ChargeUp Europe: Neue eMobility-Allianz startet

An der Online-Veranstaltung „Revolution Digital“ nahmen fast 1.300 Teilnehmer teil und erfuhren Hintergründe zur neuen Allianz von Allego, ChargePoint und der EVBox-Gruppe.

Gemeinsam wollen die Gründungsmitglieder die Ladeinfrastruktur in einer Allianz vorantreiben. | Foto: ChargeUp Europe
Gemeinsam wollen die Gründungsmitglieder die Ladeinfrastruktur in einer Allianz vorantreiben. | Foto: ChargeUp Europe
Gregor Soller

Trotz Corona-Krise entwickelt sich die Elektromobilität gerade massiv weiter. Deshalb haben die drei Ladetechnikprofis eine Allianz gegründet, um „mit einer gemeinsamen Stimme die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Europa“ vorantreiben. Denn hier hapert es vor allem im Detail noch an praktischer Umsetzung. Eines der Hauptprobleme ist immer noch der nicht durchgängige Ladestandard in Europa: Immer noch gibt es neben vielen Ladekarten und –Anbietern innerhalb Europas eine „Vielstaaterei“ bei Themen wie dem Roaming oder Datenmeldungen.

Moderator Roger Atkins, Gründer und Managing Director der Plattform Electric Vehicles fragte nach den Treibern zur Gründung der Allianz. Wenn die EU durch ihren Green Deal die Klimaneutralität bis 2050 erreichen will, muss die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen stark ansteigen. Es wird vorhergesagt, dass bis 2030 bis zu 44 Millionen Elektrofahrzeuge auf den europäischen Straßen unterwegs sein werden – daher muss die Entwicklung der Infrastruktur mit der wachsenden Verbreitung von Elektrofahrzeugen Schritt halten. Doch genau hier hakt es noch, wie Kristof Vereenooghe, CEO von EVBox einräumt. Denn beim kleinteiligen Aufbau der Ladeinfrastruktur habe man Fehler gemacht und stehe somit immer noch am Anfang einer großen einfachen Lösung: Denn das Laden muss seiner Meinung nach so einfach sein wie das Tanken und im Idealfall sogar ein noch positiveres Erlebnis für den Kunden sein.

Aufgrund des schnellen Wachstums – EVBox expandierte seit 2015 von 15 auf heute 600 Mitarbeiter – neuer Märkte, Gesetze und Techniken werde die EVBox-interne Geschäftsstrategie alle sechs Monate überprüft und neu austariert. „Langfristplanungen sind hier schwierig“, räumt der EVBox-CEO ein. Fest steht für Vereenooghe, dass auch die Corona-Krise allenfalls für eine Verzögerung hin zum Umbau neuer Mobilität beitrage, diese aber nicht stoppe. Er stellte klar fest:

„Interesse und Nachfrage sind da und die CO2-Werte müssen gesenkt werden."

Um das zu erreichen, braucht die EU insgesamt mehr Elektroautos und diese benötigen mehr Lademöglichkeiten, nicht nur an öffentlichen Stellen, sondern auch zu Hause und am Arbeitsplatz. Entsprechend erklärt auch Christopher Burghardt, Managing Director for Europe, ChargePoint, dass man auf der einen Seite Anreize für mehr Investitionen geben müsse und auf der anderen Seite ein verbraucherorientiertes, offenes Marktmodell für die Elektromobilität schaffen wolle: 

„Wir haben uns verpflichtet, mit den Entscheidungsträgern und Interessenvertretern der EU zusammenzuarbeiten, um die politischen Maßnahmen und Investitionen zu ermitteln, die erforderlich sind, um den Umfang und das Volumen der Elektrofahrzeuge, die voraussichtlich auf den EU-Markt kommen werden, zu erleichtern. Die Umstellung auf Elektrofahrzeuge ist entscheidend für das Erreichen von Null-Netz-Emissionen, und diese Allianz hat es sich zur Aufgabe gemacht, die EV-Infrastruktur zu unterstützen und die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen positiv zu beeinflussen."

