CES 2021: Sono Motors präsentiert Sion

Erstmals ging auch Sono Motors auf die CES, um die seriennahe Version des Sion zu präsentieren.

In großer Runde präsentierte Sono die Serienversion des Sion. | Foto: Sono Motors
In großer Runde präsentierte Sono die Serienversion des Sion. | Foto: Sono Motors
Gregor Soller

Prinzipiell ist der Sion, den Firmengründer Laurin Hahn und Jona Christians auf der CES als als SEV, also als Solar Electric Vehicle präsentieren, das Gegenteil vom lauten und bunten Bling-bling in Las Vegas: Denn es gibt ihn wegen der jetzt optisch geschickt integrierten Solarpaneele nur in schwarz und er ist extrem funktional und raumeffizient gestaltet, weshalb Sono-COO Thomas Hausch in der Präsentation auch den guten alten VW Käfer bemüht, der seine Fahrgäste zuverlässig überall hin bringen soll. Auch Friedrich Wolf, offiziell leitende Repräsentantin bei Sono Motors, präsentiert den Sion als Beginn eines neuen Auto-Zeitalters ohne blingbling.

Amerikanische Garagenstory - aus der aber ein grundvernünftiges und durchdachtes Produkt entsteht

Typisch amerikanisch ist dann aber die Garagenstory von den beiden Kumpels Hahn und Christians, die sich seit zig Jahren kennen und den Ur-Sono tatsächlich in ihrer Garage bei München auf einem alten Renault Twingo entwickelten und befanden, dass so ein Fahrzeug gebaut werden muss. Trotzdem blieb man beim ökologisch korrekten Ansatz, den Co-Gründer Jona Christians erklärte in einem Interview mit dem Online-Magazin Der Klimareporter einmal so formulierte:

„Es kann nicht so weitergehen, dass jedes Jahr 100 Millionen Fahrzeuge produziert werden, auch wenn das alles einmal Elektroautos sein sollten. Wir sehen es nicht als unsere Aufgabe, möglichst viele Fahrzeuge zu verkaufen, sondern ein System anzubieten, das einen mit den ressourceneffizientesten Verkehrsmitteln von A nach B bringt.“

Und genau das wird langsam Realität, zumal der Sono viele Zusatzfunktionen mitbringt – wie das bidirektionale Laden, das in den USA und in der folgenden Diskussionsrunde einen ganz anderen Stellenwert hat als in Europa und dort extra goutiert wird.

Auf der CES wird vor allem das bidirektionale Laden goutiert

Kurz zu den Fakten, die sich auch beim seriennahen Fahrzeug nicht mehr grundlegend ändern: Der Sion wird im einstigen Saab-Werk in Trollhättan gefertigt werden und eine flüssigkeitsgekühlte 35-kWh-Batterie mitbringen, die nach WLTP-Standard – je nach Wetter und Fahrweise – bis zu 255 Kilometer Reichweite bieten soll. Dank des bidirektionalen Ladens kann der Sion nicht nur Strom aufnehmen und speichern, sondern eben auch wieder abgeben. Über einen Haushaltsstecker (SchuKo) können alle gängigen elektronischen Geräte mit bis zu 3,7 kW mit dem Sion als Energiequelle betrieben und geladen werden. Über den Typ 2-Stecker kann der Sion sogar noch mehr Leistung liefern. Mit bis zu 11 kW können dann andere Elektroautos und auch Starkstromgeräte betrieben werden. Die Ladeleistung am Schnelllader beträgt maximal 50 kW DC via CCS – dann sind 80 Prozent Ladestand binnen 30 Minuten erreicht.

Ebenfalls gut ankommen dürfte in den Staaten der kantige Outlaw-Look, der innen viel Platz bietet. Noch spannender sind aber die geplanten Services: Man soll per App selbst entscheiden können, wie viel Strom man zu welchem Preis abgeben möchte. Andere App Nutzer können das Angebot und den exakten Standort des Sion sehen, so dass der zur mobilen Ladestation wird, mit der man sogar Geld verdienen könnte. Die My Sion-App gibt darüber hinaus stets aktuelle Auskunft über den Zustand des Sion und man kann ihn ohne Schlüssel nutzen – ein Smartphone reicht. Dazu kommen natürlich Ride-Sharing- und –Pooling-Möglichkeiten. Dabei liegt es ganz an den Nutzern, wie lange und mit wem sie ihren Sion teilen wollen oder er noch mitfahren darf. Und genau diese durchdachte App dürfte eines der Highlights des Sion werden.

Was ebenfalls nachhaltig gedacht ist und Christians Zitat vom Anfang mit Leben füllt: Das clevere dreistufige Instandhaltungssystem, das Reparaturkosten so gering wie möglich hält: Ersatzteile sollen ohne große Vorkenntnisse selbstständig verbaut werden können und die Offenlegung des Werkstatthandbuchs ermöglicht ein weit ausgebautes Netzwerk unabhängiger Werkstätten. Nur für die Reparaturen im Hochvolt- und Karosseriebereich muss man in die Werkstatt und kooperiert dazu mit einem namhaften Serviceanbieter aus Europa. Der Sion soll ab 2022 für 25.500 Euro brutto, das sind knapp 21.500 Euro netto, in Serie gehen.

Was bedeutet das?

Mit dem Auftritt auf der CES haben die Gründer und führenden Köpfe des Start-ups nochmal nachgelegt und dürften endlich auch jenseits des Atlantiks mehr Gehör gefunden haben – vor allem die App und die Möglichkeit, den Sono als Kraftwerk in den Great Plains oder am kalifornischen Strand zu nutzen, kamen auf der CES gut an.

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