CO2-Emissionen: VW „poolt“ mit SAIC und Ford - FCA mit Tesla

Mit dem sogenannten „CO2-Pooling“ können Hersteller, die den von der EU vorgegebenen CO2-Flottenwert nicht erreichen, sich bei Herstellern, die diesen unterbieten „freikaufen“, indem sie mit diesen einen „Pool“ bilden. So lassen sich Strafzahlungen vermeiden. Auch der VW-Konzern dürfte seine Ziele nicht schaffen und „poolt“ deshalb unter anderem mit SAIC und Ford.

MG verkauft in vielen EU-Märkten nur den ZS EV - das hilft bei den CO2-Zielen. | Foto: MG Motors
MG verkauft in vielen EU-Märkten nur den ZS EV - das hilft bei den CO2-Zielen. | Foto: MG Motors
Gregor Soller

Schon 2019 hat FCA mit Tesla einen Pool gebildet: Da FCA vor allem in den USA keine Chance hat, die CO2-Ziele zu erreichen, sicherte man sich CO2-Kredite von Tesla, um die Differenz auszugleichen. Durch dieses „Pooling“ liegen dann alle an diesem „Pool“ beteiligten Hersteller unter den gesetzlichen CO2-Vorgaben. Doch das kostet die CO2-Sünder Geld, aber immer noch weniger, als man für Strafzahlungen berappen müsste: So hat FCA das Pooling ,mit Tesla 1,8 Milliarden Euro gekostet – Geld, dass half, Elon Musks Bilanzen schon zum Jahresende 2019 ins schwarze zu drehen. Sämtliche europäischen CO2-Pools müssen bis Ende 2020 deklariert worden sein. Könnte also sein, dass sich hier bis Jahresende noch weitere „Pools“ bilden werden.

Auch der Volkswagen Konzern geht jetzt solch einen CO2-Pool ein und tut das offenbar mit den SAIC-Marken MG Motor und SAIC Motors Europe ein. Das gilt auch für leichte Nutzfahrzeuge, darüber hinaus soll es einen zweiten Pool mit Ford geben. Das könnte darauf hindeuten, dass der VW-Konzern die Schwelle von 95 Gramm CO2 pro Kilometer im durchschnittlichen Flottenverbrauch 2020 im Alleingang nicht ganz unterschreiten kann. Noch nicht verlautbart wurde, ob und wieviel Geld die Wolfsburger ihren Partnern bezahlen müssen, zumal MG Motor in Europa nur auf dem Ex-Heimatmarkt UK nennenswerte Stückzahlen verkauft und in Europa viele Märkte noch gar nicht bedient.  

Wie aus einem neuen Dokument der EU-Kommission hervorgeht, wurde auch hier ein entsprechender CO2-Pool gebildet. Mit im Dokument erwähnt ist auch die Geely-Tochter LEVC, welche die London-Taxis und künftig auch den Van VN 5 baut

Der zweite VW-Pool umfasst die Ford-Werke GmbH als „Pool Manager“. Dazu kommen neben der Volkswagen AG die Ford Motor Company, die Ford Motor Company Australia und die CNG Technik GmbH, eine Ford-Tochter.

Dazu passt auch das Gerücht vom geplanten Verkauf Bugattis an den kroatischen Elektrofahrzeug-Hersteller Rimac. Um aus VW-Sicht die Kontrolle zu behalten, wolle Porsche seinen Rimac-Anteil von 15,5 Prozent auf 49 Prozent aufstocken. Rimac hat eine elektrische Hypersportwagen-Plattform, auf der man vergleichsweise schnell und günstig einen rein elektrischen neuen Bugatti aufbauen könnte. Mit dem Verkauf Bugattis würde VW schnell viel CO2 „abstoßen“ können.

Mittlerweile wurde ein dritter Pool bei den leichten Nutzfahrzeugen angemeldet. Aktuell besteht er aber nur aus Renault – die Franzosen haben ihre Bereitschaft signalisiert, andere Unternehmen in den Pool aufzunehmen. Die Frist hierfür ist bei Renault der 18. November 2020. Ein Interessent könnte eventuell Bündnispartner Daimler sein, falls man dort seine CO2-Ziele für 2020 nicht erreicht.

Was bedeutet das?

Im Prinzip ist die Poolbildung Augenwischerei: Auf die Art können Unternehmen, welche die lang angekündigten CO2-Ziele nicht schaffen, sich quasi „freikaufen“, indem sie mit anderen Konzernen, welche die CO2-Grenzen locker unterlaufen, einen „Pool“ bilden. Das bevorzugt natürlich Hersteller, die schwerpunktmäßig rein elektrische Autos produzieren wie Tesla.

 

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