CES 2021: Das waren die Preisträger

Die Liste der Preisträger der „Best of Innovation Awards“ auf der CES 2021 ist extrem lang – und nicht immer werden hier nur innovative Produkte bedacht. Wir stellen die wichtigsten aus dem Bereich Transport und Verkehr vor. Neben einem virtuellen Kapitän war auch ein Robo-Hamster dabei!

IBM präsentierte den ersten "AI-Kapitän", der die "Mayflower" autonom über den Atlantik steuern soll. | Foto: IBM
IBM präsentierte den ersten "AI-Kapitän", der die "Mayflower" autonom über den Atlantik steuern soll. | Foto: IBM
Gregor Soller

Auch die CES 2021 musste sich der Covid-19-Pandemie beugen und virtuell stattfinden. Das hatte den Vorteil, dass man sich die aufwändige Reise nach Las Vegas sparen und glasklar sehen konnte, was wirklich innovativ und was nur „Show“ war. Dazu gehören leider viele „Best of innovations“-Auszeichnungen für inflationär viele Produkte – von denen viele zumindest inhaltlich schon längst bekannt oder eben gar nicht so innovativ sind wie man meinen möchte. Oder aber sehr abgefahren. Mit dem Preis zeichnet die Consumer Technology Association die innovativsten Produkte der CES aus. Unter den Gewinnern sind sowohl bekannte Branchengrößen als auch skurrile Produkte. Begleiten Sie uns alphabetisch durch die Liste der Preisträger:

Beginnen wir bei A wie Apex, wo man das Fahrzeugbetriebssystemen Apex.OS auszeichnete. Dabei soll es sich um ein automobiles Software-Entwicklungsframework handeln, das mit dem beliebten Open-Source-Framework ROS kompatibel ist. Apex.OS bietet laut Hersteller Sicherheitsbausteine für die schnelle Softwareentwicklung, kommt mit modernsten Entwicklungswerkzeugen und integriert die komplette ROS-Toolchain. In der Praxis soll Apex.OS Cert es OEMs und Zulieferern ermöglichen, schneller am Markt zu sein und Kosten zu sparen. Es wird vom TÜV NORD zertifiziert und nach der Sicherheitsnorm ISO 26262 bis zu ASIL D - der höchsten Sicherheitsstufe - erhältlich sein.

Bosch Nyon: Smarte "Screen" fürs E-Bike

Bosch eBike Systems wurde diesmal für den Nyon ausgezeichnet: dabei handelt es sich um den neuesten Rechner für E-Bikes: Er bietet On-Board-Navigation, Fitness-Tracking, digitales Absperren, topographie-basierte Reichweitenschätzungen und weitere Konnektivitätsfunktionen über Bluetooth und WiFi. Nyon lässt sich mit der E-Bike Connect App mit dem Smartphone verbinden, um die Routenplanung zu teilen und Fahraktivitäten zu verfolgen. Der berührungsempfindliche Farbbildschirm ist intuitiv zu bedienen und wird während der Fahrt mit der Fernbedienung  bedient. Womit auch das Bike endlich seinen „Screen“ auf dem Lenker hätte. Für diejenigen, die ihre Daten bereits während der Fahrt ablesen wollen sicher interessant – wobei die Steuerung der E-Unterstützung noch interessanter ist.

Vor allem für Flotten interessant sein dürfte die KI-Kamera samt Software von Brodman17, die dem Fahrer einen Sicherheitsscore und Coaching geben kann: Die KI-Software von Brodmann17 kann in jeder Fahrzeug-Dash-Kamera oder auf dem Smartphone des Fahrers installiert werden. Die KI holt sich das Video von der zur Straße gerichteten Smartphone-/Dash-Kamera und analysiert das Fahrerverhalten, um die Sicherheit zu verbessern. Damit erhalten Flottenmanager Einblicke auf Flottenebene, die zur Verbesserung der Effizienz und Sicherheit genutzt werden können, was in Europa allerdings auf erhebliche Bedenken bezüglich der Privatsphäre und des Datenschutzes treffen dürfte.

