CES 2020: So plant die Messe in die Zukunft

In einer Question & Answer-Session stellte sich Gary Shapiro, Präsident und CEO der Consumer Technology Association, die die CES organisiert spannenden Fragen und gab einen Ausblick in die Zukunft

Mit Charme und Witz beantwortete der CEO der CES, Gary Shapiro die an ihn gerichteten Fragen. | Foto: G. Soller
Mit Charme und Witz beantwortete der CEO der CES, Gary Shapiro die an ihn gerichteten Fragen. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Hinter der CES steht die CTA, die „Consumer technical association“, ein Verband, der sich grob gesagt um innovative Konsumgüter sorgt. Die allererste CES fand bereits im Juni 1967 in New York statt – damals noch als Ableger der Chicago Music Show, die bis dahin die größte Verbrauchermesse für elektronische Geräte war. Sie wurde damals von Bob Galvin, Vorstand von Motorola, eröffnet. Die Schlagzahl erhöht wurde ab 1978: Bis 1994 fand die CES dann zweimal jährlich statt -  im Januar als „Winter Consumer Electronics Show“ (WCES) in Las Vegas und im Juni als „Summer Consumer Electronics Show“ (SCES) in Chicago. Und trotz des aktuellen Hypes ging auch die CES schon durch eine gewaltige Krise: Die Sommer-CES verlor massiv Interesse, während die Winter-CES ihr Level auch auch Mitte der 1990er Jahre halten konnte. Auch hier reagierte man leider erfolglos mit neuen Veranstaltungsorten, und „kürzte“ die CES ab 1998 auf die Winterveranstaltung ein.

Aber auch in Vegas nahm nicht mehr jedermann teil: Apple nahm 2020 das erste Mal seit 25 Jahren wieder teil, allerdings nur im Smart-Home-Bereich und Microsoft ist seit 2013 nicht mehr dabei. Begründung: Man plant, über alternative Kanäle zu kommunizieren. Entsprechend weitet Shapiro das Feld aus, was vor allem bei Nicht-Tech-Unternehmen gut ankommt. Diesmal waren unter anderem Delta Airlines, John Deere oder FPT (Fiat Powertrain Technologies) erstmals vertreten. Auf die Frage, ob die CES hier nicht zu breit streut, antwortete Shapiro gelassen: Nein, denn es gehe um technische Innovationen, die Vorteile für die Konsumenten böten – und das seien in der heutigen Zeit eben sehr viele zumal Hard- und Software immer weiter verschmelzen. Trotzdem müsse man natürlich Grenzen ziehen: Schwierig werde es, wenn es um reine Agrarprodukte oder andere Produkte gehe, die keinerlei technische Anteile mehr hätten. Aber ein digitales Gewächshaus für den Balkon oder den Garten? Warum nicht! Das sei hochinteressant! Auch das Thema Food-Technologie und Tourismus böte noch weiteres Potenzial.

Außerdem entsteht ein Las Vegas gerade eine neue schicke Halle, die nach dem aktuellen Plan dann die „West Hall“ werden müsste. In die plant Shapiro die Mobilität umzuziehen, die aktuell in der North Hall untergebracht ist. Womit wir beim Verkehr und der Nachhaltigkeit wären. Auch hier muss sich Shapiro bohrenden Fragen stellen, denn die öffentliche Anbindung ist eher mäßig: Der Monorail wurde von den örtlichen Fahrdiensten und Taxiunternehmen torpediert, dass nur eine rudimentäre Strecke zur CES übrig blieb, die sich meist hinter den großen Hotels entlangschlängelt und nicht für jedermann erreichbar ist. Entsprechend chartert die CES jedes Jahr große Busse, die alle Hotels anfahren, um den Verkehrsaufkommen zu reduzieren – das trotzdem noch riesig ist und Shapiro so auch noch nicht ganz gefällt.

Außerdem plant man jährlich neue Initiativen, die Nachhaltigkeit zu erhöhen: So würden die verlegten Teppiche so weit wie möglich recycelt, außerdem gibt es jährlich neue Initiativen, den Strom- und Wasserverbrauch weiter zu senken. In den USA gehöre die CES laut Shapiro so schon zu den nachhaltigsten Messen. Denn auch für Shapiro gelten die Ziele des Pariser Klimagipfels – und viele lokale Gesetze empfindet er selbst als zu lasch.

Womit die Diskussion schnell ins Politische abdriftete, aber auch hier bezog Shapiro klar Stellung: Die USA seien nun mal ein Einwanderungsland und 95 Prozent aller Einwohner seien Immigarnten – wenn nicht in erster, dann in zweiter, dritter oder x-ter Generation! Und genau dieser bunte Strauß an Einflüssen und Ideen hätten das Land auch weitergebracht. Ein Thema, dass er auch umfassend mit Ivanka Trump, einer der Keynote-Speaker der CES diskutiert habe. Womit er wieder den Bogen zur Messe selbst schlägt, die sich in aller erster Linie durch Offenheit für Technologien auszeichnet – und so in ihrer teils vielleicht etwas wilden Buntheit immer wieder für Überraschungen gut ist. Wie er überhaupt die Veranstaltung Messe an sich verteidigt: Wo kann man sich sonst mit so minimalen Wegen einen so konkreten Überblick über die Innovationen verschaffen und live so schnell so viele Menschen treffen?

Was bedeutet das?

Für die Mobilitätsbranche dürfte die CES bedeutend bleiben, die zunehmend auch andere Branchen anzieht. Mit Gary Shapiro steht ein Präsident und CEO an der Spitze der Messe, der mit Charme und Witz sehr gut zwischen Lässigkeit und Zielstrebigkeit agiert und die Bedeutung der CES aufrechterhalten dürfte – indem er sie immer wieder den sich ändernden Gegebenheiten anpasst.

 

 

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