China fühlt sich fit für offenen Markt bei E-Autos

Das Reich der Mitte erlaubt noch dieses Jahr, ausländischen Herstellern bei E- und Hybrid-Autos, eigenständig zu agieren. Man fühlt sich offenbar stark genug, was eine kurze Umschau auf dem Genfer Salon bestätigt. Neben Geely klotzten diverse chinesische E-Auto-Start-Ups mit Technik.

Gut gewappnet: Auch dank Geely und der 2019 startenden Marke Polestar fühlt sich China stark genug für eine offizielle Öffnung des Markts. | Foto:
Gut gewappnet: Auch dank Geely und der 2019 startenden Marke Polestar fühlt sich China stark genug für eine offizielle Öffnung des Markts. | Foto:
Johannes Reichel

Die chinesische Staatregierung hat eine Öffnung des Automarkts für ausländische Hersteller von Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen angekündigt. Darüber berichtet die Süddeutsche Zeitung. Bisher waren die auswärtigen Anbieter verpflichtet, mit einem einheimischen Anbieter zusammenzuarbeiten, um am chinesischen Markt aktiv werden zu können. Nun sollen fremde Hersteller von Hybrid- und E-Autos bereits ab diesem Jahr eigenständig agieren können. Ab 2020 soll der Nutzfahrzeugmarkt, ab 2022 dann der komplette Pkw-Markt geöffnet werden. Die Entscheidung der "Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission" erfolgt vor dem Hintergrund der immer weiter geschrumpften technologischen Lücke zwischen chinesischen und westlichen Herstellern.

Anbieter wie Geely operieren mit einer Marke wie Volvo oder deren E-Auto-Ableger Polestar fahrzeugseitig mindestens auf dem Niveau westlicher Premium-Anbieter von E- und Hybrid-Fahrzeugen. Zudem hatte Geely vor kurzem knapp zehn Prozent der Aktien von Daimler übernommen, um die Entwicklung von Elektroantrieben hier zu forcieren. Der Autohersteller Dongfeng erwarb 14 Prozent der Anteile des französischen Herstellers PSA, auch BYD ist mit konkurrenzfähiger E-Technik am Start. Experten mutmaßen, die chinesische Führung wolle mit dem Schritt die Entwicklung von Elektro-Autos noch stärker forcieren, bei der das Reich der Mitte nun in einer Art Pole Position ist. Aktuell profitieren könnten Hersteller wie Tesla, die stark auf den chinesischen Markt setzen, aber anders als die deutschen Hersteller Daimler, VW oder BMW bisher noch keine Kooperationen oder Joint Ventures in dem Land haben. BMW beispielsweise will den E-Mini in China fertigen in Zusammenarbeit mit Dong Feng, was sich jetzt einfacher gestalten könnte.

Was bedeutet das?

So schnell kann es gehen: China sieht sich (mindestens) auf Augenhöhe mit der westlichen Konkurrenz in Sachen Elektromobilität und öffnet seinen Markt für andere Anbieter, um der E-Technik weiteren Vorschub zu geben. Auch durch Marken wie Geely (Marken Volvo, Polestar, Lynk) und die Beteiligung an Daimler fühlt man sich offenbar gewappnet für den Wettbewerb. Wie weit die chinesischen Anbieter sind, war auch allerorten beim Genfer Salon zu bewundern, wo diverse E-Fahrzeuge präsentiert wurden. Trotz der Entscheidung dürfte es weiterhin sehr empfehlenswert für auswärtige Hersteller, informell mit chinesischen Partnern zusammenzuarbeiten. Über die chinesischen Staatskonzerne läuft das Geschäft im Zweifel eben doch noch ein Stück besser. Von einem freien E-Auto-Markt dürfte das Reich der Mitte immer noch meilenweit entfernt sein.

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