Conti: Abbiegeassistent zur Nachrüstung für Lkw auf Radarbasis

Die Nachrüstlösung auf Radarbasis soll präziser arbeiten als Kamera- oder Ultraschallsysteme und leicht zu montieren sein. Varianten für Vans und mit künstlicher Intelligenz in Entwicklung.

Gründlich detektiert: Conti reklamiert für die Radar-basierte Lösung eine höhere Zuverlässigkeit in der Erkennung gegenüber Ultraschall- oder Kamera-Systemen. | Foto: Conti
Gründlich detektiert: Conti reklamiert für die Radar-basierte Lösung eine höhere Zuverlässigkeit in der Erkennung gegenüber Ultraschall- oder Kamera-Systemen. | Foto: Conti
Redaktion (allg.)
von Johannes Reichel

Das Technologieunternehmen Continental hat einen radarbasierten Abbiegeassistenten vorgestellt, mit dem Flottenbetreiber schwere Nutzfahrzeuge nachrüsten können. Der sogenannte RightViu verfügt über die Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) und erfülle damit eine wichtige Bedingung für die finanzielle Förderung mit öffentlichen Mitteln. Das System ist ab dem Sommer 2020 verfügbar und über den Fachhandel bestellbar. Als nach eigenen Angaben bislang einziger Anbieter setzen die Hannoveraner dabei auf eine ausschließlich radarbasierte Lösung, die auch eine Erkennung und Klassifizierung von Radfahrern und Fußgängern vornimmt.

„Die Sicherheit von schwächeren Verkehrsteilnehmern zu erhöhen ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Unfälle beim Rechtsabbiegen von Lkw sind dabei besonders im Fokus, weil sie oft schwerwiegend sind", erklärt Gilles Mabire, Leiter des Geschäftsbereichs Commercial Vehicles & Services.

Lösung auch für Transporter in Entwicklung

Anders als bei kamera- oder ultraschallbasierten Systemen erkenne die Sensorik, ob es sich tatsächlich um einen Radfahrer oder Fußgänger handelt, ergänzt Georg Kliewer, Leiter des Bereichs Spezialfahrzeuge Aftermarket bei Continental. Das Paket zeichne sich darüber hinaus dadurch aus, dass es leicht zu verbauen ist. Es benötigt kein Display in der Kabine, befestigt wird der Radar am Rückspiegel, was Bohrungen in die Fahrzeugkarosserie erübrigt. Das System nutzt den im Fahrzeug vorhandenen CAN-Bus, wodurch auch aufwändige Arbeiten wie das nachträgliche Ziehen von Kabeln in der Kabine entfallen.
 

Als Einzige Voraussetzung, damit der Erfassungsbereich des Radars zur Aufgabe passt, muss dieser in mindestens zwei Metern Höhe angebracht werden. Das sei bei nahezu allen Bussen und schweren Lkw der Fall. Zudem arbeiten die die Entwickler an einer Lösung für leichte Nutzfahrzeuge, die ebenfalls auf Radartechnologie basieren wird.

Radar soll sichere Detektion ermöglichen

Nach dem Dafürhalten der Conti-Entwickler sorgt der Radar für eine besonders sichere Detektion der Verkehrsteilnehmer neben dem Fahrzeug. Der überwachte Bereich beträgt seitlich vom Fahrzeug vier Meter und bis 14 Meter hinter der Fahrzeugfront. Damit gehe das System sogar über den vom BMVI geforderten Bereich hinaus. Eine VRU-Software (VRU = Vulnerable Road User, schwächere Verkehrsteilnehmer) wertet die Informationen der Radarsensoren aus. Befindet sich etwa ein Fahrradfahrer im Abdeckungsbereich, werde der Fahrer akustisch und optisch gewarnt – auch eine Kombination der Warnsignale sei möglich. Die Technologie greift Automotive-Großserientechnik und die Expertise aus dem Bereich der Fahrerassistenzsysteme auf. Darüber hinaus sei man in der Entwicklungsphase für eine technisch komplexere Erstausrüstungs-Lösung mit künstlicher Intelligenz.

Minimale Ablenkung: Der Fahrer wird entlastet

Die Warnstrategie folgt dem Grundsatz von Continental, den Fahrer von der Informationsflut in der Kabine zu entlasten und ihm stets die richtige Information zur richtigen Zeit bereitzustellen. „Wir haben uns bewusst gegen den zusätzlichen Einsatz von Displays entschieden.

Printer Friendly, PDF & Email