CES 2021: Erster kleiner virtueller Rundgang

Nachdem der Innenraum immer wichtiger wird, verwundert es nicht, dass die Autobranche die CES auch in ihrer virtuellen Ausprägung nutzt, um Neuheiten zu präsentieren. Zum Jahresauftakt sind (fast) alle letztjährigen Hersteller und Zulieferer wieder mit von der Partie.

GM präsentiert seine Ultium-E-Plattform und: Ein neues Logo! | Foto: GM
GM präsentiert seine Ultium-E-Plattform und: Ein neues Logo! | Foto: GM
Gregor Soller

Daimler schritt mit der Präsentation des neuen MBUX-Systems letzte Woche schon voran und BMW kam am 11.1. als erstes hinterher: Die Rede ist von der CES 2021, die rein digital stattfindet, aber wieder zahlreiche Autohersteller und Zulieferer anzieht. Im Fokus stehen natürlich digitale Entwicklungen und hier vor allem im Interieur, in dem reale und virtuelle Welten ja verschmelzen. So hofft die Branche vor allem in Ländern wie den USA, wo man lange Strecken zurücklegt oder in Asien, wo man gern lange im Stau steht als „third place to live“, also dem Automobil als dem dritten Ort nach Wohnung und Arbeitsplatz, an dem man regelmäßig viel Zeit verbringt. Und diese Zeit soll doch künftig möglichst gewinnbringend genutzt werden. Insofern dient gerade die CES den Herstellern auch immer als Barometer, um hier neue Geschäftsmodelle zun testen oder vorzustellen, um Umsatz und Gewinn abseits der Hardware zu steigern.

Und so hängt es von der jeweiligen Beratungsagentur ab, welche Zusatzeinnahmen sich digital generieren lassen (Mc Kinsey errechnet hier anlässlich einer Studie zur CES 2021 bis zu 500 US-Dollar pro Auto). So könne man über extra Services, Over-the-air-Updates oder Funktionserweiterungen für bestimmte Zeit extra Geld machen. Und umgekehrt Geld sparen, da mit den immer exakteren Nutzungsdaten aus vernetzten Fahrzeugen künftige Wünsche von Zielgruppen viel genauer ermittelt werden können.

Und hier wird auf der CES 2021 nochmal massiv nachgelegt: So präsentiert zum Beispiel Continental 3D-Darstellungen, die alle Insassen im Auto ohne Hilfsmittel erkennen sollen, so dass Gebäude oder Straßen plötzlich virtuell aus dem Navigationsbildschirm herauswachsen. Und das ein virtuelles Stoppschild vor der Armaturentafel schweben kann, dient der Sicherheit. So wie Daimler und bald auch BMW das Navi mittlerweile durch optische Tricks im Head-Up-Display direkt auf die Straße vor einen legen können. So will man die neuen Ablenkungsmöglichkeiten zum besseren Lenken der Fahrzeuge nutzen – denn bis hier Kollege Computer komplett übernimmt, werden noch einige Jahre ins Land gehen.

Aber auch die Hardware findet wieder ihren Platz: So stellt das Start-up Sono Motors erstmals auf der CES seine seriennahe Version des Sion vor, während sich auch die Bau- und Landwirtschaft in Stellung bringt: John Deere macht abermals Vorschläge, wie man digital die Erträge auf dem Acker erhöhen kann, während Caterpillar erstmals auftritt und sich seine Gedanken macht, wie man die Themen Bauen und Transport von Schüttgut und Baumetarial digital beschleunigt.

In einem kleinen ersten digitalen Rundgang auf der virtuellen CES zeigen wir Ihnen die ersten Highlights der Branche, nach Alphabet geordnet.  

Audi wird den neuen E-Tron GT als Serienmodell zeigen. Dabei wird der Formel-E-Rennfahrer Rennfahrer Lucas di Grassi den sportlichen Neuzugang, der auf dem Porsche Taycan basiert, auf der Strecke von Audi Sport in Neuburg an der Donau vorfahren und präsentieren, was dann live gestreamt wird.