Wichtig ist laut Allego-CEO Matthieu Bonnet auch, dass man das Wachstum gut organisiert und gemeinsam vorgeht. Außerdem müsse man laut Burghardt diejenigen, die auf Elektroautos umsteigen wollen, noch besser erreichen. Das Laden müsse künftig einfach „praktisch“ sein, man muss theoretisch „überall“ laden können und es brache, ganz wichtig, Preistransparenz. Und: Identische Standards!

Zwischen all den Beteuerungen der großen Mobilitätswende fragt Moderator Roger Atkins, Gründer und Managing Director von Electric Vehicles, dann doch mal nach, ob sich mit Ladetechnik und Ladenetzen überhaupt schon Geld verdienen lasse. Am konkretesten äußerte sich hier Matthieu Bonnet von Allego: Ja, man verdiente zwischen 2010 und 2017 immer Geld. Seit 2018 habe man allerdings erheblich mehr in R&D und die Expansion investiert. Trotzdem sei die Gewinnschwelle vergleichsweise leicht zu erreichen und man könne mit den Geschäftsmodellen in vielen Ländern Europas bereits Geld verdienen. Hier stimmen ihm Burghardt und Vereenooghe zu. Trotzdem fehlen zum Durchbruch der Elektromobilität samt der Erreichung der CO2-Ziele noch zahlreiche Ladepunkte und Gesamtsysteme, welche große Investitionen erfordern. Die man gemeinsam besser stemmen könne, weshalb die drei Gründungsmitglieder auf ihrer offenen Plattform um weitere Partner werben, was sowohl die Arbeit in den Gremien und Ausschüssen als auch die Definition gemeinsamer Standards erheblich effizienter mache. Matthieu gibt zu, dass die ersten Jahre immer am härtesten sind, dass aber Allego auch allein hätte weiter wachsen können – es sei jedoch viel einfacher als Industrie gemeinsam Fortschritte zu machen. Vereenooghe ergänzt, dass man bezüglich der Entwicklung von Produkten und Details auch weiter im Wettbewerb stehe, sich aber gegenseitig unterstützen könne, um generell voranzukommen: Man müsse offene Standards ermöglichen, Gesetze anpassen und der Politik konkrete Vorschläge machen. Dann wird auch der Markt weiter für alle Beteiligten groß und interessant genug sein. „Unser Sektor braucht eine gemeinsame Stimme“ fasst Burghardt die Allianz zusammen. Er glaubt, dass Zusammenarbeit in bestimmten Bereichen mittlerweile so wichtig sei wie gesunde Konkurrenz.

Konkret plane man dazu laut Burghardt auch ein „Center of Expertise“ in dem man Ideen und Vorschläge austauschen könne. Er kann hier auch auf die Erfahrungen von ChargePoint in den USA zurückgreifen: In Kalifornien sei die Ladeinfrastruktur bereits wichtiger Teil der gesamten Infrastruktur wie Tankstellen. Entsprechend sieht er auch eine weitere Internationalisierung der Ladetechnik und –standards als Teil eines großen Zukunftplanes, in dem Europa ein Hotspot sein sollte.

Das abschließende Wort übergab Atkins wieder an Vereenooghe, der erklärte: „Mit ChargeUp Europe eruieren wir gemeinsam die Möglichkeiten, die sich uns bieten!“ das erste Live-Event aller Mitglieder – auch derjenigen, mit denen man aktuell bereits in weiteren Verhandlungen steht, soll am 8.9.2020 in Amsterdam steigen:

„Auf dass wir dann bei einem gemeinsamen Kaffee wieder echte gemeinsame Gespräche haben können.“

Was bedeutet das?

Nach Meinung der Gründungsmitglieder von ChargeUp Europe befindet sich die Elektromobilität samt der Ladeinfrastruktur gerade im Umbruch: Um die ehrgeizigen CO2-Ziele bis 2025 respektive 2030 zu erreichen, bedarf es noch großer Anstrengungen auch bezüglich der Harmonisierung von Gesetzen und Standards. Und dieses große Rad dreht man gemeinsam leichter.

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