COP26: England sucht den Superstecker

Typisch Boris Johnson: Der politisierende Showmaster nutzt die Bühne in Glasgow zur Präsentation (very) britischer E-Mobilitätsprodukte. So will man DEN ikonischen Ladestecker erfunden haben, kultig wie Black Cab oder Briefkasten. Ganz im Ernst schmiedet man aber auch Allianzen für saubere Luft- und Schifffahrt.

Der Stecker stirbt nie: Im Auftrag ihrer Majestät enthüllte Großbritanniens Transport Secretary Grant Shapps einen donut-förmigen Ladestecker, der preiswert und unverwüstlich sein soll. | Foto: GOV.UK
Der Stecker stirbt nie: Im Auftrag ihrer Majestät enthüllte Großbritanniens Transport Secretary Grant Shapps einen donut-förmigen Ladestecker, der preiswert und unverwüstlich sein soll. | Foto: GOV.UK
Johannes Reichel

Der britische Premierminister Boris Johnson nutzt die Bühne der Weltklimakonferenz in Glasgow nicht nur für das Schmieden zahlreicher Teilallianzen und Deklarationen, sondern auch für Werbung in eigener Sache - im doppelten Sinne. So findet sich in dem offiziellen, kronenbesiegelten Gov.UK-Papier, das die Ausstiegspläne des Inselreichs aus dem Verbrenner und Umstieg auf Zero Emission E-Mobilität bis 2030 oder früher, bei Lkw von 2035 (unter 26 to) bis 2040 (über 26 to), dokumentiert, auch die Präsentation einer neuen, mattschwarz lackierten Ladesäule. Die soll nicht weniger werden als eine neue Designikone.

Der Anspruch ist, an die Briefkästen, den Doppeldecker-Bus oder das Black Cab anzuknüpfen. Enthüllt wurde das gute Stück im UK Pavillon in Glasgow, zusammen mit dem Royal College of Art und PA Consulting. Es soll ein inklusives Design mit simpler Bedienung kombinieren und sei zusammen mit Verbrauchern, lokalen Regierungen, Behindertenverbänden und der Industrie gestaltet worden. Nicht zuletzt soll das an einen leuchtenden Donut erinnernde Utensil Aufmerksamkeit für die E-Mobilität wecken, zudem den "bequemsten, erschwinglichsten und rentabelsten Ladestecker der Welt" darstellen.

E-Van zum Selberbauen: Elektrischer OX

Apropos erschwinglich: Auch der kastige Selbstbau-Lieferwagen namens OX darf da natürlich nicht fehlen: Der soll vor allem auch in Schwellenländern für emissionsfreie Mobilität sorgen. Sechs der E-Vans passen zerlegt in einen Überseecontainer, versichert man. Die ersten Stromtransporter kommen in Ruanda zum Einsatz. Sie sollen mit einer Ladung Solarstrom bis zu 100 Kilometer weit reichen.

"Das baut auf unserem Ziel auf, sicherzustellen, dass jeder vom Übergang zur Nullemissions-Mobilität profitiert. Zero Emission Fahrzeuge sind schon heute preiswerter zu betreiben in UK als Benziner oder Diesel und werden in den nächsten Jahren auch in der Anschaffung noch günstiger", bekräftigte die britische Regierung.

Deshalb sei es die COP, die den Startschuss für unsere Ambitionen für einen emissionsfreien Luftverkehr geben werde. Um die Umstellung auf E-Fahrzeuge zu unterstützen, müsse man über die entsprechende Infrastruktur verfügen. Seine Vision sei es, dass Großbritannien eines der besten E-Fahrzeug-Infrastrukturnetze der Welt hat, dessen Herzstück hervorragendes britisches Design ist, warb Shapps weiter unverblümt.

"Von unseren Straßen bis zum Himmel hat der Übergang zum emissionsfreien Verkehr einen Wendepunkt erreicht. Wir wissen, dass der Verkehr eine Schlüsselrolle spielt, wenn es darum geht, den Planeten vor einer Erwärmung von mehr als 1,5°C zu bewahren", erklärte Transport Secretary Grant Shapps erklärte nicht ohne Pathos.

Aviation Ambition: Johnson will auch Flugsektor läutern

Zu den eigens geschmiedeten Allianzen zählen neben dem Straßen- auch der Luft- und Schiffsverkehr.So hätten dreiundzwanzig Staaten, auf die über 40 Prozent der weltweiten Luftverkehrsemissionen entfallen, sich verpflichtet, im Rahmen der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) zusammenzuarbeiten, um ein ehrgeiziges neues Dekarbonisierungsziel für den Luftverkehr zu erreichen, das Teil der sogenannten neuen International Aviation Climate Ambition Coalition ist. Zusammen mit dem Weltwirtschaftsforum und anderen Regierungen werde das Vereinigte Königreich auch führend in den Bemühungen, die weltweite Einführung nachhaltiger Flugkraftstoffe zu beschleunigen.

Kühner Traum: Die Schifffahrt soll endlich sauber werden

Außerdem schmiedete Johnson und seine REgierung eine Allianz für "grüne Schifffahrtskorridore" aus zweiundzwanzig Regierungen, die zumindest mal die Absicht erklärten, die Einrichtung emissionsfreier Schifffahrtsrouten zwischen zwei Häfen zu unterstützen. Dazu gehör eder Einsatz emissionsfreier Schiffstechnologien und die Einrichtung alternativer Treibstoff- und Ladeinfrastrukturen in den Häfen, um einen emissionsfreien Schiffsverkehr auf den wichtigsten Routen weltweit zu ermöglichen.

"Das wiederum könnte bedeuten, dass die Fahrt mit einer emissionsfreien Fähre zu einem Teil unseres Urlaubs werden könnte, oder dass Güter des täglichen Bedarfs, einschließlich Lebensmittel und Kleidung, bald auf emissionsfreien Schiffen ankommen könnten", schwärmt die britische Regierung weiter.

Zudem hätten sich 28 Akteure der Offshore-Windindustrie verpflichtet, gemeinsam darauf hinzuarbeiten, dass emissionsfreie Betriebs- und Wartungsschiffe in der Nordsee bis 2025 Realität werden.

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