Chevrolet Bolt EV und EUV: So wäre der nächste Opel Ampera geworden

Der hierzulande unterschätzte Opel Ampera und dessen US-Zwilling Chevrolet Bolt würden jetzt vom Nachfolger abgelöst werden. Der soll bis zu 402 Kilometer Reichweite bieten – ein Seitenblick.

Chevrolet bringt Mitte 2021 den neuen Bolt EV und die SUV-Version Bolt EUV mit mehr Radstand. | Foto: Chevrolet
Chevrolet bringt Mitte 2021 den neuen Bolt EV und die SUV-Version Bolt EUV mit mehr Radstand. | Foto: Chevrolet
Gregor Soller

Auch GM erhöht das Tempo in Sachen Elektrifizierung drastisch und präsentierte jetzt den neuen Chevrolet Bolt. Der Kompakt-Stromer kommt aktuell neu und erhält einen kompakten SUV zur Seite gestellt. Der heißt Bolt EUV, was für „electric utility vehicle“ steht. Ganz neu sind die beiden allerdings im Kern nicht, denn sie stehen immer noch auf der seit 2016 existierenden Plattform des Vorgängers, hierzulande als Opel Ampera bekannt. Beide Modelle gehen im Sommer 2021 in Produktion. Bolt EV und EUV nutzen dasselbe Antriebs-Layout: Eine 150 kW / 204 PS starke Elektromaschine, die maximal 360 Nm Drehmoment liefert und die Vorderachse antreibt.

Im Unterboden liegt der 430 Kilogramm schwere und aus 88 Zellen bestehenden 65-kWh-Akku. Das soll für bis zu 416 Kilometer Reichweite beim Bolt EV genügen und für bis zu 402 Kilometer beim Bolt EUV. Die Rekuperation steuert man per Tastendruck über die verschiedenen Fahrmodi.

Neue Idee: Ein Ladekabel mit austauschbarem Stecker

Die Batterie lässt sich entweder mit an der normalen Haushalts-Steckdose (in den USA arbeiten diese mit 120 Volt) oder 7,2 kW (an einer 240-Volt-Ladebox) laden. Dazu bietet Chevy in Serie ein Kabel an, an dem sich die Stecker tauschen lassen. Weiteres Goodie: Die Kosten für die Installation einer Ladestation zu Hause übernimmt erstmal Chevrolet. Eher schwach: Die maximale Ladeleistung von 11 kW, wofür es auch ein extra Kabel braucht. Dann ziehen die Bolt-Brothers binnen einer halben Stunde rund 160 Kilometer Reichweite.

Optisch und beim Gewicht gibt es kaum Unterschiede: Der EUV wiegt mit 1.669 statt 1.628 einen knappen Zentner mehr und ist etwa 15 Zentimeter länger. Etwa die Hälfte davon sitzt im längeren Radstand, wovon vor allem die Fondpassagiere profitieren dürften. Der Kofferraum bietet mit 462 statt 470 Litern und 1.611 statt 1.614 Litern bei umgeklappter Rücksitzlehne sogar weniger. Identisch sind die Cockpits der beiden. Der mittig positionierte, 10,2 Zoll große "Power Flow Screen" mit Touch-Bedienung auch für die Klimaanlage liefert wichtige Informationen. Die Fahrstufen legt man per Taste ein.

Sprachbefehle via Amazon Alexa, Supercruise ermöglicht teilautonomes Fahren

Neben diverser Apps ist auch Amazon Alexa an Bord: Der Assistent nimmt Sprachbefehle entgegen, worüber sich viele Funktionen der Autos steuern lassen. Per App lassen sich Daten wie Ladestand und Co. beider Modelle von der ferne checken. Ganz neu bei Chevrolet ist „Super Cruise“: Das  Fahrassistenzsystem für teilautonomes Fahren basiert auf Lidar-Technik und einem Aufmerksamkeits-Assistenten. Dieser arbeitet mit einer kleinen, auf der Lenksäule positionierten Kamera sowie Infrarot-Lichtern. So stellt das System fest, wohin der Fahrer schaut, wenn Super Cruise in Betrieb ist. Stellt das System fest, dass der Fahrer seinen Blick zu lange vom Verkehrsgeschehen abwendet, warnt es ihn in mehreren Eskalationsstufen: Erst per Lichtleiste im Lenkrad, später über weitere optische und akustische Signale. Weitere Fahrassistenten wie automatische Notbremsung auch für Fußgänger, Auffahrwarnung, Spurhalteassistent mit Spurverlassenswarnung, Abstandsanzeige, eine HD-Rückfahrkamera und IntelliBeam-Scheinwerfer fasst Chevrolet in einem Paket zusammen, das in beiden Bolt-Varianten serienmäßig installiert ist. Gegen Aufpreis bietet die GM-Marke zudem einen rückwärtigen Querverkehrswarner, eine Rundum-Kameraüberwachung und einen adaptiven Tempomaten an.

Preise gesenkt: Der Bolt wird merklich billiger!

Die Preise hat Chevrolet bereits bekanntgegeben: Der Chevrolet Bolt EV startet bei 31.995 Dollar (umgerechnet etwa 26.400 Euro) und ist damit 5.000 Dollar (gut 4.100 Euro) günstiger als der Vorgänger. Die EUV-Version kostet rund 2.000 Dollar (ungefähr 1.650 Euro) mehr als der Bolt EV.

Noch immer überlegt Chevrolet, das Label Bolt zu einer kompletten Elektro-Familie auszubauen. Die Plattform gäbe neben dem EUV auch eine flache Coupé-Limousine sowie noch ein kompaktes Crossover-Coupé her. Auch Buick, Cadillac und GMC könnten so einfach Einstiegselektriker bringen.

Was bedeutet das?

Der Chevrolet Bolt könnte nach mehreren Irrungen und Wirrungen jetzt zum festen Bestandteil des neuen Chevy-Portfolios werden. Wie gut der eher ungeliebte Vorgänger eigentlich schon war, sieht man an der Tatsache, dass das neue Modell auf dessen Basis aufbaut. Damit bietet er zwar keinen „Wow-Effekt“ in Sachen Reichweite oder Ladeleistung, kann dafür aber merklich billiger werden. Und hätte auch in Europa Chancen, hätte sich GM hier nicht fast komplett aus dem Markt verabschiedet.

Printer Friendly, PDF & Email