BMW kontert mit der nächsten Generation des iDrive, das im iX erstmals verbaut wird. Dessen Vorserien-Studie „iNext“ feierte übrigens auch in Las Vegas auf der CES Premiere.  

Benteler und Bosch zeigen abermals die modulare Elektroautoplattform. Das fertig konstruierte „Rolling-Chassis“ soll es Start-ups erleichtern, ein Elektrofahrzeug in den Markt zu bringen. Einkleiden kann das neue Modell auf Wunsch kein geringerer als Pininfarina. Aber auch bei der Software legt Bosch nach: Ein neuer Rechner soll im Cockpit Aufgaben bündeln soll, für die bisher mehrere Steuergeräte gebraucht wurden waren. Der neue Computer ist nach dem Baukastenprinzip konstruiert und soll laut Bosch in unterschiedlichen Fahrzeugen eingesetzt werden können, wozu die Rechenumfänge jeweils angepasst werden.

Bridgestone mit digitalen Flottenlösungen

Bridgestone zeigt mit der digitalen Bridgestone World eine interaktive Stadt, in der die Messeteilnehmer erfahren, wie Innovationen zu einer nachhaltigeren Zukunft der Mobilität beitragen können. Und auch hier geht es nicht nur um Reifen, sondern digitale Services. „Aktive, intelligente und digital vernetzte Technologien sind entscheidend für unser Ziel, durch nachhaltige Mobilität und fortschrittliche Lösungen neue Werte für unsere Kunden und die Gesellschaft zu bilden“, sagt Paolo Ferrari, President & CEO, Bridgestone Americas, Executive Vice President und Executive Officer, Bridgestone Corporation. Die Bridgestone World bietet Nutzern die Möglichkeit, die Entwicklung von Bridgestone zu einem Hightech-Unternehmen zu verfolgen, das sein Kernprodukt Reifen durch intelligente und fortschrittliche Mobilitätstechnologien erweitert. Ein Beispiel ist die datengesteuerte Flottenmanagement-Lösung Webfleet, die ebenfalls in die Bridgestone World eingebettet ist. Mit dieser virtuellen Plattform möchte der Reifenhersteller seine Kompetenz zeigen, um Menschen und Unternehmen zu unterstützen, ihre Fahrzeuge sicherer, intelligenter, effizienter und nachhaltiger zu managen.

Continental hat schon erste Preise gewonnen

Continental wurde bereits mit drei CES 2021 Innovation Awards ausgezeichnet. Die transparente Anhängerfunktion und der Premium-Fernbereichsradarsensor ARS 540 wurden in der Produktkategorie „Vehicle Intelligence and Transportation“ ausgezeichnet, während seine Ac2ated Sound-Partnerschaft in der Kategorie „In-Vehicle Entertainment and Safety“ geehrt wurde. Die Auswahl wird von einer Jury unabhängiger Experten – darunter Industriedesigner, Ingenieure und Mitglieder von Fachmedien – getroffen, um herausragendes Design und Engineering bei modernen Produkten der Unterhaltungselektronik in 28 Kategorien zu würdigen.

Die transparente Anhängerfunktion lässt den Fahrer durch einen Anhänger während der Fahrt „durchschauen“ und den Bereich hinter und neben dem Anhänger kontrollieren. Wirklich spannend ist das ARS 540 - das erste serienreife 4D-Imaging Radar: Während frühere Systeme nur Informationen zu Reichweite, Geschwindigkeit und Azimutwinkel erfassen konnten, berechnet der Fernbereichsradar ARS 540 auch die Position eines Objekts mit seiner Höhe, um eine präzise Abbildung der Fahrzeugumgebung bis zu 300 Metern zu erstellen. Die präzise Höhenmessfähigkeit des Radarsensors ermöglicht es, verschiedenste, auch relativ kleine Objekte noch genauer zu erfassen. Darüber hinaus ermöglicht die erweiterte Fähigkeit des ARS 540, hochauflösende Details für die Objektidentifizierung zu liefern, um komplexe Fahrszenarien auch bei ungünstigen Licht- sowie Wetterbedingungen und bei höheren Geschwindigkeiten zu bewältigen. Den dritten Award erhielt Continental für seine Partnerschaft mit Sennheiser erhalten und ein Klangerlebnis, das die Grenzen zwischen Realität und Wiedergabe aufheben soll. Die gemeinsame Lösung bietet ein skalierbares und adaptives Soundsystem, das die Entwicklung der Mobilität hin zu einer immer nutzererfahrungsorientierten Zukunft unterstützt. Ac2ated Sound von Continental entfernt dabei herkömmliche Lautsprecher aus dem Fahrzeug und ersetzt sie durch kleine und leichte Aktuatoren, die Oberflächen anregen. Die neu hinzugefügte Headrest-Audiofunktion bietet ein einzigartiges Erlebnis individualisierter Hörzonen mit einer vollständig unsichtbaren Integration. Amebo Mobility von Sennheiser nutzt 3D-Audiotechnologie, um ein natürliches Sounderlebnis im Auto zu schaffen.

