Werbung
Werbung

Chile verstaatlicht Lithiumindustrie – Automobilhersteller sind alarmiert

Kein Lithium = keine Batterien = keine EVs. Jeremy Wrathall, CEO von Cornish Lithium bringt es auf den Punkt. Der Schritt Chiles, seine Lithiumindustrie zu verstaatlichen, sorgt für neue Unsicherheiten in der Lieferkette der weltweiten Automobilhersteller.

In der Atacama Wüste in Chile wird Lithium gewonnen.| Foto: SQM
In der Atacama Wüste in Chile wird Lithium gewonnen.| Foto: SQM
Werbung
Werbung
Thomas Kanzler

Der chilenische Präsident Gabriel Boric kündigte Pläne zur Gründung eines neuen staatlichen Unternehmens an, das die Lithiumindustrie des Landes kontrollieren soll. Das südamerikanische Land verfügt über die weltweit größten Reserven des Metalls und ist für 30 Prozent der weltweiten Produktion verantwortlich. Branchenkenner erwarten nun Lieferengpässe bei dem wichtigen Rohstoff für E-Auto-Batterien.

Wie das Nachrichtenportal Reuters vermeldet, haben führende Vertreter der Branche vor einem Engpass in der Lieferkette um die Mitte des Jahrzehnts gewarnt. Die weltweit führenden Automobilhersteller werden nach Expertenschätzungen bis 2030 fast 1,1 Billionen Euro für die Entwicklung und Produktion von Millionen von Elektrofahrzeugen

„Die Automobilhersteller werden möglicherweise zögern, sich auf Lithiumlieferungen aus Chile festzulegen, bis klar ist, wie die Verstaatlichung aussehen wird", sagte Caspar Rawles, Chief Data Officer bei Benchmark Mineral Intelligence. „Die meisten Autohersteller werden ohnehin schon vorher nach einem diversifizierten Portfolio regionaler Lieferungen gesucht haben, aber vielleicht macht dies andere Regionen attraktiver."

Automobilhersteller suchen nach Alternativen

Große Automobilhersteller haben bereits nach neuen Lithiumlieferungen in den Vereinigten Staaten, Europa und Afrika gesucht. General Motors hat beispielsweise im Januar in Lithium Americas Corp (LAC.TO) investiert und wird das Unternehmen bei der Entwicklung des Lithiumabbauprojekts Thacker Pass in Nevada unterstützen.

„Wir setzen eine Rohstoff-Roadmap um, die eine regionale Diversifizierung beinhaltet", sagt eine Unternehmenssprecherin von Volkswagen zur Beschaffung wichtiger Rohstoffe, „wir schauen uns also viele Regionen an."

"Mercedes ist immer noch offen für den direkten Einkauf aus Chile - aber es gibt Alternativen, wie Australien und Kanada“, meint Mercedes-Benz Chief Technology Officer Markus Schaefer.

Mineralien sind das neue Erdöl

Stellantis investiert sogar in ein Lithium-Projekt in Deutschland und ist zweitgrößter Aktionär bei Vulcan. Vulcan will im Oberrheintal Lithiumhydroxid herstellen – im Vergleich zu den Mengen, die in Chile abgebaut werden, ist die zu erwartende Menge Lithium sehr gering – dafür aber nachhaltig produziert.

„Batteriemetalle werden für die Länder strategisch genauso wichtig wie Erdöl. Die Automobilhersteller benötigen als Reaktion darauf (die Verstaatlichung der chilenischen Lithiumproduktion) eine spezielle, diversifizierte Beschaffungsstrategie“, erklärt David Brocas, Gründer des Beratungsunternehmens für Mineralienlieferketten Voltaire Minerals.

Bessere Kontrolle über die Ressourcen

Chiles Schritt, seine Lithiumindustrie zu verstaatlichen, folgt einem Trend von Ländern, die eine strengere Kontrolle über wichtige Ressourcen anstreben. Mexiko hat seine Lithiumindustrie verstaatlicht, und Simbabwe, Myanmar und Indonesien haben Beschränkungen für verschiedene Rohstoffe angekündigt.

Auch bei anderen Rohstoffen drohen Lieferengpässe

Lithium ist nicht die erste Krise in der Lieferkette, mit der sich die Automobilindustrie konfrontiert sieht, die während der COVID-19-Pandemie mit einem Mangel an Halbleitern konfrontiert war. Rob Anstey, CEO von GDI, einem Unternehmen, das Siliziumanoden für Batterien entwickelt, rechnet mit weiteren Engpässen – so sei die Automobilindustrie bei Graphit für Batterieelektroden größtenteils von China abhängig, derzeit stammen 70 Prozent des Graphits aus der Volksrepublik.

„Wenn Chile Lithium verstaatlicht, kann Australien das Angebot erhöhen und Amerika und Europa werden das Angebot erhöhen", so Anstey. „Aber wenn China anfängt, die Ausfuhr von Graphit zu beschränken, kommt die gesamte globale Lieferkette für Batterien zum Stillstand.

Was bedeutet das?

Die Aktien von Lithiumminen in Australien, dem größten Produzenten, der etwa die Hälfte des weltweiten Angebots ausmacht, stiegen nach Chiles Ankündigung. Die Bekanntgabe des chilenischen Präsidenten könnte auch die Suche nach neuen Quellen für das Metall noch dringlicher machen. Es gibt zwar Bemühungen, eine billigere und leichter verfügbare Alternative als Lithium für Elektrofahrzeug-Batterien zur Marktreife zu bringen. Die Automobilindustrie wird aber noch viele Jahre lang auf Lithium für ihre Batterien angewiesen sein. Und weitere Rohstoff-Verteilungskämpfe drohen.

Werbung
Werbung