend regenerativ erzeugtem Strom zur Defossilisierung der Sektoren Wärme und Verkehr sowie der Industrie erhöht", plädieren die Wissenschaftler.

Auch Investitionen in die Netzinfrastruktur, den öffentlichen Nahverkehr oder in die Ladeinfrastruktur für Elektroautos sehen die Wirtschaftsweisen als zielführend an.

Printer Friendly, PDF & Email