Continental: Head-up-Display in der Straßenbahn

Der Technologiekonzern transferiert das Head-up-Display aus dem Automobilbereich in den öffentlichen Nahverkehr und möchte so für mehr Sicherheit sorgen.

Sensoren, die man im Automobilbereich bereits verbaut, können auch die öffentlichen Verkehrsmittel sicherer machen.| Foto: Continental
Sensoren, die man im Automobilbereich bereits verbaut, können auch die öffentlichen Verkehrsmittel sicherer machen.| Foto: Continental
Thomas Kanzler

Continental hat ein Head-up-Display (HUD) für Straßenbahnen entwickelt. Die Display-Lösung des eigenen Entwicklungs- und Produktionsdienstleisters Continental Engineering Services (CES) soll den innerstädtischen Straßenverkehr künftig sicherer machen – da Straßenbahnfahrerinnen und -fahrer ihren Blick und damit ihre Aufmerksamkeit ganz auf das Geschehen auf der Fahrbahn richten können. Dadurch lässt sich zum Beispiel auch die Anzahl von Notbremsungen senken. Straßenbahnen sind vor allem im dichten, oft unübersichtlichen innerstädtischen Verkehr unterwegs. Ein Umfeld, in dem die Zahl der ungeschützten Verkehrsteilnehmer zunimmt: Mehr Menschen fahren Rad, mit E-Scootern oder kompakten Elektro-Rollern. Zudem lassen sich viele Verkehrsteilnehmer durch den Umgang mit dem Handy ablenken. Das führt nach Aussagen von Verkehrsbetrieben zu einer steigenden Zahl von Unfällen auch mit Straßenbahnbeteiligung.

Auftrag eines bisher nicht genannten Herstellers für Schienenfahrzeuge

Das Display wird ab Mitte dieses Jahres zunächst in Europa zum Einsatz kommen. Damit leistet CES wichtige Pionierarbeit: Bisher sind echte Head-up-Displays im Schienenverkehr nicht existent. Wesentliche Komponenten des Displays, unter anderem die leistungsstarke Lichtquelle, stammen aus dem Automobil-Portfolio von Continental und sind in diversen Fahrzeugmodellen großer Automobilhersteller verbaut.

„Mit der Entwicklung eines Head-up-Displays für Straßenbahnen leisten wir einen großen Schritt für mehr Sicherheit im urbanen Schienenverkehr“, erklärt Dr. Christoph Falk-Gierlinger, Geschäftsführer von CES. „Informationen, die bisher auf verschiedenen Cockpitinstrumenten angezeigt werden, können nun über ein zentrales Head-up-Display im Blickfeld der Fahrerin oder des Fahrers positioniert werden. Der Blick wird nicht vom Verkehrsgeschehen abgelenkt. Die Fahrt wird sicherer, für Zugführer wie Passagiere.“

Head-up-Display hilft Kollisionen im Straßenverkehr zu verhindern

Die Vorteile für den Einsatz von Head-up-Displays in Schienenfahrzeugen sind immens. Denn der Trend geht auch dort, ähnlich wie im Automobilbereich, zu immer größeren Windschutzscheiben und in der Folge zu tiefer verbauten Armaturenbrettern. Erforderliche Kopfbewegungen aber lenken vom Verkehrsgeschehen ab. Dazu fokussieren die Augen ständig hin und her zwischen Nah- und Fernsicht, wenn der Blick zwischen Cockpit und Straße wechselt. Das ist für den Fahrer sehr ermüdend. Die Projektion von wesentlichen Informationen – zum Beispiel Warnsignale, Geschwindigkeit, Distanz zur nächsten Haltestelle – im direkten Blickfeld des Fahrers macht die Fahrt komfortabler und damit sicherer. Vor allem auch, weil die Informationen virtuell so dargestellt werden, als wären sie in einiger Entfernung vor dem Fahrzeug.

Erstausstattung und Nachrüstung möglich

Das Head-up-Display projiziert Informationen auf einer externen durchsichtigen Scheibe im Sichtfeld des Fahrers. Dies erlaubt einen wirtschaftlichen Einsatz der Technologie unabhängig vom jeweiligen Hersteller-Modell – in neu entwickelten Fahrzeugen ebenso wie als Retrofitlösung für bestehende Modelle. Fahrer haben Straße und Cockpit-Anzeigen dabei nicht nur gleichzeitig im Blick, die Informationen erscheinen auch in der gefühlt gleichen Entfernung. Dank extrem leistungsstarker LEDs ist das Head-up-Display selbst bei starkem Sonnenschein gut zu lesen.

Mehr Automobiltechnik im Bahnverkehr

Zum Technikportfolio von CES für Schienenfahrzeuge gehören neben dem Head-up-Display weitere Systemtechnik-Lösungen: zum Beispiel eine Fahrerzustandsüberwachung, die mittels Kamera den Fahrer im Blick behält, oder ein in Fahrtrichtung oder zur Seite ausgerichtetes Kollisionswarnsystem. Alle Technologien sind bereits erfolgreich im Pkw- oder Nutzfahrzeug-Sektor auf der Straße. Für ihren Einsatz in Straßenbahnen haben sich die Ingenieure von CES intensiv mit dem Betrieb und der Steuerung von Zügen, mit den technischen Herausforderungen und mit dem Design von Straßenbahn-Cockpits auseinandergesetzt. In enger Zusammenarbeit mit einem großen Hersteller von Schienenfahrzeugen konnte so in einem ersten Schritt eine für den Bahnverkehr maßgeschneiderte Head-up-Display-Lösung nach automobilen Qualitätsstandards entwickelt werden. Künftig sind weitere Anwendungsfelder denkbar – die Technologie kann auch in Fernverkehrszügen zum Einsatz kommen.

Was bedeutet das?

Bewährte Technik auf den Schienenverkehr zu übertragen ist überfällig. Es bleibt zu hoffen, dass die finanziell klammen öffentlichen Kassen die Mehrkosten für die Sicherheit auch bezahlen können.

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