CleverShuttle: Neuer Hub in München und Fokus auf Erfolgsstandorte

Der Fahrdienst startet in München größer durch und fokussiert die von Liefernachschub begrenzte Flotte auf erfolgreiche Standorte. Hybrid-Fahrzeuge ausgeflottet, steigende Nachfrage und Pooling-Quote.

Platz da - und Strom: Im Tiefgeschoss der neuen Shopping-Mall Forum Theresienhöhe in München fand der City-Hub von Clevershuttle eine ideale Basis. | Foto: J. Reichel
Platz da - und Strom: Im Tiefgeschoss der neuen Shopping-Mall Forum Theresienhöhe in München fand der City-Hub von Clevershuttle eine ideale Basis. | Foto: J. Reichel
Johannes Reichel

Nach dem Rückzug aus den Standorten Frankfurt, Stuttgart und Hamburg hat der Ride-Pooling-Dienstleister CleverShuttle einen neuen und großangelegten City-Hub in München eröffnet und bündelt seine Kräfte an den erfolgreichen Standorten. In München läuft derzeit eine erfolgreiche Flotte mit 75 Lizenzen, die bald auf 120 respektive zeitnah sogar 150 ausgedehnt werden sollen. Zu diesem Zweck wurden Räumlichkeiten und 200 Garagenstellplätze im neu eröffneten Forum auf der zentral gelegenen Theresienhöhe angemietet sowie eine dazu passende Ladeinfrastruktur mit 3 DC-Schnellladern sowie 50 AC-Ladern geschaffen. Erstmals wurde auch die Errichtung eines DC-Laders aus dem Förderprogramm einer Stadt, hier des Umweltreferats, finanziert. 

Entwickelt sich: Pooling-Quote bei über 60 Prozent

Der Rückzug aus den genannten Städten habe in Stuttgart und Frankfurt vor allem genehmigungsrechtliche und reglementorische Gründe, die eine geordnete Planung und einen langfristig wirtschaftlichen Betrieb unmöglich machten, wie Sprecher Fabio Adlassnigg erläuterte. In Hamburg wiederum war die von dem Vernehmen nach von starkem Preiskampf geprägte Konkurrenzsituation mit Anbietern wie VW-Tochter Moia, Sixt oder Drive Now einer der Hauptgründe für den Rückzug. Hervorragend läuft es dagegen in Städten wie Berlin, München oder auch Leipzig.

In letzterer Stadt, wo man einen exklusiven Service direkt aus dem Hauptbahnhof darstellen kann, steht der Anbieter kurz vor dem profitablen Betrieb. Die Wirtschaftlichkeit könnte sicher noch besser sein, wenn man nicht durch die laut Adlassnigg völlig unzureichenden Regelungen des Personenbeförderungsgesetzes eingeschränkt wäre. Er sieht vor allem in der Rückkehrpflicht einen Hemmschuh. Es sei ökologisch und ökonomisch widersinnig, Leerfahrten zu produzieren, nur um dem Gesetz zu genügen.

Stau-Hauptstadt München: Längere Anfahrtszeiten

Auch die Pooling-Quote hat sich bundesweit sukzessive erhöht und liegt jetzt bei über 60 Prozent Fahrten mit mindestens zwei unabhängig buchenden Fahrgästen. In München liegt diese Quote sogar bei 88 Prozent in Spitzenzeiten. "Und das, obwohl man hier so lange im Stau steht, wie in keiner anderen Stadt", wie Adlassnigg anmerkt. Das schlage übrigens auch auf die Angebotsqualität durch, längere Anfahrtzeiten seien in der bayerischen Landeshauptsstadt häufig.

Dass die DB-Tochter, die seit kurzem mit dem japanischen Mischkonzern Mitsui einen weiteren 12-prozentigen Anteilseigner hat, ihre Kräfte auf die erfolgreichen Städte konzentriert, hat aber vor allem auch mit dem nach wie vor massiven Lieferschwierigkeiten auf Herstellerseite zu tun.

"Wir bewegen uns fast wie in einer Planwirtschaft. In Städten wie München müssen wir nach wie vor ein Drittel der Fahrtanfragen ablehnen, weil wir nicht genügend Fahrzeuge bekommen und die Nachfrage das Angebot übersteigt. Das ist ganz klar der Flaschenhals", klagt Adlassnigg.

Hybrid-Fahrzeuge wieder ausgeflottet

Überbrückungsweise hat man daher sogar entgegen der eigentlichen Firmenphilosophie auf Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge von Mitsubishi zurückgegriffen, die aber schon wieder aus dem Fuhrpark ausgemustert wurden. Auch die LEVC-TX-Modelle, mit denen man im vergangenen Winter in München an den Start gegangen war und die vor allem für ein barrierefreies Angebot sorgen sollten, hat man bereits wieder "ausgeflottet". Zeitnah sollen speziell umgerüstete Versionen des Nissan eNV200 Evalia mit Rollstuhl- und Kinderwagentauglichkeit Abhilfe schaffen. "Auch beim Thema Barrierefreiheit ist die Nachfrage vorhanden und wir wollen diese als Tochter des DB-Konzerns mit einem allgemeinen Beförderungsanspruch natürlich bedienen", meint Adlassnigg.

