CleverShuttle stellt Betrieb in München, Berlin und Dresden ein

Wirtschaftliche Gründe, aber offenbar auch die mangelnde Unterstützung aus den Kommunen und Widerstand aus der Taxi-Branche gaben den Ausschlag für das abrupte Ende des Dienstes.

Auch in Dresden fährt CleverShuttle den Betrieb runter und will künftig nur noch in Kooperaton mit kommunalen Partnern Pooling-Dienste anbieten. | Foto: CleverShuttle
Auch in Dresden fährt CleverShuttle den Betrieb runter und will künftig nur noch in Kooperaton mit kommunalen Partnern Pooling-Dienste anbieten. | Foto: CleverShuttle
Johannes Reichel

Überraschend hat der RidePooling-Dienst CleverShuttle, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn, den Betrieb an den Standorten Berlin, Dresden und München eingestellt. Ab sofort können Kunden dort keine Fahrten mehr ordern. Auslöser für den Schritt sei "eine strategische Neubewertung der Aktivitäten in diesen Städten", sowie wirtschaftliche Gründe, wie der Pooling-Dienst mitteilte. Man ziele auf eine konsequente Ergänzung des ÖPNV mit starken kommunalen Unternehmen und sei daher in aktiven Gesprächen mit verschiedenen Städten und den Service in dieser neuen Form anzubieten, heißt es zum Hintergrund weiter.

Um die betroffenen Mitarbeiter werde man sich gemeinsam mit der Deutschen Bahn kümmern und in allen drei Städten Informations- und Beratung anbieten mit dem Ziel, die berufliche Zukunft der Fahrerinnen und Fahrer schnell wieder zu sichern. Der Betrieb in Düsseldorf, Leipzig und Kiel laufe normal weiter. Im Gegensatz zu Berlin, Dresden und München verfügt CleverShuttle an diesen Standorten bereits starke lokale Partnerschaften auch im Rahmen des ÖPNV und die Entwicklung des Geschäfts sei hier entsprechend positiv.

Was bedeutet das?

So schnell geht das im Bereich der Start-up-Unternehmen: Gerade noch hatte CleverShuttle den Standort München gestärkt und aufgerüstet mit einer breiten Flotte an E-Fahrzeugen sowie Ladeinfrastruktur im Parkhaus. Und die Ausflottung der ersten E-Autos nach vierjährigen und fuhrparkmäßig höchst kosteneffizienter Laufzeit gefeiert. Doch die Corona-Krise ließ all die Bemühungen zur Makulatur werden und mag ihren Teil beigetragen haben, dass CleverShuttle jetzt hier und in Dresden sowie Berlin die Reißleine zieht. Sicher hat sie bei der CleverShuttle-Mutter Deutsche Bahn aber Überlegungen beschleunigt, die ohnehin vorhanden waren: Den Ride-Pooling-Dienst konsequent auf Kooperationen mit den Kommunen und den lokalen ÖPNV-Unternehmen auszurichten.

Als Einzelkämpfer hat man hier in diesem Umfeld kaum eine Chance, wirtschaftlich auf einen grünen Zweig zu kommen, erst recht nicht, wenn man den Anspruch hat, einen komplett "elektrifizierten" Shuttle-Dienst mit hoher Pooling-Quote und angestellten Fahrern mit ordentlicher Entlohnung anzubieten.

Die Anfangsinvestitionen in die Ausrüstung an Fahrzeugen und Infrastruktur sind hier deutlich höher als mit Verbrennern, die laufenden Kosten wesentlich höher als bei "Subunternehmer"-Modellen wie sie etwa Uber praktiziert.

Hinzu kommen die Anachronismen des Personenbeförderungsgesetzes, dessen ambivalente und erst noch in Gesetzesform zu gießende Reform für CleverShuttle an den jetzt geschlossenen Standorten viel zu spät kommt. Auch die anhaltenden Proteste und Widerstände aus der Taxi-Branche haben sicher zu diesem Schritt beigetragen. Ebenso die ambitionierten Renditeerwartungen der Mutter Deutsche Bahn, die den Dienst wohl nicht länger alimentieren wollte, bis er in allen Städten läuft. Umso erstaunlicher, dass dies trotz all der Widrigkeiten am Standort Leipzig vor Corona schon gelungen war: Mit einem elektrischen Ride-Pooling-Dienst in die schwarzen Zahlen zu fahren. Chapeau vor den Machern und Gründern von CleverShuttle!

Jetzt gilt es, aus den bestehenden Beispielen zu lernen und das Ride-Pooling noch enger in den ÖPNV einzubinden, am besten gleich über Partnerschaften wie in Düsseldorf. Damit das Postulat von der "Ergänzung statt Ersatz" auch der Wirklichkeit standhält.

Und nicht etwa die Nutzung von Bus und Bahn ersetzt, weil es ja so bequem ist, ein cleveres Shuttle vor die Tür zu bestellen. Und es gilt für die angestammten Taxi-Dienste, die Ideen der Pooling-Betreiber aufzunehmen, konsequent zu elektrifizieren und sich "jüngeren" und App-basierten Angeboten noch weiter zu öffnen, wie es einst "My Taxi" alias FreeNow vorexerziert hat, damit aber auch nicht gerade wohlgelitten war in der Branche.

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