Weniger innovativ ist die Cita Smart 7-Ladestation von Cita Smart Solutions LTD. Dabei handelt es sich um eine Ladestation für Elektrofahrzeuge zu Hause, die „intelligent“ laden und abrechnen kann. Dabei nutzen die Briten ihren Hintergrund aus der Haustechnik, für die man auch Kameras entwickelt hat. Über die lassen sich auch ganze Verkehrssysteme, Taxi-oder Bushaltestellen sowie Parkplätze überwachen respektive „steuern“.

Ebenfalls inhaltlich bekannt sind manche Preise, die Continental Automotive erhielt. Einen davon kennt man so bereits von Marken wie Jaguar-Land Rover, wo man den Trailer transparent machen kann. So kann man durch „den Anhänger hindurch“ auf den Bereich hinter und neben ihm sehen und ein sichereres Fahren ermöglichen. Die Technologie basiert auf dem Surround-View-System von Continental. Den „Durchblick“ erzeugen zwei Kameras und eine Steuereinheit, die Bilder an das Display im Fahrzeug liefert. Dieses bietet eine nahtlose Live-Übertragung der Straße und möglicher Hindernisse hinter dem Anhänger während der Fahrt oder im Rückwärtsgang. Weitere Preise holte man zusammen mit Sennheiser respektive AMBEO Mobilität x für Continental Ac2ated Sound, um ein störungsfreies Klangerlebnis im Fahrzeug zu schaffen. Der Ac2ated Sound von Continental ersetzt herkömmliche Lautsprecher durch Aktoren, welche die Oberflächen anregen. Dazu kommt AMBEO Mobility Audio als Car-Audio-System von Sennheiser für immersiven Klang und Sprachverständlichkeit. Es wurde entwickelt und abgestimmt, um das klarste und bestmöglich klingende Unterhaltungs- und Kommunikationserlebnis zu liefern. Die Kombination der beiden Technologien soll eine hohe emotionale Wirkung und ein Gefühl erzeugen, als ob man „live“ dabei wäre – was vor allem für Sounds gilt, die in Hallen oder Opernhäusern aufgenommen wurden. Der Sprung in die Klangimmersion soll die Grenzen zwischen Realität und Wiedergabe aufheben.

John Deere: Wenn der Mäher autonom drischt

Auch John Deere erhielt wieder eine Auszeichnung, diesmal für die Mähdrescher der X-Serie. Dabei soll die X-Serie autonom auf dem Acker agieren können und den Landwirt so trotz Arbeitskräftemangel und Zeitdruck unterstützen: Da man einen Acker sehr gut per Geofencing „eingrenzen“ kann, war dieser Schritt abzusehen.

Auch Ekin erhielt zwei Preise für A-Patrol und den Spotter V2. Ekin kommt aus dem Bereich der Smart City Technologies und sorgt mit dem A-Patrol autonom und ohne Investitionen in die Infrastruktur für die Sicherheit der Stadt, wo die Risiken für Unfälle sich nicht 24 Stunden gleichen: Während der Ein- und Ausgang von Schulen während einiger Stunden wichtig ist, ist die Kontrolle des Verkehrsflusses und manchmal auch die Kontrolle der Eingänge von U-Bahnen rund um die Uhr erforderlich. A-Patrol kann mit dem eingebauten Warnbildschirm den Verkehr leiten, ein Tempolimit festlegen und einen Alarm für Autofahrer erzeugen. Mit seiner Verkehrsanalysefunktion analysiert das System Hotspots, erstellt Warnungen vor Verstößen und überhöhter Geschwindigkeit an kritischen Punkten und erhöht die Sicherheit an Schulen, Krankenhäusern oder Unfallstellen. Dazu kommt der Spotter V2, ein Smart-City-Modul, das sich durch seinen modularen Aufbau an die Struktur moderner Städte anpassen soll: Es kann laut Hersteller Verkehrsanalyse und -management steuern, einschließlich automatischer Nummernschilderkennung und Erkennung von Rotlicht, Geschwindigkeit und anderen Verkehrsverstößen. Dazu kommt die Smart-City-Umweltanalyse - per Messung von Ammoniak, Kohlenmonoxid, Temperatur oder Luftfeuchtigkeit. Mit seinem kompakten Design zielt die „Überwachungssäule“ darauf ab, die smarten Bedürfnisse zu erfüllen, ohne die Stadt einer Masse von Geräten auszusetzen.

