Citroën ë-C4: Elektrischer Erstwagen

Das Beste aus den Welten Limousine und SUV vereinen und zudem ein vollelektrisches "One-and-Only"-Familienauto auf die Räder stellen, das wollen die Franzosen mit dem neuen C4 geschafft haben.

Angesteckt: Der ë-C4 soll auch Familien die "Welt der sauberen Mobilität" eröffnen, wie CEO Vincent Cobée erklärte. | Foto: Citroën
Angesteckt: Der ë-C4 soll auch Familien die "Welt der sauberen Mobilität" eröffnen, wie CEO Vincent Cobée erklärte. | Foto: Citroën
Johannes Reichel

Der französische Automobilhersteller Citroën hat mit die Neuauflage seines Kompaktmodells C4 vorgestellt, das als Verbrenner wie als vollelektrische Variante ab September bestellbar ist und noch Ende des Jahres an erste deutsche Kunden geliefert werden soll. Der Hersteller sieht darin einen wichtigen Schritt bei der Neuaufstellung der Marke. Der elektrischen Version traut man einen Anteil am Portfolio von acht bis zu zehn Prozent zu. Das Fahrzeugdesign soll die Vorzüge eines SUV in Sachen Einstieg, Platzangebot und Übersichtlichkeit mit der optischen Eleganz und Effizienz einer Limousine vereinen. Zudem stand im Lastenheft der Entwickler, neben den weiter erhältlichen Verbrenner-Modellen mit Benzin- und Diesel-Antrieb ein vollelektrisches Familienfahrzeug zu realisieren, das nicht nur als Zweit-, sondern auch als Erstwagen geeignet ist, wie Citroën-CEO Vincent Cobée bei der Web-Präsentation betonte. Es gebe eine wachsende Nachfrage von Familien nach dem Zutritt in die Welt der sauberen Mobilität, analysierte Cobée weiter.

„Mit dem neuen ë-C4 und dem neuen C4 rüstet sich die Marke für ein starkes Comeback in dem wichtigen Segment der Kompaktlimousinen", glaubt der CEO.

Ziel: Ein elektrischer Erstwagen für Familien

Er verwies auf den großen Kofferraum des ë-C4, der 380 bis 1250 Liter fasst sowie auf das üppige Raumangebot im Inneren. Zudem sei das Fahrzeug mit 350 Kilometern Reichweite nicht nur für den Alltag, sondern auch für Reisen geeignet. Mit einer Länge von 4.360 Millimetern, einer Breite von 1.800 Millimetern und einer moderaten Höhe von 1.525 Millimetern hält das Modell noch kompakte Abmessungen ein, der lange Radstand beträgt 2.670 Millimeter und soll für den klassenbesten Beinraum sorgen. Die gute Innenbreite wiederum soll auch mal drei Passagieren im Fond Platz einräumen. Ist die Rückbank umgeklappt, entsteht eine ebene Ladefläche. Im doppelten Kofferraumboden kann unter anderem das Ladekabel des elektrischen Citroën ë-C4 verstaut werden, eine Durchlade ermöglicht den Transport von Langgut.
 

Baukastenprinzip: 100 kW-E-Antrieb von den PSA-Geschwistern

Beim Antrieb greift man auf das Baukastensystem des PSA-Konzerns zurück und übernimmt den "Standard-Antrieb", der auch schon beim Peugeot e-208 sowie Opel Corsa-e und dem 3,0-Tonnen-Van Citroën e-Spacetourer zum Einsatz kommt. Der ë-C4 verfügt damit über eine Leistung von 100 kW (136 PS), das maximale Drehmoment beträgt 260 Nm, was für eine Beschleunigung auf 100 km/h in 9,7 Sekunden genügen soll. In allen drei Fahrmodi (Eco, Normal, Sport) beträgt die Höchstgeschwindigkeit 150 km/h.

Die Batterie verfügt über die identische Kapazität von 50 kWh, was eine Reichweite von bis zu 350 Kilometern nach WLTP ermöglichen soll. Die Garantie auf die Batterie beträgt wie gehabt 8 Jahre oder 160.000 Kilometer für 70 Prozent der Ladekapazität. Aus dem Baukasten bedient man sich auch beim Thema Laden: An einer öffentlichen Schnellladestation kann der neue ë-C4 mit bis zu 100 kW geladen werden, in 30 Minuten bis zu 80 Prozent Kapazität. An einem 11 kW-Ladeanschluss - ein dreiphasiger 11 kW-OnBoard-Charger ist standardmäßig beim neuen ë-C4 verbaut - lässt sich die leere Batterie in rund fünf Stunden wieder vollständig aufladen. Der Hersteller bietet in Zusammenarbeit mit einem Partner die Installation einer individuellen Ladestation für Zuhause an.

"Must-have": Fernabfrage per App

Über die sogenannte MyCitroën App kann der Kunde den Ladezustand der Batterie und die Reichweite abfragen sowie die Innenraumtemperatur vor Fahrtantritt und zeitlich versetzte Ladezeiten programmieren. Zudem besteht nn über die Free2Move Services App Zugang zum größten Netzwerk an öffentlichen Ladestationen in Europa mit insgesamt 160.000 Ladestationen. Die App listet dabei alle kompatiblen und freien Ladestationen auf, berechnet die optimale Route dorthin und ermöglicht die komfortable Abrechnung des Ladevorgangs, wirbt der Hersteller weiter.

