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China: Kleines Drama am Automarkt

Weniger E-Autos und Marktanteilsverluste für die heimischen Anbieter.

Chinas Automarkt bleibt schwach und mit der Kappung der EV-Förderung lassen auch die Absatzzahlen der Stromer sofort nach. Schlecht für Geelys neue Marke "Geometry". | Foto: Geometry
Chinas Automarkt bleibt schwach und mit der Kappung der EV-Förderung lassen auch die Absatzzahlen der Stromer sofort nach. Schlecht für Geelys neue Marke "Geometry". | Foto: Geometry
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Gregor Soller

Wie Automotive News China berichtet, fahren Chinas Automarken zu Hause weiter im Rückwärtsgang, nachdem sich das Wirtschaftswachstum in China verlangsamt hat. Auch der Absatz der Elektroautos hat sich erstmals verlangsamt. Und mittlerweile ist auch der größte unabhängige inländische Automobilhersteller, Geely Automobile Holdings, nicht mehr immun gegen die Flaute: Er musste im Juli im vierten Monat in Folge einen Umsatzrückgang von mehr als 20 Prozent für den vierten Monat in Folge im Juli. Die Probleme der Chinesischen Marken begründet Automotive News China mit der Tatsache, dass deren Hauptkunden von der sich abschwächenden Konjunktur stärker betroffen sind als die der globalen Marken. Chinas Wirtschaftswachstum verlangsamte sich im zweiten Quartal auf 6,2 Prozent, nach 6,6 Prozent für das gesamte Jahr 2018.

Einheimische Marken produzieren hauptsächlich günstige kompakte Limousinen und Crossover, die typischerweise in ländlichen Gebieten und im Inland Chinas leben. Und sie vermarkten die Fahrzeuge zu Preisen zwischen 50.000 Yuan und 100.000 Yuan (das sind ungefähr 6.500 bis 13.000 Euro).  Aber angesichts der düsteren wirtschaftlichen Aussichten reduzieren einkommensschwächere Ausgaben für Autos eher als wohlhabendere Schichten.

Das trifft jetzt auch Geely: Zwar hat man bei der Erweiterung seines Produktportfolios erhebliche Fortschritte gemacht und startete drei neuen Modelle, wovon sich eines die Plattform mit dem Volvo XC40 teilt. Dazu kommt der Kompaktwagen unter der neu geschaffenen Elektrofahrzeugmarke Geometry. Aber keines der neuen Modelle konnte bisher ein bedeutendes Volumen generieren. Auch die Kooperation Dongfeng-PSA kann immer weniger Fahrzeuge absetzen, so dass die Chinesen überlegen, ihren Anteil an den Franzosen von gut 12 Prozent wieder abzustoßen.

Ein weiteres Problem: Die Automobilhersteller haben, getrieben durch großzügige staatliche Subventionen, in den letzten Jahren massiv in die Einführung von Elektrofahrzeugen investiert. Doch am 25. Juni kappte Peking die Subventionen für EVs und Plug-in-Hybride um mehr als 50 Prozent. Und das kühlte die Nachfrage nach den Stromern sofort ab. Im Juli sank der Absatz von Elektrofahrzeugen und Plug-in-Hybriden bei BYD Co., Chinas größtem Hersteller von Elektrofahrzeugen, in diesem Jahr erstmals und ging gegenüber dem Vorjahr um 12 Prozent zurück. Bei Jianghuai Automobile Co. sank der EV-Umsatz im vergangenen Monat um 66 Prozent.

Die ernüchternde Wahrheit ist, dass die Verbraucher wenig Interesse an Elektrofahrzeugen ohne ausreichende staatliche Subventionen haben. Im ersten Halbjahr sank der Gesamtumsatz der chinesischen Marken bei Leichtfahrzeugen um 22 Prozent. Dadurch sank ihr Inlandsmarktanteil gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,9 Prozentpunkte auf unter 40 Prozent. Und die Aussichten bleiben trübe: Das Wirtschaftswachstum und die Nachfrage nach Neufahrzeugen werden weiterhin verhalten bleiben, solange sich der chinesische Handelsstreit mit den Vereinigten Staaten fortsetzt. Und da Peking die verbleibenden Subventionen für EVs und Plug-in-Hybride bis zum Jahresende auslaufen lassen will, werden es (dann nicht mehr nur) chinesische Marken eher noch schwieriger haben, zu Hause zu punkten.

Was bedeutet das?

Die Party ist vorbei und der große Wirtschaftsmotor China gerät ins Stottern. Und sofort verlangsamt sich die Elektrifizierung der Automobile, weil Peking die Subventionen streicht. Trost für die etablierte Autoindustrie: Günstig extrem viele zuverlässige Autos zu bauen, ist doch nicht ganz so einfach, wie manch eine Nation oder Company das sich so vorgestellt hat!

 

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