IBM zeigt ein autonomes Schiff mit KI-Kapitän

IBM hat in Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Meeresforschungsorganisation ProMare den „KI-Kapitän“ entwickelt und auf die Brücke gestellt: Er gilt als Schlüsseltechnologie für das Mayflower Autonomous Ship (MAS), ein Pionierprojekt für eine globale kollaborative Innovation, welche die Kapitäne auf Schiffern ersetzen soll. IBM stellt dafür die KI-, Cloud- und Edge-Computing-Technologien bereit, mit denen das MAS im Jahr 2021 den Atlantik ohne Kapitän oder Besatzung überqueren soll. Das Schiff wird in Zukunft mit menschlichen Ozeanographen und anderen autonomen Schiffen zusammenarbeiten und wichtige Umweltdaten sammeln. Außerdem ebnet es den Weg für sicherere und nachhaltigere Transportmodelle und Lieferketten.

Womit wir im weitesten Sinne beim „autonomen fahren“ wären und zurück auf die Straße wechseln: Kodiak Robotics erhielt einen Preis für autonom fahrende Lkw. Das Unternehmen wurde erst 2018 gegründet und hat sich auf eine sehr fortschrittliche Technologie konzentriert, die speziell für Langstrecken-LKW auf Autobahnen entwickelt wurde, die in den USA nochmal größer und breiter sind als in Europa. So gelang es bereits 2019, eine erste Ladung mit einem Sicherheitsfahrer auszuliefern und das System zu einem selbstfahrenden Speditionsdienst zu erweitern.

Magna verspricht bis zu 120 Kilometer mehr Reichweite

Neben Bosch und Conti konnte auch Zulieferer Magna Preise holen: darunter für den „etelligentDrive“ eDS Mid+ BEV-Antriebsstrang für maximale Reichweite. Dabei will Magna durch Fortschritte bei eMotor, Umrichter, Getriebe und Umrichtersoftware den Wirkungsgrad erhöhen, gepaart mit reduzierten Gewichten und optimiertem Packaging. Das alles soll wiederum die Reichweite erhöhen. Zu diesen Weiterentwicklungen gehören ein PSM-Motor mit spezieller Wicklungstechnologie und ein SiC-Leistungsmodul im Wechselrichter zur Unterstützung der Effizienzsteigerung. Magna verspricht Reichweitenerhöhungen von bis zu 120 Kilometern. Aber auch bei den Allrad-Antriebssystemen für batterieelektrische Fahrzeuge verspricht Magna klassenbeste Effizienz, Dynamik und Sicherheit. Das System basiert auf Magnas fortschrittlichen elektrischen Antriebssystemen, intelligenter Software-Strategie und intelligenter Integration.

Steer-by-Wire präsentierte neben Schaeffler auch die Mando Corporation, deren „Steerite“ genanntes System ausgezeichnet wurde. Es besteht aus zwei Subsystemen, dem SFA (Steering Feedback Actuator) für die Lenkrückmeldung des Fahrers und dem RWA (Road Wheel Actuator) für die Lenkbetätigung. Da das System ausschließlich über elektrische Signale kommuniziert, kann es ferngesteuert werden und gehört zu den Schlüsseln für autonomes Fahren.