Daimler hat bereits seine MBUX Hyperscreen für den Mercedes-Benz EQS präsentiert. Das Glasbauteil trägt drei Screens in sich – darunter einen separaten Bildschirm für den Beifahrer, auf dem dieser allev Möglichkeiten des Infotainments nutzen kann.

Auch FCA nutzt die CES wieder für Soft- und Hardware: Im Fokus steht dabei das neue Onboard-System Uconnect 5, das im elektrischen Fiat 500 und dem neuen Jeep Garnd Cherokee startet, dazu kommen sogenannte Science Labs, in denen man Windkanal und Rüttelprüfstand erleben kann sowie Ausstellungen zu einem Fahrsimulator und Elektrifizierungssystemen.  

GM präsentiert zum fünften Mal in der Geschichte der Marke ein ganz neues Logo, das den Aufbruch in eine neue digitale und elektrische Zukunft optisch unterstreichen soll. Hardwareseitig wird das unterfüttert von der neuen EV-Plattform, auf der bald zahlreiche neue Modelle stehen sollen. Die Kampagne dazu lautet „everybody´s in“ – jeder ist dabei.

Der zum Samsung-Konzern gehörende US-Zulieferer Harman stellt eine Spielekonsole fürs Auto vor, die auf längeren Fahrten dasv Spielen per Handy ersetzen soll. Dazu gibt es ein Lautsprechersystem – entwickelt mit dem deutschen Zulieferer Grammer – das aus den Kopfstützen ausklappt und ein voluminöses Klangerlebnis bieten soll. Das soll dan sogenannte „Drive-Live-Concerts“ oder Gaming-Erfahrungen für Abwechslung im Stau bieten. Ersteres für alle Passagiere, Letzteres primär für die Mitfahrer im Fond.

Schaeffler stellt abermals sein Drive-by-Wire-System vor: Die Technik gilt als Schlüsselelement fürs autonome Fahren, das auch auf Rennstrecken kommen soll: Die Technik soll unter anderem bei allen Rennwagen, die am für Oktober geplanten Rennen Indy Autonomous Challenge starten, zum Einsatz kommen.

Sono Motors wird erstmals seine seriennahe Version des Elektroautos Sion zeigen, das mi den Solarpanelen zusätzliche Reichweite generieren soll.

Und alphabetisch last but not least ist auch ZF ist wieder auf der CES vertreten: Diesmal mit sogenannter „Middleware“: Dabei handelt es sich um ein Programm, das als Bindeglied zwischen dem Betriebssystem eines Autos und den einzelnen Softwareanwendungen im Fahrzeug dienen soll. Die neue Middleware soll die digitale Kommunikation im Fahrzeug schneller, einfacher und sicherer machen und 2024 verfügbar sein. Damit geht ZF den nächsten Schritt in der Software nach der Entwicklung eigener Chips. Die neue „Middleware“ soll ab 2024 in Serie gehen können.

Was bedeutet das?

Die CES hat 2021 kaum an Strahlkraft eingebüßt und versammelt zum Neuen Jahr gleich mal wieder alle Schwergewichte und Zulieferer aus dem Automotive-Bereich unter ihrem Dach. Man darf gespannt sein, wie das Feedback der virtuellen Messebesucher ausfallen wird.

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