CleverShuttle: Fahrer protestieren gegen Standortschließungen

Ein offener Brief wirft der Leitung des DB-Mutterkonzerns Mutlosigkeit in Sachen neuer Mobilität vor und macht aus der Enttäuschung keinen Hehl. Die DB sieht den Dienst nur in Kooperationen als rentabel an.

Läuft: An der mangelnden Nachfrage (vor Corona) kann es in Städten wie Berlin nicht gelegen haben. Auch die Elektrofahrzeuge wie die erste Generation Nissan Leaf erwiesen sich als standhaft und äußerst kosteneffizient im Flottenbetrieb. | Foto: CleverShuttle
Läuft: An der mangelnden Nachfrage (vor Corona) kann es in Städten wie Berlin nicht gelegen haben. Auch die Elektrofahrzeuge wie die erste Generation Nissan Leaf erwiesen sich als standhaft und äußerst kosteneffizient im Flottenbetrieb. | Foto: CleverShuttle
Johannes Reichel

Mit einem flammenden Appell an die Verantwortung der Konzernleitung haben sich die 650 CleverShuttle-Fahrer der überraschend geschlossenen Standorte München, Berlin und Dresden an die Führung der Deutschen Bahn um Vorstandschef Markus Lutz und Personenverkehrsvorstand Berthold Huber sowie Digitalisierungschefin Sabina Jeschke gewandt. Auch an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) wendet sich das Schreiben.

"CleverShuttle ist mehr als eine Zahl oder ein Posten im Budget. Wir sind Deutschlands erster RidePooler. Wir bringen Menschen zusammen, indem wir mit unserer App die einzelnen Fahrgäste zu Fahrgemeinschaften bündeln. Mehr als vier Millionen Menschen haben wir so bereits von Tür zu Tür befördert", erklärten die spürbar schockierten Chauffeure

Dabei seien 60 bis 80 Prozent aller Fahrten bei dem Ride-Pooling-Dienst geteilt worden, es könne somit nicht am Konzept liegen, monierten die Fahrer. Bedroht in ihrer Existenz seien 650 Frauen und Männer aus vielen Ländern, die ihre Sicherheit verlören, die CleverShuttle mit einer sozialversicherten Beschäftigung, festem Stundenlohn und geregeltem Urlaub gebe. Man wolle nicht wieder in Subunternehmer-Verhältnisse, die in die Scheinselbstständigkeit zwingen würden, mahnten die Fahrer.

Stolz, ein Teil der neuen Mobilität zu sein

Man sei stolz, Tochter der Deutschen Bahn und "Teil der starken Schiene" zu sein. Ebenso darauf, Bahngäste vom Bahnhof nach Hause zu bringen und "die Reisekette zu schließen". Ebenso verwiesen die Chauffeure darauf, dass man ausschließlich Wasserstoff- und Elektrofahrzeuge verwende und jeder Kilometer 100 Prozent emissionsfrei absolviert worden sei.

"Wir sind stolz, eine Säule der Neuen Mobilität zu sein: digital und emissionsfrei", erklärten die Fahrer.

Und forderten von der Deutschen Bahn, sie solle diese Neue Mobilität fördern und nicht zerstören. Die Chauffeure warnten davor, dass sich Deutsche Bahn wie beim Fernbusmarkt "wieder kampflos zurückzieht". Es seien schwierige Zeiten und es müsse überall gespart werden.

"Wir müssen und können die Krise aber nur bewältigen, wenn wir zusammenstehen. Wir haben unseren Teil bereits durch Kurzarbeit und weniger Gehalt geleistet", schließt der Appell. 

DB-Konzern: Ohne Kooperationspartner läuft es nicht

Der Konzern reagierte reserviert. Gegenüber dem Portal t3n erklärte ein Sprecher der Deutschen Bahn, das Unternehmen stehe weiter zum „Partner Clevershuttle“ und unterstütze die Weiterentwicklung von Clevershuttle bei der stärkeren Integration in den ÖPNV.

„Ohne Kooperationspartner und Integration in den ÖPNV tragen sich Ridepooling-Angebote nicht, das zeigen die Erfahrungen der vergangenen Jahre", so der Sprecher laut dem Medium weiter. 

Die aktuelle Entwicklung der Clevershuttle-Partnerschaft lasse "keine Rückschlüsse auf die allgemeine Haltung der DB zu Beteiligungen und auf die Image-Bewertung in einzelnen Branchen oder Netzwerken zu“, formulierte der Sprecher.

In Düsseldorf arbeitet Clevershuttle mit den Stadtwerken, in Leipzig mit dem Medienhaus Madsack zusammen. Mit den Standorten sowie Kiel bleiben exakt die Standorte erhalten, in denen ein Betriebsrat existiert. In Leipzig war der Dienst vor der Coronakrise bereits profitabel unterwegs, in Dresden habe man 14 Monate nach dem Start kurz vor der Profitabilität gestanden haben, erklärte CleverShuttle COO Jan Hofmann noch vor dem drastischen Einschnitt im Interview mit VM noch am 19. Mai.

An Großstadt-Standorten war die Nachfrage hoch

Am Standort München hatte man erst Ende des vergangenen Jahres aufwändig in die Ladeinfrastruktur investiert und die Flotte stark ausgebaut auf 75 Fahrzeuge. Geplant waren bis zu 150 Lizenzen der Kommune. An der Isar wie auch an den Standorten Leipzig und Berlin laufe es hervorragend, hieß es damals noch. Auch generell scheint sich das Konzept mit Elektrofahrzeugen langfristig zu lohnen, wie die Bilanz der Ausflottung der ersten E-Autos ergab. Generell sei die Elektrifizierung ein positiver Trend, der einen erheblichen Beitrag zum Geschäftserfolg der DB-Tochter beitrage, so Hofmann weiter.

"Wir haben eine ambitionierte Mutter, die neben der Ökologie auf eine hohe betriebswirtschaftliche Effizienz im System wert legt", deutete der COO im VM-Gespräch den hohen Kostendruck an.

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