Womit wir das Thema nochmal beim Lkw haben, in dem Fall von Plus Systems, wo PlusDrive ausgezeichnet wurde: Ein intelligentes Fahrsystem mit den fortschrittlichsten automatisierten Fahrfunktionen für Lkw der Klasse 8, die in den USA den schweren Fernverkehr klassifiziert. Auf Knopfdruck können Lkw-Fahrer PlusDrive aktivieren, um die langweiligsten und ermüdendsten Teile des Fernverkehrs zu bewältigen, wie z. B. im Stau zu stehen, die Fahrspur zu wechseln oder bei Nacht zu fahren. Das System bietet laut Hersteller maximale Sicherheit, optimierte Kraftstoffeffizienz und ein komfortableres Fahrerlebnis. Im Jahr 2021 soll PlusDrive in den neuen intelligenten Lkw J7+ von FAW, Chinas größtem Lkw-Hersteller, zum Einsatz kommen. PlusDrive wird auch in den USA als OEM-gestützte Nachrüstlösung angeboten werden.

Segway stellt den autonom fahrenden Scooter vor, der automatisch das Gleichgewicht hält

Von den ganz schweren zu den ganz leichten Fahrzeugen: Auch Segway Ninebot erhielt zwei Preise für das eMoped B und den eScooter T. Wobei die beiden Zweiräder eher „Bekanntes“ bieten: Das eMoped B soll eine einfache Bedienung bieten und Ninebot RideyGo System unterstützen, das eine Reihe neuer Funktionen wie das Airlock System, NFC Tag, Smart Seat Detection und den Auto-Lock Modus beinhaltet. Trotz seiner robusten, intelligenten Funktionen soll ein minimalistisches, benutzerfreundliches System genügen, bei dem man nur zwei Tasten benötigt, um alle Fahrvorgänge zu erledigen. Darüber hinaus realisiert die intelligente BMS 5.0 Technologie mehr als zwanzig Schutzmaßnahmen. Der Segway eScooter T ist dagegen ein selbstbalancierender, fernsteuerbarer Elektroroller. Hiermit wendet Segway seine charakteristische Selbstbalancierungstechnologie erstmals auf einspurige Zweiräder wie Scooter oder Roller an. Zudem soll der Segway eScooter T ist automatisch einparken können. Vor allem für ältere Menschen oder Menschen mit Schwindel interessant: Der eScooterT soll ohne menschliches Zutun automatisch in den Gleichgewichtszustand gehen. Auch Hochgeschwindigkeitsfahrten können im selbstbalancierten Zustand erreicht werden, was unbegrenzte Möglichkeiten für das automatische Fahren und automatische Einparken des Segway eScooter T bieten würde – der autonom fahrende Scooter wäre geboren. Der Kick Scooter T 60 kann kann laut Segway per Cloud ferngesteuert werden und so bei Bedarf oder am Abend zur Ladestation gelotst werden. Doch das klappt nur, wenn keine Person auf dem Scooter steht.

Und last but not least präsentierte auch Waymo seine mittlerweile fünfte Generation selbstfahrender Technologie: Der sogenannte „Waymo Driver“ soll auf mehreren Fahrzeugplattformen eingesetzt werden können und Anwendungsfälle in den Bereichen Ride-Hailing, Trucking, lokale Zustellung und privater Autobesitz ermöglichen. Dieses neueste System ist leistungsfähiger als je zuvor und auf Skalierbarkeit ausgelegt. Man darf gespannt sein, ob das autonome fahren auf die Art wieder neu beflügelt wird. Ach ja und wir hatten ja noch von Moflin gesprochen: Den AI-Hamster können Sie im Video bewundern.

Was bedeutet das?

Die virtuelle CES war auf jeden Fall wieder einen „Besuch“ wert, wenngleich der ganz große „Wow-Faktor“ in der Fahrzeugbranche 2021 ausblieb. Stattdessen wurden bekannte Entwicklungen weitergetrieben respektive neue Hersteller sprangen auf bekannte Neuentwicklungen auf. Vorteil der digitalen Version ist ihre saubere Aufbereitung samt guter Besuchs- und Chatmöglichkeiten. Ihr Nachteil: Die bunte Wildheit der „echten“ Messe fehlt und viele News werden entzaubert – weil sie einfach keine News mehr sind respektive oft auch nur alter Wein in neuen Schläuchen angeboten wird.

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