Auch Verbrenner bleiben - so sauber wie möglich

Alternativ zum rein elektrischen Antrieb stehen bei dem C4 diverse Benzin- und Dieselmotorisierungen zur Wahl, die alle die strenge Abgasnorm Euro 6d erfüllen: drei Benzinmotoren mit bis zu 155 PS, wahlweise mit Sechsgang-Schaltgetriebe oder mit Achtgang-Automatikgetriebe, sowie zwei Dieselmotoren mit bis zu 130 PS, ebenfalls wahlweise mit Sechsgang-Schaltgetriebe oder mit Achtgang-Automatikgetriebe.

Fahrerassistenz auf Level 2-Niveau

Insgesamt bis zu 20 Fahrerassistenzsysteme sollen den Fahrer unterstützen. Neben dem Head-up Display und dem Keyless-System verfügt die Kompaktlimousine unter anderem über einen aktiven Spurhalteassistenten, Frontkollisionswarner mit aktivem Notbremsassistenten, Verkehrszeichenerkennung, Müdigkeitswarner und die Anhängerstabilitätskontrolle. Die 180-Grad-Rückfahrkamera erleichtert Parkmanöver und warnt den Fahrer gemeinsam mit Ultraschallsensoren an Front und Heck vor Hindernissen. Das System Highway Driver Assist ist mit dem aktiven Geschwindigkeitsregler mit Stop&Go-Funktion verknüpft und ermögliche halbautonomes Fahren der Stufe 2. Das Fahrzeug regelt dann automatisch die Geschwindigkeit, überwacht die Fahrbahn und hält die Spur. Der Fahrer lässt die Hände am Lenkrad und kann jederzeit das Steuern übernehmen.

Konnektivität nach "state of the art"

In Sachen Konnektivität wartet der C4 mit einem 10-Zoll-Touchscreen auf, über den der Fahrer auf sämtliche Fahrzeugparameter, Media-Funktionen, das verbundene Telefon, die Klimaanlage und die Navigation zugreifen kann. Alternativ erfolgt die Bedienung via Sprachsteuerung. Smartphones oder Geräte, die mit dem Qi-Standard kompatibel sind, können per Induktion in der Mittelkonsole aufgeladen werden. Interessantes Gadget: Durch die vernetzte Full-HD-Kamera ConnectedCAM Citroën mit GPS-Funktion und internem Speicher von 16 GB, die hinter dem Innenspiegel verbaut ist, kann der Fahrer sein Blickfeld fotografieren oder filmen.

Selbstverständlich: Notrufsystem, Echtzeit-Navi, Lade-Lotse

Als Basis für die App dient die sogenannte Connect Box. Zusätzlich setzt das Fahrzeug automatisch einen Notruf ab und übermittelt den Standort im Fall von ausgelösten Airbags. Bei einem leichten Unfall oder bei Unwohlsein eines Passagiers genügt der Druck auf die rote SOS-Taste, um mit dem Notruf verbunden zu werden. Das Navigationssystem Connect Nav bietet in Verbindung mit vernetzten Services wie TomTom Traffic Verkehrsverhältnisse in Echtzeit, die auf dem 10-Zoll-Touchscreen dargestellt werden. Für den Fall werden auch Ladestationen inklusive Strompreisen, Parkhäuser mit den entsprechenden Gebühren, der Wetterbericht sowie lokale Sehenswürdigkeiten angezeigt. Mittels Mirror Link können die Funktionen des Smartphones auf dem Touchscreen des Fahrzeugs genutzt werden. Die Funktion ist mit Apple CarPlay und Android Auto kompatibel.

Was bedeutet das?

Es ehrt die Franzosen, dass sie Familiensinn beweisen - und ein Elektroauto endlich mal nicht als Zweitwagen für betuchte Zahnarztgattinen sehen, sondern als DEN einzigen Familienwagen. Der entsprechend alles können muss: Vier oder fünf Personen samt Gepäck unterbringen, auch mal den Baumarktbesuch wegstecken, emissionsfrei im Pendelalltag funktionieren, aber eben auch saubere und nachhaltige Mobilität im Urlaub sicherstellen soll. Das könnte dank Schnelllader an Bord sogar einigermaßen klappen, wenn man etwas Geduld mitbringt und nicht zu sehr in die Ferne strebt.

Dass der ë-C4 Kompromisse eingehen muss, weil er halt kein Tesla Model 3 und mithin dediziertes Elektroauto sein darf oder im Moment noch nicht kann, ist ein Wermutstropfen. Trotzdem hat PSA das ganz ordentlich hinbekommen - und sogar noch die Fans der SUV-Optik bedient, ohne die Nachteile einer hohen Stirnfläche und minderer Effizienz oder hohen Gewichts einzuhandeln. Chapeau! Wobei man natürlich auch in Korea schon auf diese Idee kam: Der Kia e-Niro hat ganz ähnliche Maße, einen noch größeren Kofferraum, mit größerem 64 kWh-Akku eine entsprechend größere Reichweite bis 455 km (WLTP; 39 kWh-Akku ca. 276 km WLTP) und lässt auch mit dem SUV-Limousinen-Mix grüßen, im PR-Sprech "Crossover" genannt. Allerdings ist er kaum noch zu bekommen, so groß ist die Nachfrage - oder so klein das Angebot für Europa: 12 Monate Lieferzeit, mindestens ...

Eine Chance für den "hiesigen" Hersteller PSA: Denn der ë-C4, das könnte ein elektrischer Volks-Wagen werden, nicht nur in Frankreich. Wenn er jetzt noch beim Preis Maß hält und unter 40.000 Euro bleibt ... Dank konsequenter Baukastenstrategie und entsprechender Kosteneffizienz in der Produktion könnte das klappen. Und mal ehrlich: 100 kW elektrischer Power, das genügt dicke für vernüftiges und flottes Fortkommen.

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