Zweigleisig: Vormittags mit Wasserstoff, nachmittags BEV

Überhaupt konzentriert man sich herstellerseitig mittlerweile beim batterieelektrischen Antrieb auf Nissan, wo man jüngst die neueste Version des Leaf in Betrieb nahm sowie auf Toyota in Sachen fuel-cell-elektrischen Antrieb. Demnächst sollen zu den Toyota Mirai, bei denen man die größte Flotte in Deutschland betreibt, auch 30 Hyundai Nexo stoßen, auf die man große Hoffnungen setzt.

"Wir fahren hier bewusst zweigleisig bei der Technologie und sehen für beide Antriebe Stärken", meint Adlassnigg, der auch mit der H2-Tankinfrastruktur in München zufrieden ist.

So könne man etwa ladestrategisch günstig etwa in den ruhigeren Vormittagsphasen die Fuel-Cell-Fahrzeuge einsetzen, während man die batterieelektrischen Modelle Nissan Leaf und eNV200 Evalia dann an den "milden" AC-Wallbox-Ladern mit Energie versorgen könne. Die drei DC-50-kW-Schnelllader, die man mit Eneco gemeinsam realisiert hat, werden vor allem in den Stoßzeiten nach 17 Uhr und am Wochenende dringend benötigt, wenn schnell auch mal zwischengeladen werden muss.

Dabei geht man allerdings nie höher als auf 80 Prozent, auch um Zeit zu sparen, wie der in München für die Anlaufphase aus der Fahrerschaft "rekrutierte" Lade-Assistent Ibrahim Hefzi erklärt. Er soll vor allem die neuen CleverShuttle-Fahrer, an denen laut Adlassnigg auch aufgrund der guten Arbeitsbedingungen mit Festanstellung sowie großzügiger Trinkgeldregelung kein Mangel herrscht, anlernen, wie sie ihre Fahrzeuge selbst anstecken und koordiniert das Lademanagement über die Software Fleet Controller.

Schwierige Standortsuche: Immobilienbetreiber oft skeptisch

Dass man in München für den City-Hub eine Heimat im gebäudeseitig komplett kernsanierten Forum-Block, ein Areal aus den frühen 70er-Jahren, gefunden hat, ist auch der Aufgeschlossenheit der Immobilienverwaltung zu verdanken, wie Adlassnigg schildert. Das sei selten genug der Fall, überhaupt sieht er es neben der Fahrzeugfrage als größte Herausforderung, Standorte in den Städten zu bekommen. Vielen Immobilienbetreibern sei das zu aufwändig, oft herrscht auch Skepsis gegenüber neuen Mobilitätsangeboten und E-Mobilität im Allgemeinen vor. Im Falle des Forum in München sei man aber offen für neue Angebote und ermöglichte letztlich die Installation der Ladeinfrastruktur, die natürlich eine massive Aufrüstung netzseitig inklusive eigenem Trafo nötig machte.

Im Gegenzug hat CleverShuttle, eigentlich ungewöhnlich für einen App-basierten Mobilitätsdienst, auch einen Counter in der Ladenzeile angemietet sowie dahiner einige Büroräume. Der Vorteil hierbei: Man schafft Aufmerksamkeit für das Angebot, auch wenn Passanten hier öfter mal nach dem Weg fragen oder Auskunft über Einkaufsangebote einholen wollen. Außerdem können Kunden der Shopping-Mall vergünstigt eines der grün-weißen Shuttle buchen, um ihre Einkäufe nach Hause befördern zu lassen. "Wir probieren das hier jetzt einmal aus", meint Sprecher Adlassnigg.

Mehrwert-Dienste: Shuttle für Hotels und Werkstätten

Wie überhaupt das einstige Start-up, an dem die Gründer weiterhin zwölf Prozent der Anteile halten, sich noch immer experimentierfreudig gibt: Kooperationen mit Hotels oder mit Werkstätten, die dann auf teure Ersatzfahrzeuge verzichten können, gehören ebenfalls zum Feld der Erprobung für ihre Shuttledienste. Nicht nur hier sieht man sich als anderes Angebot als das herkömmliche Taxi-Dienstleistungen offerieren, wie Adlassnigg betont. Man wolle hier etwas hinzufügen, nicht wegnehmen, betont er. Apropos: In Abgrenzung zur Schwester ioki, ebenfalls zum DB-Konzern gehörtig, fokussiert sich CleverShuttle jetzt auf die Umsetzung und Realisierung von Mobilitätsdienstleistungen, während ioki mehr als System- und Software-Lieferant ohne eigenes Fahrzeugangebot positioniert werde.    

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