CES 2020: Mercedes-Benz zeigt VISION AVTR

Vor allem inhaltlich setzt Daimler mit seinem neuesten Showcar wieder Akzente.

Gläserne Flügeltüren und viele Rundungen kennzeichnen den "AVTR". | Foto: Daimler
Gläserne Flügeltüren und viele Rundungen kennzeichnen den "AVTR". | Foto: Daimler
Gregor Soller

Optisch bleibt die Studie „AVTR“, die sich namentlich an die Avatar-Filme anlehnt, vergleichsweise undramatisch: Auch hier gestaltet Daimler wieder mit vielen Rundungen und wenigen Ecken und Kanten: Dabei soll die Eine von der Biologie inspirierte Formensprache im „One-Bow“-Design an Rundungen aus der Natur erinnern, gleiches gilt für die „sphärisch ausgeprägten Radhäuser“. Auffällig sind vor allem am Heck die 33 multidirektional beweglichen Klappen – die „bionic flaps“. Sie sollen eine völlig neuartige Interaktion des VISION AVTR mit seiner Umgebung ermöglichen. Mit dem VISION AVTR wirft Mercedes-Benz einen Blick in die Mobilität der fernen Zukunft und verbindet dabei Nachhaltigkeit mit Digitalisierung sowie Mensch und Maschine mit der Umwelt. Idealerweise ist der AVTR ein „Zero Impact Car“. Denkfehler: Daimler will nach eigenen Angaben weiter wachsen, doch das, ohne die Umwelt stärker zu belasten – was sehr schwer und/oder eher sehr teuer werden dürfte. Trotzdem ein hohes Ziel.

Dazu gehört auch die organische Batterietechnologie aus recycelbaren Materialien: Das Konzeptfahrzeug nutzt hier eine revolutionäre Batterietechnologie, die mit graphenbasierter organischer Zellchemie entwickelt wurde und völlig frei von seltenen Erden und Metallen ist. Die Materialien der Batterie sind kompostierbar und damit vollständig recycelbar. Auf diese Weise wird die Elektromobilität unabhängig von fossilen Ressourcen. Damit unterstreicht Mercedes-Benz die hohe Relevanz einer zukünftigen Kreislaufwirtschaft, der „Circular Economy“ im Rohstoffbereich. 

Aber auch beim UX-Konzept legte man nach: Digitale Neuronen, die ausgelöst von den Passagieren bei der Verbindung mit dem Fahrzeug aus dem Interieur in die Außenhaut des Konzeptfahrzeugs fließen, sollen eine völlig neuartige Kommunikation mit der Umwelt ermöglichen. Der Innenraum des wird so zum Erlebnisraum und soll eine neue User-Experience bieten. Über eine auf die Handfläche projizierte Menüauswahl kann der Passagier intuitiv zwischen unterschiedlichen Funktionalitäten wählen. So kann der Fahrer beispielsweise die fiktionale Welt „Pandora“ aus den AVATAR Filmen aus unterschiedlichen Perspektiven erkunden. Ein weiteres Highlight ist laut Daimler die Control Unit: Das multifunktionale Bedienelement in der Mittelkonsole lässt den Fahrer das Fahrzeug durch einfaches Auflegen der Hand intuitiv steuern – sofern er nicht autonom reisen möchte.

Der neuartige Antrieb ermöglicht in Kombination mit der Achsenanordnung nicht nur Bewegung nach vorne und hinten, sondern auch diagonal. So kann sich das VISION AVTR im Gegensatz zu herkömmlichen Fahrzeugen um etwa 30 Grad seitwärts fortbewegen. Der sogenannte „Krebsgang“ gibt dem Konzeptfahrzeug auch in seiner Fortbewegung eine reptilienartige Anmutung und eine hohe Agilität.

Was bedeutet das?

Daimler hat die CES einmal mehr dazu genutzt, sich inhaltlich ganz weit aus dem Fenster zu lehnen. Der AVTR bietet vor allem in der Akkutechnik und beim Materialeinsatz neue sinnvolle Ansätze. Optisch haben sich die Studien dagegen mittlerweile etwas „rundgelutscht“. 

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